Wirklich geschickte Desinformation: Russland zahlt angeblich den Taliban Kopfgeld für tote US-Soldaten

Die Medienberichte über Kopfgelder für tote US-Soldaten, die Russland angeblich den Taliban angeboten haben soll, sind unfreiwillig entlarvend. Und die Geschichte, die den deutschen Lesern so dramatisch präsentiert wird, wird nur durch massives Lügen und Weglassen dramatisch.

Das lustige an der Geschichte über die russischen Kopfgelder für tote US-Soldaten ist die Quelle. Es gibt nämlich keine. Die Geschichte wurde von der New York Times in die Welt gesetzt und sie hat keine einzige Quelle und keinen Beleg für die Geschichte genannt.

Ungenannte Geheimdienstquellen

Stattdessen hat sich die New York Times auf ungenannte Quellen in Geheimdiensten und Regierung berufen. Wenn aber Geheimdienstler Geheimnisse ausplaudern, dann ist das Verrat und dafür geht man ins Gefängnis. Wenn also Zeitungen sich auf „ungenannte Geheimdienstquellen“ berufen und danach kein Geheimdienst die undichte Stelle sucht und niemand wegen Geheimnisverrat angeklagt wird, dann ist höchste Vorsicht geboten. Das habe ich in meinem ersten Artikel über diesen angeblichen Skandal ausführlich aufgezeigt, Sie können es hier nachlesen.

Die „Qualitätsmedien“ tun in solchen Fällen immer etwas sehr interessantes. Sie berichten über den Artikel der New York Times. Und ein oder zwei Tage später kann man dann schon folgendes lesen, wie ein Spiegel-Artikel mit der Überschrift „Brisante Enthüllungen – Pentagon prüft Hinweise für russisches Kopfgeld auf US-Soldaten“ vom 1. Juli zeigt:

„Mehrere US-Zeitungen hatten sich auf Geheimdienstinformationen berufen, wonach russische Agenten militanten Islamisten von den Taliban Geld für Angriffe auf US-Stellungen versprochen haben sollen.“

Diese „mehreren US-Zeitungen“ haben alle nur über den Artikel der New York Times berichtet, doch für den Leser klingt es nun so, als hätten ganz viele Zeitungen unabhängig voneinander von der Sache gehört und darüber berichtet. Das klingt für den Leser dann schon sehr überzeugend, es ist aber eine bewusste Irreführung der Leser.

Nachdem die Medien diese Geschichte, die eine einzige Zeitung ohne Quellenangabe in die Welt gesetzt hat, gemeldet haben, können sie ihre eigenen Berichte über diesen einen Artikel nun als Berichte „mehrerer Zeitungen“ bezeichnen. Danach kommt der nächste Schritt. Nun wird es bereits als erwiesene Wahrheit dargestellt.

Beim Spiegel dauerte das nur fünf Stunden. Der eben zitierte Artikel erschien um 1. Juli um 1.40 Uhr. Schon am gleichen Tag um 6.46 Uhr legt der Spiegel unter der Überschrift „Streit in den USA um Kopfgeld-Affäre – Trump brüskiert das Militär“ nach.

Aus den „brisanten Enthüllungen“ von 1.40 Uhr, die ja noch Enthüllungen sind, also keine erwiesene Wahrheit, ist in gerade mal fünf Stunden bereits der „Kopfgeld-Skandal“ geworden, also eine vorgeblich wahre Geschichte. Besonders entlarvend und subtil ist die Einleitung des zweiten Spiegel-Artikels:

„Der US-Präsident gerät wegen seines Verhältnisses zu Russland unter Druck. Wusste er von den mutmaßlichen Zahlungen an die Taliban für Angriffe auf US-Soldaten – ohne etwas dagegen zu unternehmen?“

Russland und Trump, das ist ja ohnehin ein ganz heißes Thema, wie jeder Spiegel-Leser weiß. Entscheidend ist aber der zweite Satz: Wenn Zahlungen „mutmaßlich“ sind, dann gab es sie vielleicht gar nicht. Sie sind also nicht erwiesen, die Frage nach dem Wahrheitsgehalt stellt der Spiegel aber gar nicht. Bei ihm geht es in dem Satz schon um die Frage, ob Trump davon wusste und ob er nichts dagegen unternommen hat.

Wenn es die „mutmaßlichen“ Zahlungen aber gar nicht gegeben hat, wie sollte Trump dann etwas davon wissen oder gar etwas dagegen unternehmen?

