Wie das russische Fernsehen über den Mueller-Report berichtet

Das russische Fernsehen hat in der Sendung „Nachrichten der Woche“ den Mueller-Bericht behandelt. Die Hysterie der westlichen Medien zu der angeblichen Wahleinmischung Russland in die US-Wahlen von 2016 führt in Russland oft zu geradezu humoristischen und ironischen Reaktionen. Und das sowohl in seriösen Nachrichtensendungen, als auch in Pressekonferenzen des russischen Außenministeriums.

Während westliche Medien nicht über die Fakten berichten, sondern nur die Vorwürfe gegen Russland wiederholen, zeigen die russischen Medien die Quellen dieser Vorwürfe auf und worauf sie sich beziehen. Dabei wird unweigerlich klar, warum diese Details in westlichen Medien nicht genannt werden, denn der Leser würde dann verstehen, wie unsinnig die Vorwürfe in Wahrheit sind.

Nun hat der Mueller-Bericht das erneut aufgezeigt, aber das ändert nichts an der Linie der westlichen Medien, die weitermachen, als gäbe es den Bericht gar nicht. Das russische Fernsehen hat sich dieses absurden Themas angenommen. Ich habe den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Das US-Justizministerium hat endlich eine bearbeitete Version des Berichts von Sonderermittler Mueller über das Fehlen von Absprachen Trumps mit Russland veröffentlicht. Eigentlich sollten diese 448 Seiten die zwei Jahre andauernde Jagd der Presse auf den amerikanischen Präsidenten mit dem Ziel, ihn zu stürzen, beenden. Die US-Geheimdienste beteiligten sich an der Jagd, was bedeutet, dass sie gegen den rechtmäßig gewählten Präsidenten gearbeitet haben. Trump selbst bezeichnete das bereits als Putschversuch in den USA und versprach, dafür zu sorgen, dass kein künftiger amerikanischer Politiker mit so einer Situation konfrontiert werden könne. Trumps Absicht bedeutet ein Verfahren gegen die Organisatoren der zusammengebrochenen Ermittlungen gegen ihn.

Es ist klar, dass nicht jeder in der amerikanischen Presse den Schlussfolgerungen von Mueller zustimmte. Und das ist verständlich, denn dieser Fall droht den Ruf vieler zu zerstören, die bisher als unantastbar galten. Daher werden die Unversöhnlichen noch unversöhnlicher und bringen ihre irrationalen Ergebnisse an die Öffentlichkeit. Trumps Zustimmungsrate ging jedenfalls auf wundersame Weise zurück.

Wenn Trumps Aktivitäten vor dem Ende der Ermittlungen im März von 43 Prozent (Reuters/Ipsos) positiv bewertet wurden, ist die Zahl nun gesunken, nur 37 Prozent der US-erwachsenen Bevölkerung unterstützt Trumps Arbeit. Zudem waren 47 Prozent für Trumps Rücktritt und sogar 50 Prozent glauben, dass Präsident Trump oder einige seiner Mitarbeiter, mit Russland zusammengearbeitet haben, um die Ergebnisse der Wahlen 2016 zu beeinflussen. Nur ein Drittel der Amerikaner, 34 Prozent, ist mit dieser Ansicht nicht einverstanden. Das bedeutet, die Lügen wurden aufgedeckt, aber es bleibt ein Schatten zurück. Und im werfen solcher Schatten ist die US-Presse Weltmeister.

Aus den USA berichtet unser Korrespondent.

Sonderermittler Mueller versteckt sich auch nach der Veröffentlichung des Berichts vor TV-Kameras, eilig verschwand er in einem grauen Subaru aus der Tiefgarage seines Büros. Er verdeckte sein Gesicht so weit wie möglich, trug Baseballkappe und Sonnenbrille. Zwei Jahre Arbeit. 500 Zeugen befragt. 30 Millionen Dollar in den Abfluss gespült. Sein Bericht, der um 11 Uhr in Washington veröffentlicht wurde, wurde bis in die Nacht gelesen, es sind immerhin 448 Seiten. Geheime Angaben sind geschwärzt, mal ein paar Zeilen, mal eine ganze Seite. Aber das Fazit ist äußerst eindeutig. Der unmittelbar nach der Niederlage von Hillary Clinton geborene Mythos von Trumps Absprachen mit Russland ist geplatzt.

US-Justizminister William Barr erklärte, dass der Präsident unschuldig ist, wofür er sofort angegriffen wurde: Vor dem Gebäude des Justizministeriums wurde eine Pappfigur von ihm mit einem Schild um den Hals aufgestellt: „Ich habe das amerikanische Volk für Trumpf belogen“. Auch humoristische Late-Night-Shows haben das Thema aufgegriffen.

Zweieinhalb Jahre lang nannten die Demokraten, führende amerikanische Medien und ehemalige Geheimdienstchefs von Obama Trump einen Verräter, einen Agenten des Kreml. Die russische Botschaft in Washington hat auf 120 Seiten ihren Bericht erstellt. Mit Quellen aus amerikanischen Zeitungen und Fernsehsendern, die aufzeigen, wie die anti-russische Hysterie geschürt wurde. Es sind hunderte Beispiele aufgeführt.

