US-Dollar

Putin im O-Ton über die Pläne des neuen Präsidenten Argentiniens

Bei seiner traditionellen Jahrespressekonferenz wurde der russische Präsident Putin nach den Plänen des neuen Präsidenten Argentiniens gefragt, den Dollar als Landeswährung einzuführen

Der russische Präsident Putin hat am Donnerstag seine Jahrespressekonferenz abgehalten, die wieder über vier Stunden gedauert hat, und ich werde seine Aussagen zu den in meinen Augen interessantesten Themen heute und in den nächsten Tagen übersetzen. Eine Frage betraf die Pläne des neuen Präsidenten Argentiniens, den Dollar als Landeswährung einzuführen. Ich habe diesen Teil der Pressekonferenz übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Serouchow: Vladimir Serouchow, RBC. Wenn ich darf, zwei Fragen zur Währung.

Gerade wurde Javier Milay zum neuen Präsidenten Argentiniens gewählt und eines seiner wichtigsten Wahlversprechen war die Einführung des US-Dollars im Lande anstelle des Peso. Russland hingegen verfolgt seit einigen Jahren einen Kurs der Entdollarisierung und gibt im internationalen Zahlungsverkehr sowohl den Dollar als auch den Euro auf.

Wie beurteilen Sie diesen Prozess? Wie vorteilhaft ist es für Russland und seine Wirtschaftspartner geworden, Rechnungen in Rubel und nationalen Währungen befreundeter Länder zu begleichen? Und wenn wir schon beim Rubel sind, welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf den Rubelkurs, auf seinen Fall oder sein Wachstum? Wovon hängt er heute vor allem ab?

Putin: Fangen wir mit Argentinien an, um darauf nicht später zurückzukommen. Ja, alle kennen die Idee des gewählten argentinischen Präsidenten, innerhalb des Landes zum Dollar zu wechseln. Das ist die souveräne Entscheidung eines jeden Landes.

Aber zunächst einmal liegt die Inflation in Argentinien, glaube ich, bei etwa 143 Prozent, weshalb es – das haben mir frühere Staatsoberhäupter gesagt – viele Probleme mit der Rückzahlung der geliehenen Mittel gibt, die Argentinien aus verschiedenen Quellen erhalten hat. Die Logik ist also verständlich.

Aber natürlich bedeutet dies einen erheblichen Verlust an Souveränität für das Land. Wenn die heutige argentinische Führung keinen anderen Ausweg aus den bekannten finanziellen und wirtschaftlichen Problemen des Landes sieht, ist das ihre Entscheidung. Aber das ist auf jeden Fall ein erheblicher Verlust an Souveränität.

Außerdem gibt es da noch die sozioökonomische Komponente einer solchen Lösung. Sie sind von RBC, richtig? Sie sind ein spezialisierter Sender, bei Ihnen sind also alle Experten, die werden mich verstehen, und die Bürger werden verstehen, daran ist nichts Kompliziertes. Schließlich hat sogar eine enge Bindung der Landeswährung an den Dollar bereits schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Folgen.

Argentinien wurde seinerzeit von Finanzproblemen erschüttert, bis hin zu Runs auf die Banken. Sehen Sie , was hier passieren wird, wenn es nur den Dollar oder eine harte Bindung an den Dollar gibt. Schließlich denkt jede Regierung bei der Lösung ihrer internen wirtschaftlichen Probleme immer daran, wie sie den Bürgern soziale Garantien bieten und ihre sozialen Verpflichtungen erfüllen kann.

Ich stelle mit Genugtuung fest, dass es der russischen Regierung gelungen ist, trotz gewisser Erhöhungen der Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit allen ihren Verpflichtungen gegenüber den Bürgern in vollem Umfang nachzukommen. Man kann sagen, dass das nicht ausreicht, man hätte irgendwo gern mehr, und irgendwo – wir haben gerade von der Region Komi gesprochen – sollte mehr Geld für Wiederansiedlung bereitgestellt werden und so weiter. Aber alles, was die Regierung öffentlich verspricht, erfüllt sie und wird sie erfüllen.