Der Spiegel benutzt das Wort „mutmaßlich“ und macht sich damit unangreifbar, denn er behauptet ja nicht, dass es die Zahlungen gegeben hat. Aber er baut das Wort „mutmaßlich“ in einen Satz ein, der impliziert, es seien tatsächlich Zahlungen erfolgt. Formell kann man dem Spiegel also nichts vorwerfen, er hat keine Lüge verbreitet, es waren ja „mutmaßliche“ Zahlungen.

Aber für den Leser klingt es so, als sei alles erwiesen und Trump habe davon gewusst und nichts unternommen.

Das ist wirklich geschickte Desinformation.

Im Artikel setzt der Spiegel das Spiel fort. Die Aussagen über das Kopfgeld werden als wahr dargestellt, während die Reaktion des Weißen Hauses mit „seltsame Ausreden“ überschrieben ist. Man kann dann etwas von „hektischen“ Bemühungen des Weißen Hauses lesen, die „versuchen, die Sache kleinzureden„. Die Formulierungen lassen beim Leser den gewünschten Eindruck entstehen, Trump lüge. Und wieder gilt: Geschickt gemacht, der Spiegel behauptet nicht, dass Trump gelogen hat, er stellt es mit den nötigen Formulierungen aber so dar und beim Leser setzt sich dieser Eindruck fest.

Das ist wirklich geschickte Desinformation. Aber das sagte ich ja schon.

Was sind die Fakten?

Auch dazu findet sich im zweiten Spiegel-Artikel etwas sehr interessantes:

„Erschüttert wird die Verteidigungslinie des Weißen Hauses zudem von einem Bericht der Nachrichtenagentur AP. Demnach soll der frühere Sicherheitsberater John Bolton Trump schon im vergangenen Jahr persönlich über die Kopfgelder informiert haben. Bolton wollte sich laut der Agentur nicht dazu äußern.“

Merken Sie was? AP hat etwas berichtet, was Bolton getan haben soll, aber Bolton hat sich dazu gar nicht geäußert. Ja, was denn nun?

Schauen wir uns also die Reaktionen von Bolton einmal an, um zu verstehen, was Bolton gesagt oder getan hat.

Am 28. Juli hat Bolton bei CNN ein Interview gegeben. Dort sagte er:

„Ich würde vorsichtig sein, bevor wir zu weit gehen. Die Tatsache, dass es in der Presse erschien, bedeutet nicht unbedingt, dass es wahr ist“ (…) Bei allem Respekt, ich muss Sie daran erinnern, dass wir noch nicht viel wissen. Und die von Ihnen erwähnten Medien irren sich von Zeit zu Zeit.“

Klingt das so, als habe Bolton Trump schon im Vorjahr darüber informiert? Das klingt eher so, als wisse Bolton nichts davon und es klingt sogar so, als sei er äußerst skeptisch. Aber AP stellt eine andere Behauptung auf, teilt selbst mit, Bolton habe sich dazu nicht geäußert und der Spiegel stellt es dann als wahr dar, wenn er den Satz damit beginnt, dass die AP-Meldung die „Verteidigungslinie des Weißen Hauses erschüttert„.

Das ist kein Qualitätsjournalismus, das ist wirklich geschickte Desinformation. Sagte ich das schon mal?

Auch in einem Tweet hat Bolton deutlich gemacht, dass er davon nichts weiß. Er schrieb, wenn das wahr wäre, müssten die USA hart reagieren. Aber schrieb nicht, dass es wahr ist oder dass er gar Trump schon im letzten Jahr darüber informiert habe.

So geht es in einer Tour weiter. Auch die Geheimdienste haben die Berichte zurückgewiesen. Das Wall Street Journal hat darüber einen Artikel geschrieben, in dem man lesen kann, dass die NSA und andere Geheimdienste sich uneinig sind, ob die Information echt sei. Die NSA bestreitet es. Solche unterschiedlichen Einschätzungen seien normal bei der täglichen Arbeit der Geheimdienste.

Kurze Zwischenfrage: Was wird dem Präsidenten wohl im täglichen Geheimdienstbericht präsentiert? Der Streit der Geheimdienste über den Wahrheitsgehalt jedes Gerüchtes oder das, was die Geheimdienste übereinstimmend als wahr befunden haben?

So viel zu der Frage, ob Trump informiert war. Natürlich wird der Präsident nicht über jedes Gerücht informiert, das einer der 17 US-Geheimdienste aufgeschnappt hat. Da müsste das tägliche Geheimdienst-Briefing ja Wochen dauern, wenn allein die NSA täglich Millionen Telefonate mithört und Millionen Emails liest (ja, auch Ihre Emails).

