Ukraine-Hilfe

Wie das russische Fernsehen über Orban auf dem EU-Gipfel berichtet

Der ungarische Ministerpräsident Orban ist beim EU-Gipfel eingeknickt und hat der 50-Milliarden-Hilfe für die Ukraine zugestimmt. Das russische Fernsehen zeigte in einem Bericht aus Ungarn Verständnis.

Das russische Fernsehen hat aus Ungarn berichtet, nachdem der ungarische Ministerpräsident Orban der 50-Milliarden-Hilfe für die Ukraine zugestimmt hat, die er noch im Dezember per Veto verhindert hat. Um zu zeigen, wie in Russland darüber berichtet wird, habe ich den russischen Bericht aus Ungarn übersetzt, der am Sonntag im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens gezeigt wurde.

Beginn der Übersetzung:

Orban konnte in Brüssel wegen laufender Traktoren nicht ausschlafen

Sobald er nach Hause kam, erzählte der ungarische Ministerpräsident Orban, wie er zum EU-Gipfel gereist ist. Er gab zu, dass er in Brüssel nicht gut geschlafen habe: „Das Schwierigste waren nicht die Verhandlungen, sondern die Nacht davor. In Brüssel gab es Bauernproteste, ich habe kaum geschlafen. Etwa 200 Traktoren hielten vor meinem Fenster und brummten die ganze Nacht.“

Das Brummen der Traktoren ist für ihn ein vertrautes Geräusch aus seiner Kindheit. Sowohl der Großvater als auch der Vater des Politikers waren in der Landwirtschaft tätig. Die Probleme der Landwirte sind Orban also nicht fremd. Er bezeichnet sich selbst als Kind vom Lande.

Willkommen in Felcsuton. Das ist das Heimatdorf des ungarischen Ministerpräsidenten. Viktor Orban ist hier aufgewachsen. Hinter den gemütlichen Häusern liegen endlose Ackerflächen, die bereits für den Frühling vorbereitet werden. Worauf sich die Bauern selbst vorbereiten müssen, ist unklar. Die EU-Kommission besteht auf der zollfreien Einfuhr von ukrainischen Agrarprodukten in die EU.

Dieser Mais hat eine erstklassige Feuchtigkeit. Landwirt Sándor Tóth hat ein perfektes Produkt angebaut, aber der Preis dafür ist lächerlich. Sein Mais, seine Sonnenblumen und sein Weizen werden durch die billigen ukrainischen Produkte verdrängt, erzählt er: „Sie haben alle Preise einbrechen lassen. Früher haben die Italiener Weizen bei uns gekauft, jetzt kaufen sie bei den Ukrainern. Mit Mais ist es dasselbe. Letztes Jahr lag der Preis bei 6.500, jetzt sind es 5.000. Obwohl unsere Kosten gestiegen sind. Wegen der Sanktionen hat sich nur der Preis für Düngemittel verdoppelt.“

Unser Gesprächspartner wird seine Kollegen unterstützen und mit einem Traktor an die Grenze zur Ukraine fahren. Die ungarischen Landwirte haben kürzlich damit gedroht, die Zugänge zum Land zu blockieren.

Das ist ungarischer Widerstand auf einem Plakat, auf dem Alex Soros und von der Leyen zu sehen sind. „Lasst uns nicht nach ihrer Pfeife tanzen“, fordert die Regierungspartei. Den Ungarn wird mit Ursula von der Leyen und Alex Soros Angst gemacht.

So wurden die Einwohner aufgefordert, an den nationalen Konsultationen teilzunehmen. Orbans Partei hat den Ungarn elf Fragen gestellt. Was mit ukrainischem Getreide, Geld und Waffen für Kiew geschehen soll. 1,5 Millionen Menschen nahmen teil und 99 Prozent waren dagegen. Ein Ungar sagt uns: „Natürlich bin ich dagegen! Die EU blockiert unter verschiedenen Vorwänden die Hilfe, die Ungarn zusteht. Dieses Geld wäre für die Gehälter der Lehrer bestimmt gewesen. Meine Frau ist Lehrerin, sie bekommen keine Gehaltserhöhung, weil es keine EU-Gelder gibt. Aber die EU bietet an, Geld in der Ukraine zu investieren.“

Kiew geht schon lange schlecht mit den Ungarn in den Unterkarpaten um. Schon zu Poroschenkos Zeiten empörte man sich darüber, warum die Minderheit von 150.000 Menschen nicht Ukrainisch sondern ihre Muttersprache spricht. Die dortigen Ungarn würden sich in den Unterkarpaten so sicher fühlen, dass sie sich erlauben, die ungarische Flagge an ukrainischen Staatsgebäuden zu zeigen, beschwerten sich ukrainische nationalistische Blogger.

