Große Aufregung um eine Seite, die Mainstream-Journalisten auffordert, Missstände zu melden
Vertreter der Mainstream-Medien sehen die Pressefreiheit bedroht, weil eine Internetseite Journalisten dazu auffordert, „auszusteigen“ und über Missstände in ihren Redaktionen zu berichten. Die Seite Mainstream-Aussteiger wurde von Abgeordneten der AfD online gestellt. Dort steht nur ein kurzer Text: „Liebe Mitarbeiter der Mainstream-Medien, sind Sie Journalist geworden, weil ihnen die Wahrheit und die unabhängige Information der […]
Vertreter der Mainstream-Medien sehen die Pressefreiheit bedroht, weil eine Internetseite Journalisten dazu auffordert, „auszusteigen“ und über Missstände in ihren Redaktionen zu berichten.
Die Seite Mainstream-Aussteiger wurde von Abgeordneten der AfD online gestellt. Dort steht nur ein kurzer Text:
„Liebe Mitarbeiter der Mainstream-Medien,
sind Sie Journalist geworden, weil ihnen die Wahrheit und die unabhängige Information der Bürger am Herzen liegen?
Haben Sie die Nase voll von befristeten Verträgen und Stellenstreichungen?
Wollen Sie wieder in den Spiegel schauen können, ohne dabei Georg Restle und Anja Reschke zu sehen?
Dokumentieren Sie mit uns die schlimmsten Lügen und Manipulationen der Haltungsredaktionen und schicken Sie sie – garantiert anonym und komplett vertraulich – an diese E-Mail-Adresse: info@mainstream-aussteiger.de.
Sie werden sich besser fühlen!“
Whistleblower sind ja derzeit in aller Munde, wie wir zum Beispiel in den USA beim angeblichen „Ukraine-Skandal“ beobachten können. Und Whistleblower sind für die Mainstream-Medien etwas Gutes, solange sie nicht gegen das gewollte Narrativ verstoßen. Und so hat Seite hat für einigen Wirbel gesorgt, weil sie genau das anscheinend tut. Der deutsche Journalisten-Verband hat zum Beispiel getwittert: „AfD provoziert mit ihrem „Aussteigerprogramm“ weiter. Einfach nur widerlich!“
https://twitter.com/DJVde/status/1200336763379765248
Auf seiner Seite hat der Verband geschrieben:
„Der Deutsche Journalisten-Verband wertet das von AfD-Abgeordneten propagierte „Aussteigerprogramm für Mainstreamjournalisten“ als Provokation gegen den kritischen Journalismus.“
Der Verband der Journalisten soll alle deutschen Journalisten vertreten, also demnach überparteilich und neutral sein, stattdessen ergreifen der Verband und sein Vorsitzender Frank Überal jedoch immer wieder bei politischen Themen Partei. Wer „kritischen Journalismus“ fordert, muss eine solche Seite, wie die „Aussteiger-Seite“ begrüßen, denn sollte es Missstände in Redaktionen geben, dann sollte ein kritischer Journalist diese aufdecken. Das ist per Definition sein Job. Und der Verband der Journalisten sollte das ausdrücklich unterstützen.
Sollte es andererseits keine Missstände in den deutschen Redaktionen geben, dann kann doch diese Seite allen herzlich egal sein, weil sich niemand bei ihr melden wird.
Warum also die Aufregung?
Aber der Journalisten-Verband schreibt auch:
„Der DJV-Vorsitzende rät den Journalisten dazu, sich durch dieses Störfeuer nicht in ihrer freien und unabhängigen Berichterstattung beeinflussen zu lassen“
Dazu kann sich jeder überlegen, wie er das einordnet. Für mich klingt es fast wie eine Drohung an Journalisten, sich bloß nicht mit der Seite in Verbindung zu setzen. Dabei braucht es diese Seite dringend in Deutschland. Wir erinnern uns an den Relotius-Skandal im Spiegel. Damals hatten Kollegen schon lange einen Verdacht gegen Relotius, aber die Chefredaktion stand lange hinter ihm. Hätte es diese „Aussteiger-Seite“ schon früher gegeben, wäre Relotius wahrscheinlich viel früher aufgeflogen. Aber so waren Spiegel-Reporter, die einen Verdacht gegen Relotius hatten, damit alleine und hatten keinen Ansprechpartner, denn die Redaktion wollte lange nicht auf sie hören.
Wie mächtig der Mainstream in Deutschland ist, zeigt auch die Reaktion von Jimdo. Jimdo ist eine Plattform, mit der sich jeder eine eigene Webseite bauen kann und diese kann dort auch gehostet werden. Die „Aussteiger-Seite“ hat Jimdo jedoch gelöscht, weil sie gegen Jimdos „Richtlininen und Werte“ verstößt“.
https://twitter.com/Jimdo_DE/status/1200067840696573952
Mich würde interessieren, um welche Richtlinie es dabei geht. Es scheint eher nur um die „Werte“ zu gehen. Man muss die AfD nicht mögen und ich mag keine der Parteien in Deutschland, aber ich verstehe partout nicht, was schlecht an einer Seite sein soll, die Journalisten auffordert, Missstände zu melden. Gibt es so viele Missstände in deutschen Redaktionsstuben, dass man dort nun in Panik verfällt? Wenn alles bestens ist – ich wiederhole mich – dann braucht doch niemand Aufhebens um diese Seite zu machen.
Auch der Chef des Tagesschau Fakteninders, Patrick Gensing, war gar nicht zu halten und hat seinem Unmut auf Twitter Luft gemacht: „Die AfD-Kampagne wird über rechte Blogs und Medien sowie AfD-Unterstützerkonten in sozialen Medien systematisch verbreitet.“
https://twitter.com/PatrickGensing/status/1199964252854980608
Da ich nun auch über die Seite berichtet habe, gilt der Anti-Spiegel in den Augen von Gensing nun wohl auch als „rechter Blog“. Das finde ich amüsant, denn ich bekomme ja auch kritische Mails und Kommentare. Es sind nicht viele, aber es gibt sie. Und lustig ist, dass meine Kritiker, die meinen, mich politisch einordnen zu müssen, sich nicht entscheiden können: Für die eine Hälfte bin ich ein „Kommunistenschwein“, für die andere Hälfte ein „rechter Verschwörungsthoeretiker“. Es wäre schön, wenn die sich mal absprechen und auf eine Richtung einigen könnten.
Aber ernsthaft: Ich finde diese Kritik in sofern sogar gut, weil sie mir bestätigt, dass ich tatsächlich schwer in das „Links-Rechts-Schema“ einzuordnen bin. Ich bin Pragmatiker und gehe an Probleme heran, ohne sie vorher in Schubladen einzusortieren. Und dabei kann es sein, dass ich mal „linke“ und mal „rechte“ Thesen vorbringe. Aber die Einordnung in „links“ und „rechts“ ist in meinen Augen heute auch nicht mehr zeitgemäß, wie ich hier mal erklärt habe.
Aber in jedem Fall finde ich als kritischer Journalist es gut, dass es nun eine „Anlaufstelle“ für Journalisten gibt, wo sie Missstände – auch anonym – melden können. Wenn es keine Missstände gibt, dann braucht es auch niemanden zu stören, dass es so eine Seite gibt. An so einer Seite müssen sich nur diejenigen stören, die etwas zu verbergen haben. Oder sehe ich das falsch?
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