In seinem Artikel schreibt das Wall Street Journal weiter, dass es alle Geheimdienste um Erklärungen gebeten hat, aber kein Geheimdienst hat eine abgegeben. Die CIA verwies demnach auf die Erklärung der CIA-Chefin, die solche Leaks verurteilte und mitteilte, die Analyse von Bedrohungen für US-Soldaten in Afghanistan dauere an.

Auch das Pentagon weiß von nichts, wie man sogar im ersten Spiegel vom 1. Juli noch lesen konnte:

„Das Pentagon teilte unterdessen mit, dass es bislang keine „bestätigenden Hinweise“ für die bekannt gewordenen Erkenntnisse gebe.“

Apropos erster Spiegel-Artikel: Interessant ist mal wieder, wie sich die Überschrift des Artikels verändert hat. Er ist unter der Überschrift „Affäre um Kopfgeld – Pentagon hat keine bestätigenden Hinweise für Tötungsprämie auf US-Soldaten“ erschienen. Das war der Spiegel-Redaktion aber dann wohl zu harmlos und zu wahrheitstreu, also wurde die Überschrift geändert und lautet nun „Brisante Enthüllungen – Pentagon prüft Hinweise für russisches Kopfgeld auf US-Soldaten„.

Wieder: Keine Lüge, aber eine subtile Beeinflussung der Leser. „Keine Hinweise“ klingt nach „da ist nichts dran. „Prüft Hinweise“ klingt nach „da muss irgendwas dran sein“. Wie sich die Überschriften beim Spiegel verändern, kann jeder anhand der Internetadresse von Spiegel-Artikeln sehen. Die Adresse des Artikels enthält immer die ursprüngliche Überschrift.

Sagte ich schon, dass das wirklich geschickte Desinformation…, ja, das sagte ich schon.

Stand der Dinge ist übrigens folgender: Die letzte Presseerklärung von US-Verteidigungsminister Esper vom 29. Juni sagt, dass das Pentagon die Meldungen prüfe, aber es steht dort auch wörtlich:

„Zu diesem Zeitpunkt hat das Verteidigungsministerium keine Hinweise, die die Medienberichte bestätigen.“

Interessant ist, dass die deutschen Medien gar keine Äußerungen von Pompeo dazu zitieren. US-Außenminister Pompeo ist immer in der ersten Reihe, wenn es gegen Russland geht. Dass die Medien ihn nicht zitieren, könnte daran liegen, dass er sich dazu wie folgt geäußert hat:

„In Afghanistan sind unsere Gemeinsamkeiten zwar nicht ideal, aber unsere Aufgaben sind in Vielem die gleichen. (…) Die russische Regierung hat auch das Ziel, das Risiko des Terrors in Afghanistan zu vermindern“

Und überhaupt – Wer tötet eigentlich wen?

Was nun in den Medien im Westen solche Wellen macht, nämlich dass Russland sich eventuell in irgendeiner Weise über tote US-Soldaten freut und dafür angeblich sogar Kopfgeld aussetzt, das gab es doch schon früher. Nur eben umgekehrt.

Wie war das noch in den 1980er Jahren in Afghanistan? Es war kein Geheimnis, es wurde ganz offen berichtet, dass die USA den islamistischen Kämpfern gegen die Sowjetunion in Afghanistan Milliarden gegeben haben, damit die Kämpfer rekrutieren, ausbilden und bewaffnen konnten, die dann russische Soldaten umbringen sollten. Übrigens hieß er wichtigste Partner der USA damals Osama Bin Laden.

Aber daran erinnern die Medien heute mit keinem Wort.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Gedanken zu „Wirklich geschickte Desinformation: Russland zahlt angeblich den Taliban Kopfgeld für tote US-Soldaten“

  1. Nun, Trump hagt viele Widersacher, auch in eigenen Reihen. Irgeneiner davon bringt also ein neues Märchen hinter „vorgehaltener Hand“, und damit wird es wunschgemäß dann von den Demokraten und den diesen nahestehenden Medien hochgepuscht.
    Dabei zeigt das wieder die amerikanische Denke: was wir schon immer gemacht haben, machen andere auch. Imemrhin ist Kopfgeld eine über Jahrhunderte in USA übliche Verfolgung, die auch in heutigen Zeiten immer wieder angewendet wird. Aber die USA sind ja die Guten, die dürfen das.
    Alles also einfach eine lachhafte Geschichte (wobei, würde sie stimmen, ich sogar applaudieren würde, angesicht all der Toten und des Leids, den die USA weltweit verursacht haben und immer wieder verursachen. Kriminelle, die die Gesetze nach Belieben selbst machen und dann selbst Richter und Vollstrecker sind.)