Die politische Realität Amerikas im 21. Jahrhunderts erinnert an die Serie „Game of Thrones“ aus dem späten Mittelalter.

Eine Entschuldigung der Verleumder erfolgte natürlich nicht. Als sie sich von der Schlappe des Mueller-Berichts erholt hatten, sind die gleichen Demokraten, die ihnen treu ergebenen Medien und ehemalige Leiter der Geheimdienste zum Angriff übergegangen und haben den Zuschauern eine ziemlich verrückte Konstruktionen präsentiert.

„Wenn es keine Beweise dafür gibt, dass es eine aktive Verschwörung gab, denke ich, dass wir einen Fall von passiver Verschwörung haben“ sagte James Clepper, ehemaliger Direktor der US-amerikanischen National Intelligence.

Und natürlich steht im Bericht eine Erklärung, dass Russland sich in die Wahlen eingemischt hat. Es war auch nicht vorstellbar, dass Robert Mueller in diesem Bericht etwas anderes zu Russland gesagt hätte, weil er die mögliche Absprache Trumps mit dem Kreml nur aufgrund der russischen Einmischung untersucht hat. Und wenn er offiziell sagen würde, es habe keine Einmischung gegeben, dann müsste man ja fragen, wozu das alles überhaupt? Und was haben Sonderermittler Mueller und das gesamte politische Washington zweieinhalb Jahre lang getrieben?

An die vermeintlich von russischen Hackern gehackten Server der Demokratischen Partei durfte die ganzen zweieinhalb Jahre kein Agent des FBI heran. Stattdessen heuerte die Partei die junge Firma CrowdStrike an, um den Fall zu untersuchen. In der Vereinigung der Geheimdienstveteranen, zu der ehemalige Mitglieder der NSA gehören, ist man über diesen Ansatz, gelinde gesagt, überrascht.

„Der FBI-Direktor James Comey hat erklärt: Wir müssen keine Ermittlungen an diesen Computern durchführen. Wir setzen auf eine hochqualifizierte Firma. Sie werden uns alles geben. Wissen Sie, dafür gibt es keine Entschuldigung. Es muss einen Grund dafür geben. Schließlich sagten damals John McCain und andere: Das ist eine Kriegserklärung Russlands. Aber das FBI hat sich diese Computer noch nicht einmal angeschaut. Da stinkt etwas gewaltig“ sagte Ray McGovern, ein pensionierter CIA-Offizier und ehemaliger ranghoher Berater des US-Präsidenten für Nationale Sicherheit.

Als sie bemerkten, dass das Thema „Verschwörung“ platzt, schalteten die Demokraten auf eine andere Geschichte um: Dass Trump versucht hat, das Mueller-Team aufzulösen und die Justiz zu behindern. Die Legenden Hollywoods, wie Robert De Niro, tragen dazu bei, die anklagende Voreingenommenheit zu verstärken.

„Wir haben gerade einen Gangster im Weißen Haus. Ich hätte ihm Handschellen angelegt und die orangefarbene Gefangenenrobe angezogen. Dieser Typ ist ein absoluter Verlierer“ meinte der Schauspieler.

Wer diesen politischen Überlebenstest bestanden hat und wer nicht, wird die nächste Wahl zeigen. Dem Herrn des Weißen Hauses, der die Vorwürfe satt hat, kommen anderen Vergleiche in den Sinn.

„Für mich ist es, wie die politische Version einer Untersuchung beim Proktologen. Der Generalstaatsanwalt und sein Stellvertreter erklärten: Es gab keine Behinderung der Justiz. Das heißt, es gibt keinen Verdacht gegen den Präsidenten“ sagte eine Beraterin Trumps.

Allerdings scheint Mueller in dem Bericht bewusst Platz für Anspielungen gelassen zu haben. Hier ist ein Zitat aus dem Bericht, dass Trump doch irgendwie in die Ermittlungen eingegriffen haben könnte: „Obwohl der Bericht keine Erkenntnisse enthält, dass der Präsident ein Verbrechen begangen hat, rehabilitiert er ihn auch nicht“. Das heißt, Trump wird nicht angeklagt, aber ist trotzdem möglicherweise schuldig. Eine seltsame Schlussfolgerung für einen Staatsanwalt.

Aus diesem Grund wird wieder über eine Amtsenthebung geredet. Der Kongress ist jedoch vorsichtig: Dafür braucht es schwerwiegende Vorwürfe und echte Beweise. Zur Zeit gibt es gegen Trump offensichtlich weder das eine noch das andere. Die Präsidentenwahl ist nicht weit und die Führung der Demokraten versteht: Mit der „Verschwörung“ haben sie sich die Finger verbrannt, aber eine dumme Amtsenthebung könnte ihre Wahlchancen komplett verbrennen.

Ende der Übersetzung

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Dort gibt es auch viele Passagen, in denen Putin von US-Journalisten zu der angeblichen russischen Wahleinmischung befragt wurde. Putins Antworten auf diese Fragen, die ihm in den letzten zweieinhalb Jahren immer wieder gestellt wurden, sind im Lichte der heutigen Erkenntnisse doppelt interessant.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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