In eigener Sache: Nachruf auf eine bemerkenswerte Frau – Heidi Hetzer ist gestorben

Vor einigen Tagen ist Heide Hetzer gestorben. Ich durfte sie einst kennen lernen und war beeindruckt von ihrer Persönlichkeit.

Vor etwas über zehn Jahren fand eine Oldtimer-Rallye von Düsseldorf durch Russland, die Mongolei und China bis nach Shanghai statt. Bei dieser Rallye bin ich ein großes Stück durch Sibirien über den Baikalsee bis zur mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator mitgefahren. Und bei dieser Gelegenheit habe ich Heide Hetzer kennengelernt, die ebenfalls dabei war.

Ich erinnere mich an diese Reise als einen der unvergesslichsten Urlaube meines Lebens. Auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung durch Russland, wo heute eine Autobahn ist, gab es damals zwischen Krasnojarsk und Irkutsk auf fast 1.000 Kilometern nicht einmal eine befestigte Straße, hunderte Kilometer mussten wir uns langsam durch die Landschaft kämpfen, der Baikalsee ist ein beeindruckendes Erlebnis und ich bin sogar dort tauchen gegangen. In der Mongolei haben wir einige Tage fernab der Zivilisation in Jurten übernachtet, es gab nicht einmal Handy-Empfang und nachts war da kein Licht. Ich habe mich dort jeden Abend, wenn alle schlafen gegangen waren, in der Steppe auf den Boden gelegt und in die Sterne geblickt, es war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich die Milchstraße so deutlich am Himmel habe scheinen sehen.

Aber menschlich ist mir von allen Teilnehmern nur Heidi Hetzer in Erinnerung geblieben. Alle Autos waren mit mehreren Fahrern besetzt, die sich bei der anstrengenden Tour abwechselten. Nur Heidi bestand darauf, die gesamte Strecke allein zu fahren. Beifahrer nahm sie gerne an Bord, aber ans Steuer ließ sie niemanden. Und obwohl sie eine knapp 70-jährige zerbrechliche Dame war, bestand sie sogar darauf, ihren Reifen selbst zu wechseln, als sie morgens in Ulan-Ude einen Plattfuß hatte. Vergeblich boten die Männer ihr Hilfe an.

Sie war ein interessanter Gesprächspartner, ein beeindruckender Mensch und auch wenn ich sie danach nie wieder gesehen habe, empfinde ich doch einen großen Verlust bei dem Gedanken daran, dass sie gestorben ist. Zu lebendig sind die Erinnerungen an die wenigen Wochen, in denen ich sie kennengelernt habe.

Hier ein paar Fotos von dieser unvergesslichen Reise, bei der ich diese beeindruckende Person kennen lernen durfte.

Die Oldtimer unserer Rallye
Wo heute eine Autobahn ist, sah die wichtigste Ost-West-Verbindung durch Sibirien damals noch so aus
In diesem alten Feuerwehrwagen waren wir unterwegs, an der Seite ist die Route der Reise zu sehen
Am Baikalsee haben wir den Fisch Omul probiert, den es nur dort gibt und der unglaublich lecker ist
In Ulan-Ude hatte Heidi einen Plattfuss, aber sie wechselte den Reifen selbst und wollte keine Hilfe
Impressionen aus der Mongolei: Trachten, ein „Schlangenmädchen“, ein traditioneller Ringkampf und die Jurten, in denen wir geschlafen haben

RIP Heide Hetzer

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Schreibe einen Kommentar