Cui bono? Wie Trumps Streit mit Twitter, die Unruhen in den USA und die US-Wahlen zusammenhängen

Der Streit zwischen Trump und Twitter wird immer härter. Nun hat Twitter ein Video gelöscht, dass Trump getwittert hat. Wer sich das Video anschaut, der versteht, worum es in dem Streit anscheinend wirklich geht.

Die großen Internetkonzerne und Trump werden wohl keine Freunde mehr. Die Internetkonzerne gaben von Anfang an recht offen zu verstehen, dass sie Trump nicht mögen. Und das hat Konsequenzen, denn wenn Google zum Beispiel seine Suchfunktion so modifiziert, dass bei einer Suche immer negative Ergebnisse über Trump auftauchen, beeinflusst das die Menschen und damit die Wahlergebnisse.

Gleiches können Facebook und YouTube (also auch Google) tun und es gibt noch eine ganze Reihe anderer Instrumente, die die Internetkonzerne zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung nicht nur haben, sondern bereits aktiv nutzen. Beispiele für weitere Instrumente finden Sie in diesem Artikel, in dem ich über eine Anhörung vor dem US-Senat berichtet habe, in der Experten dargelegt haben, dass die Internetkonzerne über 10 Millionen Wählerstimmen in den USA in die von ihnen gewünschte Richtung beeinflussen können. Das wäre selbst bei einer nicht knappen Wahl wahlentscheidend.

Man muss, wenn es um den aktuellen Streit zwischen Trump und Twitter geht, diese Fakten im Hinterkopf behalten.

Twitter hat nun den Kampf gegen Trump eröffnet. Ich sage es gleich vorweg: Trumps harte Haltung, gegen Demonstranten das Militär einzusetzen, lehne ich strikt ab. Demonstrationen müssen erlaubt sein, ohne dass das Militär schießt. Andererseits hat der Staat die Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und wenn es zu Plünderungen kommt, muss der Staat (also die Polizei) eingreifen. Somit ist die Situation in den USA komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint.

Das erste zerschlagene Schaufenster – Wie die Unruhen in den USA begannen

Und schon hier reagieren die Internetkonzerne sehr merkwürdig. Es gibt ein Video, das zeigt, wie die ersten Plünderungen in Minneapolis begonnen haben (siehe Titelbild). Darauf ist zu sehen, wie ein Mann mit einem aufgespannten Regenschirm (obowhl es nicht geregnet hat) und mit einem mit einer Gasmaske unkenntlich gemachten Gesicht die Scheiben eines Geschäftes namens „Auto Zone“, in dem Plünderungen begannen, einschlägt. Der Mann war kein Schwarzer, er ging in aller Seelenruhe an dem Geschäft entlang, schlug die Scheiben ein und verschwand dann. Einige haben noch erfolglos versucht, ihn zur Rede zu stellen.

Danach begannen in dem Geschäft mit Namen „Auto Zone“, an das auch noch jemand die Aufschrift „Free shit for everyone zone“ (sinngemäß übersetzt „Bedient Euch, in dieser Zone gibt´s alles umsonst“) gesprüht hatte, die Plünderungen.

Das Video macht den Eindruck, als habe da jemand die Unruhen eskalieren wollen.

Nachdem er in aller Seelenruhe die Scheiben eingeschlagen hat, ist er verschwunden. Er war anscheinend alleine, aber weitere, inzwischen online gestellte Videos, zeigen, dass es sich um eine Gruppe handeln dürfte. Jedoch hat von denen niemand geplündert, sie scheinen sich nur gegenseitig gedeckt zu haben. Und sie sind dann verschwunden.

Wenn die ersten Scheiben zerschlagen sind, ist eine Schwelle überschritten und die Eskalationsspirale beginnt. Und genau so ist es gekommen: Es fanden sich schließlich die ersten, die den Laden geplündert haben, andere Läden folgten, die Polizei musste einschreiten, aber da es Demos gegen Polizeigewalt waren, hat das weiteres Öl ins Feuer gegossen, die Lage ist weiter eskaliert und das Ergebnis sehen wir heute.

Internetkonzerne löschen die Videos

YouTube hat das Video (das sehr viele Aufrufe gehabt hat) mit einem Hinweis auf eine Urheberrechtsverletzung gelöscht. Aber wenn so etwas erst einmal online ist, dann wird es verbreitet. Die hier verlinkte Veröffentlichung des gleichen Videos ist noch online, während ich dies schreibe. Sollte sie ebenfalls gelöscht worden sein, wenn Sie diesen Artikel lesen, versuchen Sie Ihr Glück mit einer Suche auf YouTube unter dem Suchbegriff „umbrella man minnesota“

Minneapolis Umbrella Man

Auf dem nächsten Video sind Aufnahmen anderer Teilnehmer der Demo zu sehen. Es ist auch zu sehen, wie der „Umbrella Man“ („Regenschirm-Mann“) vorher zu dem Geschäft geht und mit wem er dort offensichtlich in Kontakt stand. Es gab offenbar mehrere solche dunkel gekleideten Leute mit Regenschirmen und identischen Gasmasken, die eine Identifizierung unmöglich machen sollten.

