Wie die Presse Luftangriffe der USA verharmlost – Manipulation der Leser am Beispiel zweier Vorfälle

Die USA und Saudi Arabien führen eine illegalen Krieg im Jemen und töten fast täglich Zivilisten. Normalerweise schweigen die deutschen Medien dazu. Heute mal ein seltener Artikel dazu. Und natürlich wird jede Kritik an den USA und den Saudis vermieden. Wie sehr die deutsche Presse mit zweierlei Maß misst, zeigt ein Vergleich mit einem anderen Artikel über tote Zivilisten durch russische Luftangriffe.
 
Vorweg sei gesagt, dass zivile Opfer in einem Krieg kaum zu vermeiden, aber immer tragisch sind. Die Frage ist einerseits, ob die Kriegsparteien alles tun, um zivile Opfer möglichst zu vermeiden. Das ist aber nicht das Thema meines Beitrages, hier geht es um den zweiten Aspekt: Wie gehen die Medien mit diesen Opfern um?
Im Jemen haben die Saudis und die USA vor einigen Tagen einen Schulbus bombardiert und zwischen 29 und 51 Menschen, darunter viele Kinder, getötet. Hierzu findet man im Spiegel keine kritischen Worte. Schon die Tatsache, dass die USA und Saudi Arabien den Angriff zugegeben haben, wird zunächst nicht erwähnt. Zunächst kein Wort über die Verantwortlichen für das Massaker. Stattdessen heißt es: „Dutzende Kinder waren bei einem Luftangriff auf einen Schulbus im Jemen getötet worden. Tausende Menschen kamen jetzt zur Beerdigung der Opfer – und protestierten auch gegen Saudi-Arabien und die USA.“
Wer nicht weiß, dass der Angriff nur von den USA und Saudi-Arabien durchgführt werden konnte und auch zugegeben wurde, der versteht gar nicht, warum die Menschen gegen die USA protestieren. Weiter heißt es in dem Artikel: „Bei dem Angriff auf einem Markt in Dahjan in der Provinz Saada im Nordjemen waren am Donnerstag nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) mindestens 29 Kinder getötet und fast 50 weitere Menschen verletzt worden. Die international nicht anerkannte Rebellenregierung der Huthis sprach hingegen von 51 Toten, unter ihnen 40 Kinder.
Auch hier noch kein Wort über die USA oder die Saudis.
 
Alle Vorwürfe gegen die USA in dem Artikel sind in Anführungsstriche gesetzt und als Aussagen anderer gekennzeichnet. Kein einziges kritisches Wort macht sich der Spiegel zu eigen: „„Amerika tötet jemenitische Kinder“, war auf mehreren Plakaten zu lesen. Ein ranghoher Huthi-Vertreter, Mohammed Ali al-Huthi, nannte den Angriff der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition eine „Straftat von Amerika und seinen Verbündeten gegen die Kinder im Jemen“
Dass die USA bzw. Saudis tatsächlich verantwortlich sind, liest man erst am Ende des Artikels. Und es wird freundlich umschrieben: „Die Verantwortung für den Angriff hatte die Militärkoalition zwar übernommen; ihren Angaben zufolge richtete sich der „legitime“ Militäreinsatz aber gegen einen Bus mit „Huthi-Kämpfern“. Die Koalition kündigte eine Untersuchung an. Der Uno-Sicherheitsrat warnte, jegliche Untersuchung des Angriffs müsse „glaubhaft“ sein.
Wenn der Westen Kinder tötet, dann nur bei „legitimen“ Einsätzen. Die Kinder sind anscheinend selbst schuld, dass sie sich dort aufgehalten haben und getötet worden sind. Die angekündigte Untersuchung ist ebenfalls Augenwischerei. Wer erinnert sich noch an die Bombardierung eines Krankenhauses in Afghanistan? Die USA hatten ebenfalls eine Untersuchung angekündigt. Gehört hat man davon allerdings nichts mehr.
Nun wollen wir am Beispiel eines Vorfalls vor zwei Jahren mal sehen, wie sich solche Artikel lesen, wenn Russland verwickelt ist. Russland hatte damals in Syrien einen Angriff der syrischen Armee aus der Luft unterstützt. Schon die Überschrift klang anders: „Erneut Kinder bei Luftangriffen getötet
Das Wort „erneut“ ist wichtig. Die Russen töten also ständig Kinder. Bei dem heutigen Artikel zu den USA heißt es dagegen in der Überschrift: „Tausende trauern um getötete Schulkinder
Wer die Kinder wie getötet hat, dazu kein Wort in der Überschrift. Sie sind eben einfach tot, wenn den Russen im Krieg so etwas passiert, wird es beim Namen genannt. Weiter hieß es vor zwei Jahren zu dem Vorfall der Russen gleich am Anfang des Artikels: „Dutzende Menschen sollen bei Luftangriffen im Osten Syriens ums Leben gekommen sein. Nach Angaben von Aktivisten sind neun Kinder unter den Toten. Wieder seien russische Flieger dafür verantwortlich.
Auch hier das Wort „wieder“, Russland tötet angeblich ständig Kinder. Zu den dem Vorfall der USA vor einigen Tagen kein Wort darüber, dass durch Luftangriffe im Jemen ständig Menschen durch die USA getötet werden.
Und im Artikel wurde im Falle der Russen gleich klargestellt, wer nach Meinung des Spiegel verantwortlich ist: „Russische Flieger haben das Gebiet um die ostsyrische Stadt Deir al-Sor angegriffen. Die Region wird fast vollständig von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) beherrscht. Bei den Luftschlägen seien mehr als 63 Zivilisten ums Leben gekommen, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London. Demnach sind mindestens neun Kinder unter den Opfern.
 
Keine Anführungsstriche, der Spiegel macht sich alle Anschuldigungen zu eigen und zweifelt sie nicht an, bei den USA hingegen waren alle Anschuldigungen in Anführungsstriche gesetzt und als Behauptungen gekennzeichnet.
Der Unterschied ist offensichtlich: Zu den USA beginnt der Artikel mit dem Begräbnis und den Protesten der Menschen gegen die USA und Saudi-Arabien, aber nicht mit einer einzigen Schuldzuweisung. Erst ganz am Ende und dann mit dem Hinweis, dass der Vorfall untersucht werden müsse, wird eingeräumt, dass es die USA waren, die die Kinder getötet haben. Aber gerade so, als ob es Zweifel gäbe. Dabei gibt es keine: Die USA geben zu bombardiert zu haben und die Kinder sind tot.
 
Aber im Spiegel findet sich trotzdem kein kritisches Wort zu den Bombardements der Saudis und Amerikaner.
In dem Artikel über den russischen Angriff vor zwei Jahren ging es dann nur um andere Luftangriffe der Russen in der Zeit davor. Zwischen den Zeilen konnte man lesen, dass die bösen Russen ständig bombardieren und ständig Menschen töten.
In dem Artikel heute über die Amerikaner und Saudis kein Wort über frühere Angriffe, obwohl es sie täglich gibt. Kein Wort zu bombardierten Krankenhäusern oder Hochzeiten mit vielen Toten, obwohl auch diese unbestritten sind.
An all das erinnert dier Spiegel freundlicherweise nicht, wenn es um die USA geht.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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