Was die Bindung an den Dollar betrifft. Es gibt bestimmte Verpflichtungen: Renten, Gehälter im öffentlichen Dienst, Sozialleistungen und so weiter und so fort. In der Regel reicht das Geld nicht. Wozu wird die Dollarbindung führen?

Wenn es eine nationale Währung, den Peso, gibt, gibt es ein Instrument, um die Inflation ein wenig zu erhöhen. Ja, das ist nicht sehr gut, aber es ist trotzdem ein Mittel, um ein Gleichgewicht zwischen einer gesunden Wirtschaft und der Erfüllung der sozialen Verpflichtungen herzustellen.

Und wenn es keine nationale Währung gibt, kann man auch nichts drucken. Es gibt nur einen Weg, nämlich die Haushaltsausgaben im sozialen Bereich zu reduzieren, das Niveau der Löhne, der Renten, der Sozialleistungen, des Gesundheitswesens, der Straßen, der inneren Sicherheit und so weiter zu senken. Es gibt keinen anderen Weg. Und in diesem Fall bringt sich jede Regierung in eine sehr schwierige Lage, was die innenpolitische Stabilität betrifft. Wenn unsere Partner diese Entscheidung treffen, ist das ihr gutes Recht, denn das Land bestimmt selbst, was wie getan werden soll.

Und nun zu uns. Sie sagen: Wir lehnen den Dollar ab. Wir lehnen ihn nicht ab, sie haben einfach begonnen, uns Probleme mit Abrechnungen in Fremdwährungen zu bereiten. Übrigens schießen sie sich wieder einmal selbst ins Knie. Warum beschneiden sie die Möglichkeiten des Dollars und des Euro als Universalwährungen, als Weltreservewährungen? Vor allem natürlich den Dollar.

Im Jahr 2021 wurden, wenn ich mich richtig erinnere, 87 Prozent unserer Exporte in Devisen bezahlt, in Dollar und Euro zusammen. Der Rubel lag, glaube ich, irgendwo zwischen 11 und 13 Prozent, der Yuan irgendwo bei 0,4 Prozent. Im September dieses Jahres sieht das Bild folgendermaßen aus: Rubel 40 Prozent, Yuan 33 Prozent, Dollar und Euro zusammen 24 Prozent. Aus 87 wurden 24. Warum haben sie das getan? Sie haben sich wieder einmal selbst ins Knie geschossen.

Ist das nun schlecht für uns oder nicht? Nein. Überhaupt ist es umso besser, je mehr wir bei wirtschaftlichen und finanziellen Transaktionen die nationale Währung verwenden. Das erhöht unsere Souveränität und unsere Möglichkeiten.

Wovon der Wechselkurs abhängt? Unser Wechselkurs ist frei, er hängt von den Marktbedingungen ab, von den Preisen unserer Exportgüter, von der wachsenden Nachfrage im Lande – und sie wächst. Es gibt übrigens noch einen weiteren Aspekt: Das Dekret, das diese Situation mit der Währung regeln sollte, wirkt sich zum Teil auf den Wechselkurs aus, natürlich spielt es immer noch eine Rolle.

Womit hängt das zusammen? Es hängt damit zusammen, dass wir in den vergangenen Jahren keine Beschränkungen brauchten, weil wir genügend Informationen aus den Ländern erhielten, in die ein großer Teil unserer Exporte geht, und wir verstanden den Kapitalverkehr. Jetzt erhalten wir von dort keine Informationen mehr, sie verheimlichen sie vor uns. Die Regierung und die Zentralbank sehen nicht, was mit den Geldern geschieht, die unsere Exporteure mit ihren Ausfuhren verdienen. Die Zentralbank und die Regierung haben ein legitimes Interesse daran, zu sehen, wie Rubel akkumuliert werden, wohin sie in welchen Mengen gehen. In diesem Sinne führt der Erlass Elemente einer gewissen Kontrolle ein. Ich gehe davon aus, dass sich alles normalisieren wird und dass dies nur vorübergehend ist.