  2. Hallo,
    schon vor über 200 Jahren lief die Propaganda sehr ähnlich ab:
    „im britisch – amerikanischen Krieg von 1812 – 1814 warfen die Amerikaner den Briten vor, die Indianer dazu anzustacheln, Siedler im Grenzland zu überfallen und die dort lebenden Pioniere der ungezügelten Mordlust der Wilden preiszugeben.“
    (Zitat aus Verlorene Welten von Aram Mattioli, S.130)

    Wenn man sich sich vorstellt, dass das „anstacheln“ bestimmt nicht nur mit guten Worten sondern auch mit Prämien vorstatten ging, sind wir bei Kopfgeld ähnlichen Verhältnissen.
    Es wiederholt sich alles immer wieder und wieder.

    Gruß aus Duisburg
    Norbert

  3. „Wenn also Zeitungen sich auf „ungenannte Geheimdienstquellen“ berufen und danach kein Geheimdienst die undichte Stelle sucht und niemand wegen Geheimnisverrat angeklagt wird, dann ist höchste Vorsicht geboten. “

    Naja, woher soll man denn wissen das es solche Klagen bzw. Ermittlungen nicht gibt?
    In den USA gibt es doch geheime Gerichte und ständig irgendwelche Skandale die eines Rechtsstaats nicht würdig sind.

    Ich bin ja 100% davon überzeugt das der Artikel korrekt ist und das an den Vorwürfen nichts dran ist (aus allen anderen genannten Gründen) aber dieses eine Argument kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wir können gar nicht wissen was diese Geheimdienste so treiben oder gegen wen sie vorgehen, außer es gibt mal einen „Leak“.

  4. Darum habe ich vor einigen Wochen beschlossen, die Lektüre des Spiegels einzustellen. Das hilft meiner mentalen Hygiene und meiner Gesundheit. Das Ganze war alles sehr schmerzlos, ich vermisse das Fachblatt für Hass und Hetze nicht im geringsten. Ich empfinde das Leben nun als angenehmer.

  5. Der Freund eines Freundes hat gehört…
    Beim Irak-Krieg war es eine italienischer Kontaktmann der dem französischen GD einen Uran Kaufvertrag unterjubeln wollte. Weil die Franzosen nicht anbissen ging das Angebot an die Briten und Amis und Deutschen. Die Deutschen ließen sich eine Weile von einem Asylbewerber vorführen ehe sie merkten das der Mann log um Asyl zu bekommen. Was dann geschah wissen wir.

    https://www.youtube.com/watch?v=KAsBviYCpLg

    Die erste Lüge?

    Kennedy-Demokratischer Präsident und Lügner
    Kennedy-Demokratischer Justizminister und Auftragsmörder

    https://www.youtube.com/watch?v=ltV6JgurJdA

    Der fehlende Part

    https://www.youtube.com/watch?v=tbL4q0HpJzw

    Also Augen auf.

  6. http://dokumonster.de/sehen/standing-army-die-geheime-strategie-der-us-militaerbasen-doku/

    Klein, fein und schonungslos

    Ganz gleich ob unter Kennedy, der den Startschuss zur atomaren Aufrüstung gab, als auch dem Friedensnobelpreis-Träger Obama, der gnadenlos aufrüstete, die Verlogenheit kennt keine Grenze. Und stehts treu an der Seite, England und die NATO.

    Was wurden die Völker der Welt schon belogen und alle Kuschen vor diesen Ratten des Wertewestens.

    Aber ja, die Russen zahlen Kopfgeld für tote US Boys. Ein Gerücht welches England und die USA in die Welt gesetzt haben über Medien die sehr eng mit den Geheimdiensten zusammen arbeiten und sich deshalb wohl selbst das Qualitätssiegel verleihen durften.

    Nein, Russland ist kein Unschuldslamm denn das Land hat natürlich auch seine Interessen aber im Vergleich zum Gegenspieler sind sie Friedensengel.

    Nebenbei, Kopfgeldjagd ist doch das Fachgebiet der USA zumindest kenne ich diesbezüglich nur US-Kartenspiele oder Steckbriefe.

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