Die Verfolgung hat sein Vorgänger begonnen, Selensky hat den Staffelstab übernommen. Im vergangenen Jahr verschwanden die ungarischen Flaggen aus den ungarischen Schulen in den Unterkarpaten. Auch die Sprache, die von Tausenden von Einheimischen gesprochen wird, verschwand aus dem Lehrplan. Der Bürgermeister einer grenznahen Stadt sagte uns: „Ich habe natürlich meine persönliche Meinung zu dem, was in den Unterkarpaten passiert, aber ich möchte sie als Gemeindevorsteher nicht öffentlich äußern. Die Ungarn, die auf ukrainischem Gebiet gelandet sind, sind Ungarn wie wir. Sie sind dort wegen der Trianon-Grenze.“

Trianon ist der Schmerzpunkt eines jeden Ungarn. Besonders hier in dieser Stadt, die an der Grenze liegt, denn sie wurden durch den Frieden von Trianon geteilt.

Der Friede von Trianon, oder wie sie ihn hier nennen, „die Schande von Trianon“, ist ein großer Schmerz für Ungarn. Dutzende solcher Denkmäler sind im ganzen Land zu finden. Es zeigt Ungarn, dem seine Territorien entrissen wurden. Das rumänische Siebenbürgen, die ukrainische Unterkarpaten und es trägt die Inschrift „Alles ändert sich“.

So wurde Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg bestraft, als man ihm 71 Prozent seiner Gebiete wegnahm. In Budapest erinnert sich jeder an alles, und einige, wie Laszlo Torotskai, Vorsitzender der Partei Unsere Heimat, haben auch nichts dagegen, alles zurückzuholen: „Wenn dieser Krieg damit endet, dass die Ukraine ihre Staatlichkeit verliert, möchte ich erklären, dass wir die Unterkarpaten beanspruchen.“

Der ungarische Nationalistenführer spricht nur für seine Partei. Doch nach seinen Worten reiste der ungarische Außenminister in die Ukraine. Er reiste nach Uzhgorod in den Unterkarpaten, nicht nach Kiew. Sowohl der Besuch als auch die Verhandlungen wurden möglich, nachdem sich das ukrainische Parlament unter dem Druck der EU im Dezember auf die europäischen Werte besann. Die Rada erlaubte den Karpaten-Ungarn, auf Ungarisch zu lernen.

„Ist es den EU-Beamten wichtig, dass Selensky auch die russische Minderheit genauso behandelt wie die unterkarpatische Minderheit?“, frage ich den Politikanalysten Gábor Štír.

„Das ist alles eine Politik der Doppelmoral. Eigentlich interessiert sich Brüssel nicht für die ungarische Minderheit oder die russische Minderheit. Sie sind mit anderen Minderheiten beschäftigt, mit der LGBT-Minderheit. Ungarn hingegen kümmert sich um wichtige Themen, die zu den europäischen Werten gehören. Die EU kümmert sich im Moment nur um eines, um die Finanzierung der Ukraine“, war seine Antwort.

Um die Ukraine zu retten, hat die EU das unnachgiebige Ungarn fast aus dem Boot geworfen. Vor dem Gipfel in Brüssel machten die Zeitungen Angst, Budapest würde das Stimmrecht entzogen und die Wirtschaft würde zusammenbrechen. Mit anderen Worten: Das Union ist fantastisch, die Beziehungen sind wie ein Thriller.