Insgesamt ist die Situation auf dem Finanzmarkt stabil. Das Wichtigste ist, diese Stabilität und Berechenbarkeit zu gewährleisten. Meiner Meinung nach haben wir dieses Ziel heute erreicht.

Ende der Übersetzung


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Die große Frage ist, ob der US- Dollar wirklich so ein guter Hafen ist? Argentinien hatte selten eine Regierung die dem Land gut getan hat! Argentinien gehört zum Hinterhof der USA . Im Moment wird man in den USA froh sein. Denn Argentinien ist nicht Mitglied des BRICS geworden.
    Der Dollar $ ist deutlich zu hoch bewertet. Dies ist halt möglich weil in den USA ein Großteil der Ratingagenturen sind. In den USA wird durch die entsprechenden Rohstoffbörsen bestimmt was gewisse Rohstoffe wert sind!
    Dies war das große Problem für S. Allende. Die Kupferpreise sind bis 1973 ziemlich in den Keller gegangen.
    Erst als Pinochet an der Macht war mit seiner Militärjunta normalisierte sich der Kupferpreis an der Börse in den USA wieder .
    Die Ratingagentur Dagong Global Credit in China sieht . Die Börsen im Westen überschlagen sich und steigen und steigen bis hin zum Zusammenbruch. Die USA und ihre Schulden die öfters erhöht werden müssen um das Wichtigste bezahlen zu können spricht da Bände!
    In vier / fünf Jahren wird das Volk wieder sehen das eigentlich nichts besser geworden ist!
    Jetzt will man mit der Ukraine, Moldawien u. Georgien Aufnahmegespräche für die EU führen! Da kann man als Bürger der EU gleich sein ganzes Geld abgeben. Bei so vielen Fässern ohne Boden!

  2. „Jetzt will man mit der Ukraine, Moldawien u. Georgien Aufnahmegespräche für die EU führen! Da kann man als Bürger der EU gleich sein ganzes Geld abgeben. Bei so vielen Fässern ohne Boden!“

    Das genau ist die Strategie der USA! Europa als Konkurrenten ausschalten. Eine am Boden liegende Gesellschaft kann nichts mehr ausrichten.

    1. Es sind nicht die USA, es ist Scholz, der für sein „geopolitisches Europa“ die Ukraine, Moldawien, Georgien haben will, dazu den Westbalkan. In den USA setzen sich immer mehr die „Isolationisten“ durch, die die Ukraine als Projekt der „Globalisten“ sehen und abwracken wollen.

  3. Der neue Präsident AR mag Nationalökonom sein, seinen Plan die Landeswährung freiwillig gegen den US$ aufzugeben, kann man auf jeden Fall – wie Putin erwähnt – als einen gehörigen Verlust an staatlicher Souveränität bezeichnen. Vielleicht ist Milei der Tora-Unterricht bei einem Rabbiner nicht so gut bekommen. Er begibt sein Land mit diesem Schritt in ein ähnliches Verhältnis, aus dem viele Staaten Afrikas gerade herausgehen wollen: weg vom CFA-Franc. Vielleicht hat er einen Deal mit irgendeinem US-Tycoon und verkauft Land und Leute. Ohne einen Plan zur Rückgewinnung der währungspolitischen Souveränität erinnert er mich hinsichtlich des absehbaren Resultates seiner Politik an Boris Jelzin.

  4. Was soll Putin dazu groß sagen? Über das Land wurde ein „weiter so“ entschieden mit noch größerer Hinwendung zu den uSA, also als Kolonie. Etwas anderes ist Westeuropa auch nicht. Ob mit den BRICS ein neuer Abhängigkeitsblock geschaffen wurde, wird die Zukunft zeigen.

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