Homophobie in Russland? Ein Kommentar des russischen Fernsehens

In der russischen Verfassung soll im Zuge der Verfassungsänderungen auch der Begriff der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau festgeschrieben werden. Dagegen regt sich Widerstand in der LGBT-Gemeinschaft, wie das russische Fernsehen berichtet.

In der Sendung „Nachrichten der Woche“ wurde berichtet, dass Human Rights Watch gegen die Festschreibung der Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau protestiert, weil das die LGBT-Gemeinschaft diskriminieren würde. Darauf ging der Moderator in einem Kommentar ein.

Putin hatte im Zuge der Beratungen über die Verfassungsänderungen gesagt, dass es – solange er Präsident ist – in Russland „Mama und Papa“ geben werde. Das ist eine Reaktion auf Vorstöße einiger westlicher Länder, diese Begriffe aus der Amtssprache zu verdrängen und durch „Elternteil Eins und Elternteil Zwei“ zu ersetzen. Dagegen regt sich Protest bei der LGBT-Gemeinschaft.

Ich habe den Kommentar des russischen Fernsehens zu dem Thema übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Verfassungsänderungen, die derzeit auf Vorschlag von Präsident Putin in der Gesellschaft diskutiert werden, provozieren sogar internationale Diskussionen. So schützt beispielsweise die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die für ihre pro-amerikanische Linie bekannt ist, die russische Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender Gemeinschaft, kurz LGBT. Wie sich herausstellt, ist Putins Vorschlag, das Konzept der „Ehe“ als Verbindung zwischen Männern und Frauen in die Verfassung aufzunehmen, eine Diskriminierung der LGBT-Gemeinschaft und außerdem noch homophob. Das zumindest meint Tatiana Lokshina, stellvertretende Leiterin der Abteilung Europa und Zentralasien von Human Rights Watch: „Homophobie in Russland ist ziemlich stark und wird durch die Annahme diskriminierender Gesetze und entsprechender Rhetorik in den Medien noch verstärkt“, erklärte sie.

Das Gerede über Homophobie in Russland ist eine ziemlich abgeleierte Platte. Die traditionelle orientierte Mehrheit in Russland interessiert sich einfach nicht für die Besonderheiten der LGBT-Gemeinschaft. Phobie bedeutet Angst. Über welche Art von Angst kann man sprechen, wenn einem etwas Seltsamens aggressiv aufgedrängt wird? Das ist einfach lächerlich. Der größte Teil der Menschen in unserem Land zuckt einfach mit den Schultern und versucht, ungewöhnliche Menschen nicht zu beleidigen.

Jetzt sagt Putin, solange er Präsident ist, werden die Begriffe „Papa“ und „Mama“ in Russland erhalten bleiben. Das ist eine Art persönliche Garantie Putins. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Aber so ist es erstmal. Und auch für die Festlegung der Ehe als Vereinigung von Mann und Frau in der Verfassung werden die Menschen wahrscheinlich bei der Volkabstimmung stimmen. Und wenn jemand eine gleichgeschlechtliche Verbindung eingehen will, ist es in Russland bereits möglich, zum Beispiel die Beziehungen durch Erklärungen beim Vormundschaftsamt zu formalisieren. Oder man könnte sogar auch die Eintragung sogenannter Lebensgemeinschaften in Russland zulassen, ohne sie an Geschlechter zu binden. Das wäre auch eine Lösung. Wir haben das schon vor ein paar Jahren in „Nachrichten der Woche“ vorgeschlagen. Die Hauptsache ist, es nicht Ehe zu nennen, was unsere Traditionen und Ideen verwischen würde. Daran nichts Anstößiges oder Diskriminierendes für die LGBT-Gemeinschaft, denn diese besonderen Menschen sind sogar stolz auf ihre Andersartigkeit. Warum sollten wir ihnen das nehmen? Gott bewahre, dass sie sich deromantisiert fühlen.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Gedanken zu „Homophobie in Russland? Ein Kommentar des russischen Fernsehens“