Die Haltung der ungarischen Regierung spiegelt sich auch in den Schulbüchern wider. Nehmen wir zum Beispiel Geografie für die 8. Klasse. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Konflikt in der Ukraine eine innere Angelegenheit ist und sie erklären das Geschehen mit dem Streit zwischen zwei Bevölkerungsgruppen: der ukrainischen und der russischsprachigen. Es zeigt, dass auch die Europäer und die Amerikaner hart arbeiten. Uncle Sam zerrt auf einem Bild in dem Buch mit beiden Händen an die Ukraine.

Im vergangenen Herbst ließ der Bürgermeister einer ungarischen Stadt die Polizei anrücken, um die Stadt vor Eingereisten aus der Ukraine zu schützen. Zwei Dutzend Gäste ließen die einheimischen Frauen nicht durch. Es kam sogar zu einer Vergewaltigung. Der Bürgermeister erzählt: „Sie verhielten sich von Anfang an provozierend. Sie hörten laut Musik, schrien ständig und reagierten nicht auf Anmerkungen. Als es zu den Übergriffen auf Frauen kam, habe ich ihnen gesagt: Ihr könnt eure Aggressionen zu Hause ausleben. Ihr habt Krieg, geht und kämpft dort gegen Tschetschenen, aber greift keine Frauen an.“

Die ukrainischen Flüchtlinge bleiben nicht in Ungarn. Die meisten von ihnen gehen weiter, hauptsächlich nach Deutschland. Die Vertreterin einer Hilfsorganisation erzählt uns: „Wenn in der Ukraine die nächsten Regeln für die Mobilmachung eingeführt werden, steigt die Zahl derer, die die Grenze überschreiten, sofort an.“

Diese Punkt für humanitäre Hilfe nahe der Grenze gibt den aus der Ukraine fliehenden Menschen Essen und Kleidung. Nur ist Ungarn nicht bereit, in die Gegenrichtung Ausrüstung und Munition durchzulassen. Budapest bleibt bei seinem Standpunkt: militärische Methoden werden den Konflikt nicht lösen.

Ende der Übersetzung


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

  1. Nun für Orban steht Ungarn an erster stelle, alles was für Ungarn gut ist !
    Heißt, er geht so weit in seinem Verhalten bis es anfängt Ungarn zu Schaden, seine Meinung mag eine andere sein, seine Entscheidungen aber dürfen Ungarn NICHT schaden.
    Bestes Beispiel das andere Regierungen NICHT die Interessen ihres Landes in den Vordergrund stellen ist Deutschland….als größter Netto Zahler in der EU hätten die Einfluss, lassen sich aber von anderen Interessen leiten die eigentlich nicht die ihres Landes ( Volkes ) sind. Vasalen halt !
    Ungarn ist kein Player in Europa, und USA z.B. machen auch Urban kaputt und Probleme, Farbrevolutionen zumindest Versuche gab es auch bei ihm…
    NOCH… ist Er auf die EU bzw. desen Wirtschaftsraum angewiesen …NOCH !
    Sollte ????
    Sich Polen den “ Rest “ Ukraine holen, Ungarn evtl. seine Gebiete zurück holen ???
    Dann sieht das für Ungarn mit dann direkter Grenze zu Russland ( = BRICs ) gänzlich anders aus…es gäbe eine Alternative zum Wirtschaftsraum und Investitionen im Lande zur EU.
    Die Zeit wird es zeigen…und ER weiß das !!

  2. „Willkommen in Felcsuton. Das ist das Heimatdorf des ungarischen Ministerpräsidenten.“

    Achtung, kleiner Übersetzungsfehler: Der Name des Ortes ist Felcsut – Felcsuton bedeutet im ungarischen „in Felcsut“. 😉

      1. Interessen des Landes? hahahaha.. witzig, warum ist er dann der EU beigetreten? Jetzt ist er das, was ihn als
        Hampelmann auszeichnet. Die Souveränität von Ungarn für Geld eingetauscht. Böse Zungen behaupten ,er hätte das WEF durchlaufen. Mein Gott, lass endlich Hirn regnen.