UMBRELLA MAN MAY 27, 2020. NIGHT 2 OF PROTESTS. BREAKS AUTO ZONE WINDOWS. GEORGE FLOYD, MINNEAPOLIS

Wie man sieht, sind all die veröffentlichten Aufnahmen mit Handys aufgenommen worden. Was soll daran eine Urheberrechtsverletzung sein, wenn Leute ihre Handyaufnahmen ins Netz stellen, weil sie wollen, dass es weiter vebreitet wird? Und genau diese Verbreitung wird unter dem Vorwand einer angeblichen Urheberrechtsverletzung verhindert.

Welche Videos wir außerdem nicht sehen sollen

Und dieses Muster sehen wir nun bei dem von Twitter gelöschten Video von Trump. Auch dort begründet Twitter die Löschung mit einer Urheberrechtsverletzung, wobei Twitter aber nicht mitgeteilt hat, wessen Rechte verletzt worden sind, wie The Hill schreibt.

Da das von Twitter gelöschte Video ist derzeit noch bei YouTube zu sehen ist, wollen wir uns das anschauen. Vorher nochmal zur Erinnerung: Alle Medien berichten, dass Trump die USA spaltet, dass seine Reden und Forderungen den Hass verstärken, die Unruhen befeuern und so weiter.

Kommen wir also zu dem von Twitter gelöschten Video von Trump. Auf dem vier Minuten langen Video ist eine Ansprache von Trump zu hören, die mit Bildern und Videosequenzen unterlegt ist. Auf irgendein einzelnes Bild beruft sich Twitter bei der Sperrung. Ich übersetze hier die Ansprache aus dem Video, damit sich jeder ein Bild machen kann, ob Trump zum Hass aufruft oder nicht. (Das Video selbst finden Sie unter der Übersetzung, wenn es nicht auch von YouTube gelöscht wird)

Beginn der Übersetzung:

Ich verstehe den Schmerz, den die Menschen fühlen. Der Tod von George Floyd auf den Straßen von Minneapolis war eine Tragödie. Das hätte nie passieren dürfen. Es erfüllt die Amerikaner im ganzen Land mit Horror und Ärger.

Wir unterstützen friedliche Demonstranten. Die Stimmen von gesetzestreuen Bürgern müssen gehört werden, sehr laut gehört werden!

Wir stehen zusammen mit der Familie von George Floyd, den friedlichen Demonstranten und mit jedem gesetzestreuen Bürger, der Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit will.

Aber was wir nun auf den Straßen unserer Städte sehen, hat nichts zu tun mit Gerechtigkeit. Hooligans, Plünderer und Anarchisten entehren die Erinnerung an George Floyd! Die Plünderungen werden geleitet von der Antifa und anderen linksextremen Gruppen, die Unschuldige terrorisieren und Jobs zerstören. Der Mob vernichtet die Arbeit guter Menschen und zerstört ihre Träume!

Wir können und dürfen einer kleiner Gruppe von Vandalen nicht erlauben, unsere Städte zu zerstören, wir müssen das Recht eines jeden Bürgers verteidigen, ohne Gewalt oder Angst zu leben.

Heilung, kein Hass, Gerechtigkeit, kein Chaos sind unsere Mission.

Ich stehe vor Ihnen als ein Freund und Verbündeter von jedem Amerikaner, der Gerechtigkeit und Frieden sucht. Niemand ist mehr enttäuscht über die wenigen, die handvoll Polizisten, die ihren Eid gebrochen haben, die daran gescheitert sind, zu dienen und schützen. (Anm. d. Über.: Der Leitspruch der US-Polizei lautet „to serve and protect“, also „dienen und schützen“)

Ich unterstütze die überwiegende Mehrheit der Polizisten, die unglaubliches leisten und dem Dienst an der Öffentlichkeit verpflichtet sind.

Wir müssen als Gesellschaft alle zusammen arbeiten, um die Möglichkeiten zu erweitern, eine Zukunft der größeren Würde zu schaffen. Jeder Bürger und jede Gemeinschaft hat das Recht, in Sicherheit zu sein, in Sicherheit in ihren Häusern und unseren Städten.

