Russisches Fernsehen zeigt Hinweise für Wahlfälschungen bei der ersten Runde der Ukraine-Wahl

In der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ erschien ein Beitrag zur Wahlfälschung in der ersten Runde der ukrainischen Präsidentschaftswahl.

Diesen Beitrag werde ich ausnahmsweise nicht übersetzen, denn ich möchte dem interessierten Leser die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild zu machen. Daher werde ich die entscheidenden Teile jetzt erzählen, und am Ende des Artikels werde ich die Youtube-Version des Videos verlinken und angeben, wo in dem Video die entscheidenden Momente zu sehen sind. Da es sich um Bilder, Grafiken und Zahlen handelt, braucht man kein Russisch zu können, um zu verstehen, worum es geht.

Dass bei der Wahl Fälschungen von Poroschenko erwartet wurden, habe ich oft berichtet. Die ganz großen Fälschungen müssen wir bei der Stichwahl erwarten, wenn Poroschenko seinen Gegner schlagen muss, der in der ersten Runde mehr als doppelt so viele Stimmen bekommen hat und nach ersten Umfragen bei der Stichwahl haushoch führt.

In der ersten Runde ging es für Poroschenko nur darum, weiter zu kommen und Timoschenko aus dem Rennen zu nehmen, mit der er sich in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hat. Es gab Spekulationen, dass er dies nicht dem Zufall überlassen hat. Heute behauptet das russische Fernsehen unter Berufung auf offizielle Zahlen aus der Ukraine, dass Poroschenko nachgeholfen hat.

Und das geht so: Da aus der Ukraine insgesamt fünf bis sechs Millionen Menschen vor Krieg und/oder Armut nach Russland oder Polen geflohen sind, diese Menschen aber noch in den Wählerverzeichnissen geführt werden, kann man „ihre“ Stimmzettel ausfüllen und in die Wahlurnen werfen. Da in der Ukraine die Wahlurnen aus Glas bzw. transparentem Kunststoff sind, kann man sehen, wenn Zettel stapelweise anstatt einzeln in den Wahlurnen liegen. Und solche „Stapel“ bedeuten, dass da jemand einen ganzen Stapel vorgefertigter Zettel auf einmal eingeworfen hat, denn wenn Wähler ihre Zettel einzeln in die Urne werfen, entstehen solche Stapel nicht.

Genau solche Bilder sind in dem Video zu sehen.

Außerdem zeigen die Wahlergebnisse merkwürdige Abweichungen. Im Osten und Süden des Landes, wo die ethnischen Russen gegen die Kiewer Regierung sind, war das Wahlergebnis entsprechend. Zur Erinnerung nochmal die Ergebnisse der ersten Runde auf der Karte des Landes.

Aber gemäß des offiziellen Ergebnissen gab es bemerkenswerte Ausreißer zugunsten von Poroschenko ausgerechnet im Osten und Süden des Landes, wo er am unbeliebtesten ist.

So lag die Zustimmung für Poroschenko im von Kiew kontrollierten Teil des Gebietes Donezk bei 11,28%, aber in einzelnen Wahlbezirken gab es Ausreißer, der Rekord liegt bei 77,61% für Poroschenko.

Ähnlich im Gebiet Charov. Durchschnittliches Ergebnis für Poroschenko 8,28%, aber in einem Wahlbezirk waren es sogar rekordverdächtige 85,26%.

Bei der ersten Runde der Wahlen brauchte Poroschenko nur dafür zu sorgen, dass er sich zwischen zwei und vier Prozent der Stimmen ergaunerte, das reichte aus, um Timoschenko aus dem Rennen zu werfen. Aber bei der Stichwahl wird es schwieriger, Prognosen der Wählerwanderung zeigen, dass Selensky weit mehr Stimmen von den ausgeschiedenen Kandidaten bekommen wird, als Poroschenko. Der Vorsprung von Selensky aus der ersten Runde müsste also noch wachsen.

Aber bleiben wir bei der ersten Runde der Wahl. Es folgt die Aufstellung, welche Bilder Sie bei welcher Sekunde im Video sehen können. Entscheiden Sie selbst, ob die Vorwürfe des russischen Fernsehens für Sie überzeugend sind.

Ab Sekunde 35 sehen Sie die Ausreißer im Gebiet Donezk, wo Poroschenko im Schnitt 11,28% bekam, aber in einzelnen Wahlbezirken bis zu 77,61%. Ab Minute 1 und 20 Sekunden das gleiche bei dem Gebiet Charokov, 8,28% im Schnitt, aber Ausreißer bis zu 85,26%. Ab Minute 1 und 33 Sekunden werden Listen gezeigt, wo man in der einen Spalte die konstante Zahl des durchschnittlichen Ergebnisses für Poroschenko sieht und rechts daneben die Ausreißer in einzelnen Wahllokalen. Es sollen hunderte solcher Ausreißer sein. Ab Minute 1 und 57 Sekunden sehen Sie Bilder von stapelweise in den Urnen liegende Wahlzettel, die so nicht von einzelnen Wählern in die Urne geworfen werden konnten. Ab Minute 2 und 25 Sekunden bis Minute 4 werden weitere Beispiele für diese Ausreißer in verschieden Landesteilen im Süden und Osten des Landes grafisch dargestellt. Und ab Minute 5 und 10 Sekunden sehen Sie eine Prognose der Wählerwanderung bei der Stichwahl.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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