        1. Natürlich ist Ungarn der eu beigetreten. Es gab in der Ära, in der dies geschehen ist, ja auch noch überhaupt keine Alternativen. Russland war noch mit sich selbst beschäftigt (wobei es ohne die ständigen Angriffe durch den Westen wohl auch geblieben wäre) und China war global gesehen noch weit von seinem jetzigen wirtschaftlichen Status entfernt. Wie es in der Zwischenzeit den Ländern erging, die nicht beigetreten sind, lässt sich sehr gut am Beispiel der Farbrevolutions-Opfer Ukraine, Moldawien oder auch Serbien erkennen (wobei letzteres einen Sonderfall darstellt, Serbien wurde als Nachfolger Jugoslawiens bereits von Anfang an vom kollektiven Westen bekämpft und hätte sich somit auch nicht durch einen – hypothetischen – Anschluss an die eu vor weiteren Repressalien schützen können).

          Nur am Rande: Orban war zum Zeitpunkt des eu-Beitritts (2004) nicht Ministerpräsident, sondern es regierten die von Brüssel und Washington finanzierten „Sozialdemokraten“. Im Vorfeld des Beitritts gab es eine Volksabstimmung, die trotz jahrelanger massiver Propaganda nur sehr knapp für einen Beitritt ausgefallen war.

          Nun, zwei Jahrzehnte später, erweist sich die Erweiterung für die „Strategen“ in Berlin und Brüssel als Alptraum. Ungarn, gestärkt durch die wirtschaftliche Großmacht China, das gute Verhältnis zu Russland und zu der wohl bald führenden Hälfte der us-amerikanischen Eliten (Trump) kann innerhalb der eu-Strukturen wesentlich mehr Einfluss auf dieses sterbende Gebilde ausüben, als es das ohne die Mitgliedschaft je gekonnt hätte.

          Ihrem letzten Absatz kann man nur zustimmen.

  3. Ungarn ist – trotz all dem jahrhundertelang aufgebauten Nationalstolz und den Traditionen – einfach nur ein Binnenland, wenn man so will – ist es im „Ernstfall“ von Feinden umgeben – das darf man bei allen Betrachtungswinkeln nie außer Acht lassen!

    Und genau das wird jetzt von den „eu&nato“-Diktatoren gnadenlos ausgenutzt! 😤😤

    1. Aber nicht mehr lange, dann hat Ungarn eine gemeinsame Grenze mit dem Energielieferanten. Dann rollen die Ungarn das Feld von hinten auf, bezogen auf Energieintensive Produktionen. Kluge Investoren greifen heute schon bei guten Standorten zu.

  4. Ungarn hat sich zu sehr in die Abhängigkeit von der EU-Mafia verstrickt, als dass sie tatsächlich gegen den Strom schwimmen könnten. Wie andere Politiker, die ein wenig aufbegehrten, ist Orban im Liegen umgefallen. Solche Partner sind zumeist gefährlicher als offen feindliche. Siehe den Verrat von IM Erika und dem Froschfresser bei den Minsker-Verträgen.

  5. Traue niemandem, der im Osten sozialisiert worden ist und im Westen „europäische Werte“ beschwört. Europäische Werte sind eine Erfindung. Wer sich an das Europa vor der EU erinnert, weiß, daß die Staaten kulturell völlig verschieden waren. Die EU strebte die Gleichschaltung an, was sich darin zeigt, daß es in Barcelona heute genauso aussieht wie in Bonn-Beuel.
    Ost und West sprechen verschiedene Sprachen.

    Wir glauben immer, wir reden über dasselbe, aber es ist nicht mal das gleiche.

    Ungarn sollte sich an seine Geschichte vor der Sowjetunion erinnern, an die K.u.K.-Monarchie mit Österreich. Österreich ist sturmreif geschossen, das könnte noch was werden.

    In der EU jedenfalls wird jedes Mitglied langsam aufgelöst wie in einem Salzsäure-Bad.

  6. Urban will die finanziell wirtschaftlichen Vorteile der EU nicht aufgeben und geht bei Abstimmungen einen Kaffee trinken, wenn der Bundesschlumpf ihn darum bittet.
    Wenn Deutschland und die EU am Arsch sind, steigt er möglicherweise aus der EU aus.
    Wenn der Bundesschlumpf so für Deutschland wäre, wie Urban für Ungarn wäre mir wohler.

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