  1. Ja, man kann das Gerede über Homophobie fast nicht mehr hören und natürlich bemerkt man sofort die Scheinheiligkeit der politischen Motivation westlicher Medien und westlicher Interessenvertretungen und Organisationen. Im Westen werden Millionen von Menschen, die ganz „normal“ sind, diskriminiert und die „Würde des Menschen“, wie im Artikel 1 unseres Grundgesetzes festgeschrieben, ist längst angetastet. Die heutigen Sozialsysteme (Hartz IV, Jobcenter) sind herabwürdigend, so auch das Bildungssystem in seiner didaktischen, wirtschaftlichen und politischen Ausrichtung, der nicht vorhandenen Informations- und Bildungsauftrag der Medien (Verblödung der Bevölkerung) usw. Nicht zuletzt werden Menschen mit einer marxistischen oder leninistischen Orientierung diskriminiert. Während die Ehe in Deutschland keinesfalls mehr von alten Werten (nach derAufklärung) bestimmt ist, auch an Bedeutung verliert – man siehe die hohen Scheidungsraten und betrachte die Politik im Allgemeinen, welche die Spaltung der Gesellschaft bis in die Familien hinein forciert – schreit man nach der Festschreibung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Das ist ein Hohn und wieder einmal Verblödung ersten Grades. Ich denke, in Russland wird das Problem im Zusammenhang mit dem Erhalt einer geschlossenen Gesellschaft gesehen. Die Familie (dazu gehören dann auch die Kinder) sind die kleinste Zelle der Gesellschaft, welche Grundvoraussetzung für eine soziale Gerechtigkeit und intakte Gesellschaft ist. Nur eine intakte Gesellschaft ist mündig und fähig, ein wirklich demokratisches System aufzubauen, Politik mit zu bestimmen und höhere politische Ziele, wie Abschaffung von Kriegen, Aufbau gerechter Sozialsysteme, eine lebensbejahende Kultur zu schaffen. Russland erhält seine Gesellschaft und zerstört sie nicht.

  2. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit westliche Institutionen aller Welt vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben, wie ihre Verfassung auszusehen hat oder wer sie wie zu regieren hat. Das geht sie doch gar nichts an, das ist doch Sache der jeweiligen Völker selbst! Im Westen verbittet man sich Ratschläge oder gar Forderungen aus Russland oder China auch! Dabei sind die westlichen Staaten weder selbst Vorzeigedemokratien und nicht mal solche einfachen Dinge wie Presse- und Meinungsfreiheit werden garantiert, wie man am Fall Assange sieht. Durch die Mitgliedschaft in EU und NATO z. B. sind die demokratischen Rechte der Bürger massiv eingeschränkt. Aber auch das wird nicht mal erwähnt!

  3. „Homophobie in Russland ist ziemlich stark…“

    mit diesem völlig substanzlosen Spruch hat sich „Human Rights Watch“ doch bereits für jede weitere Diskussion disqualifiziert.
    Wenn die ernst genommen werden wollen dann müssten sie wenigstens ein Beispiel für diese Behauptung parat haben.

    Im Übrigen sehe ich mich näher bei den Russen als bei den westlichen Regierungen wenn es um dieses Thema geht.
    Propaganda für gleichgeschlechtliche Beziehungen hat in keiner Gesellschaft einen Platz und Russland hat sich hier zum Glück nicht von einigen wenigen manipulieren lassen.

    1. Du hast das jetzt nicht richtig verstanden. „Homophobie in Russland ist ziemlich stark…“ heißt für die, wenn die gleichgeschlechtliche Ehe nicht in der Verfassung verankert ist, dann ist eben das „Homophobie“. Das das natürlich kompletter Unsinn ist, steht außer Frage, aber so abstrus ist doch die Denkweise dieser Gestalten. Das hat sich in deren Gehirnplatte so tief eingebrannt, da ist für rationales Denken kein Platz mehr.

  4. „Das Gerede über Homophobie … ist eine ziemlich abgeleierte Platte. Die traditionelle orientierte Mehrheit … interessiert sich einfach nicht für die Besonderheiten der LGBT-Gemeinschaft. Phobie bedeutet Angst. Über welche Art von Angst kann man sprechen, wenn einem etwas Seltsamens aggressiv aufgedrängt wird? Das ist einfach lächerlich. Der größte Teil der Menschen … zuckt einfach mit den Schultern und versucht, ungewöhnliche Menschen nicht zu beleidigen. “

    Damit ist eigentlich alles, aber auch wirklich alles, zu diesem Thema gesagt.
    Und wir glauben, daß die meisten im Westen genau so „rational“ empfinden und das geht völlig in Ordnung.

  5. Wikipedia nennt als grundlegende Aufgaben der Ehe u. a.:
    „Ehen legitimieren die Nachkommenschaft, vor allem in der Erbfolge
    Ehen setzen Abstammungslinien fort und halten diese gegebenenfalls unvermischt („rein“)
    Ehen erheben einen Anspruch auf die Sexualität und Fortpflanzungsfähigkeit der Frau.“

    Damit hat es sich für gleichgeschlechtliche Ehen erledigt. Dass die sich vertraglich auf ein eheähnliches Verhältnis einigen, kann man zugestehen, mehr aber auch nicht.

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