Polen lädt Russland nicht zur Feierstunde zum 80. Jahrestag des 2. Weltkrieges ein

Polen hat mitgeteilt, dass es Russland nicht zum Jahrestag des Beginns der Zweiten Weltkrieges in diesem Jahr einladen wird.

Diese Gedenkfeiern finden traditionell am 1. September in Polen statt und erinnern an den Angriff Hitler-Deutschlands gegen Polen. In dem Krieg starben 50 Millionen Menschen, 25 Millionen Opfer waren Bürger der Sowjetunion, deren Rechtsnachfolger Russland ist. Das Land, das so viele Kriegsopfer hatte, wie alle anderen Kriegsteilnehmer zusammen, nicht zu der Feierstunde einzuladen, ist ein ungeheurer Affront.

Polen begründet seine Nicht-Einladung offen damit, dass sie nichts mit historischen Ereignissen zu tun hat, sondern in der heutigen politischen Situation begründet liegt.

Unabhängig davon, wie man die heutige Politik einschätzt, sollten doch alle Beteiligten daran interessiert sein, Gräben nicht zu vertiefen, sondern sie zu überwinden. Dass Polen nun zu einem so wichtigen historischen Ereignis seine heutige Tagespolitik über dieses Ziel stellt, ist der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges nicht angemessen.

Allerdings kann auch ein Ereignis von vor zehn Jahren dabei eine Rolle spielen, denn beim 70. Jahrestag des Zweiten Weltkrieges hat der damalige polnische Premierminister Tusk Putin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz öffentlich angegriffen und Putin hat sich sachlich, aber sehr deutlich, dagegen zur Wehr gesetzt. Seine Aussagen waren historisch, aber vielleicht nicht politisch, korrekt. Es war jedenfalls nicht das, was Tusk hören wollte.

Wladimir Putin: Auch Polen trägt die Mitschuld am Zweiten Weltkrieg

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die internationalen Fragen blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Auch zu Putins Aussagen über den Zweiten Weltkrieg gibt es in dem Buch ein Kapitel, in dem ich unter anderem auf diesen Vorfall im Jahre 2014 eingegangen bin.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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