Wir arbeiten an dieser Gesellschaft. Aber das bedeutet aufbauen, nicht einreißen, Hände reichen, nicht Fäuste ballen, in Solidarität stehen, nicht vor Feindschaft kapitulieren. Das ist das heilige Rechte eines jeden Amerikaners, das ich mit allen Mitteln verteidigen will und werde.

Ende der Übersetzung

Hier das Video:

Nun kann sich jeder selbst überlegen, warum Twitter das Video gelöscht hat: Wegen des Urheberrechtes an einem einzigen Bild, das nur Sekundenbruchteile zu sehen war? Oder wegen des Inhaltes, der so gar nicht zu dem passt, was über Trump berichtet wird?

Wer profitiert von den Unruhen in den USA?

Ich werde mal beschuldigt, Trump zu unkritisch zu sehen und mal beschuldigt, ihn zu sehr zu loben. Nichts davon stimmt in meinen Augen und regelmäßige Leser des Anti-Spiegel wissen das. Es gibt Themen, bei denen ich Trump sehr heftig kritisiere und es gibt Themen, bei denen ich das, was Trump tut durchaus vernünftig finde. Kein Mensch ist nur gut oder schlecht und ich beurteile Politiker an ihren konkreten Taten bei konkreten Themen. Und daher kann ich über den gleichen Politiker mal positiv schreiben und mal negativ. Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß und niemand ist nur gut oder nur schlecht.

An Trump finde ich vieles schlecht und den Einsatz der Armee gegen Demonstranten finde ich unverantwortlich und unentschudlbar. Gouverneure zu mehr Härte gegen Demonstranten aufzufordern, finde ich unentschudlbar. Andererseits: Regierung und Staat müssen die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten, die Menschen im Land schützen. Bei dieser Gratwanderung, wenn Chaoten friedliche Demonstrationen missbrauchen, um Geschäfte plündern und Häuser anzuzünden, kann jeder Politiker nur verlieren. Lässt er die Plünderungen zu, hat er versagt, geht er gewaltsam gegen Plünderer vor und es kommen friedliche Demonstranten zu Schaden, ist auch das seine Verantwortung.

Wenn man nun noch das Video des Regenschirm-Mannes vor Augen hat, muss man sich fragen, wer ein Interesse daran hat, die Demonstrationen zu eskalieren. Wäre es zu Plünderungen und landesweiten Unruhen gekommen, wenn dieser Mann nicht die Scheiben eingeschlagen hätte, woraufhin die ersten Plünderungen begonnen haben?

Fakt ist, die erste Scheibe hat kein schwarzer Demonstrant eingeschlagen, sondern ein maskierter Weißer mit einem aufgespannten Regenschirm.

Profitiert Präsident Trump, der als Amtsinhaber zeigen muss, dass er das Land wachsen und gedeihen lässt, von den Unruhen? Oder profitieren Joe Biden und die Demokraten von den Unruhen, die immer sagen, dass Trump der Aufgabe, das Land wachsen und gedeihen zu lassen, nicht gewachsen ist?

Die Schwarzen sind eine wichtige Wählergruppe in den USA, wahrscheinlich das Zünglein an der Waage. Unter Trump haben so viele von ihnen Arbeit gehabt, wie nie zuvor. Nun dürften sie Trump mit dem Ruf nach Militär gegen schwarze Demonstranten in Verbindung bringen.

Cui bono, wem nützt das?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Cui bono? Wie Trumps Streit mit Twitter, die Unruhen in den USA und die US-Wahlen zusammenhängen“

  1. Auslöser war dieses Video und die Hilflosigkeit der Menschen.

    https://minnesota.liveuamap.com/en/2020/26-may-longer-version-of-minneapolis-police-video–four-minutes

    Ja es scheint Menschen zu geben die ganz bewusst mit der Stimmung der Leute ihr Spielchen zu spielen. Wie der Typ der die Scheiben einschlug, wie auch das Männlein welches ich in einem Video sah in dessem Ohr so eine Kommunikationshilfe von Sicherheitsleuten steckte. So wie dieser hier der rumballerte.

    https://kstp.com/news/kstp-social-media-video-rich-reeve/5745088/?cat=1

    Die Frage, wen nutzt es, kann man einfach beantworten.
    All denen, die einen Beweis für die Überlegenheit des Staates haben wollten. Und denen die eh der Meinung sind das Schwarze, Latinos oder Asiaten nichts Wert sind.

  2. Der Umbrellaman ist ja wieder voll im Einsatz. Den gab es doch schon mal beim Mord von JFK .. da stand auch mitten in der prallen Sonne einer mit einem Schirm rum. Und Hongkong, da gab es ja einen ganzen Haufen Umbrella people. Schein die Handschrift eines US-Geheimdienstes zu sein. Antifa .. ich würde mal sagen, dass ist die SS der „Demokraten“ Bei Animal Farm waren es die Köter ..

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