„Seine Dienste werden nicht mehr benötigt“ – Trump feuert Sicherheitsberater Bolton, was nun?

John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater des US-Präsidenten, ist seinen Job los. Ob er zurückgetreten ist oder entlassen wurde, ist nicht ganz klar. Wie kam es dazu und was kann es für die Zukunft bedeuten.

Es gab reichlich offene Konflikte zwischen Trump und seinem Sicherheitsberater, über die auch ich immer wieder berichtet habe. Bolton ist ein absoluter Falke, Trump hingegen ist trotz seiner Twitter-Rhetorik eher eine Taube. Im Gegensatz zu allen seinen Vorgängern im Amt des US-Präsidenten hat Trump bis heute noch keinen Krieg angefangen. Das sollte man bei all der negativen Berichterstattung über Trump und seine raue Rhetorik nie vergessen.

Ich habe nie verstanden, warum Trump Bolton den Posten gegeben hat. Bei so ziemlich allen außenpolitischen Themen waren ihre Postionen völlig unterschiedlich.

Trump hat im Wahlkampf und auch danach immer wieder gesagt, dass er die Beziehungen zu Russland normalisieren möchte. Das wurde schon im Wahlkampf durch das sogenannte Russiagate mit der angeblichen russischen Einmischung in die US-Wahlen konterkariert. Auch wenn da am Ende nichts dran war und Mueller in seinem Bericht nichts in der Sache vorlegen konnte, konnte Trump keinen Schritt in Richtung Russland machen, ohne dass die Medien ihn als Agenten des Kreml bezeichnet hätten. Im Ergebnis gab es keine Normalisierung der Beziehungen, sondern eine Welle anti-russischer Sanktionen nach der anderen.

Bolton war gegen jede Annäherung an Russland und hat schon seit über zehn Jahren dafür gekämpft, alle Abrüstungsverträge mit Russland zu kündigen, was ihm als Sicherheitsberater mit der Kündigung des INF-Vertrages auch gelungen ist.

Eine weitere Herzensangelegenheit ist für Trump die Entspannung auf der koreanischen Halbinsel. Warum ihm das so wichtig ist, weiß kein Mensch, aber es ist offensichtlich. Auch hier war Bolton gegen Trump und bekam dabei auch Unterstützung von Außenminister Pompeo. Nordkorea hatte zwischenzeitlich sogar Gespräche abgelehnt, wenn einer der beiden Herren mit am Tisch sitzen sollte.

Auch Venezuela ist ein solches Beispiel. Trump wollte keinen weiteren Krieg, er hat den US-Wählern vielmehr versprochen, die US-Soldaten nach Hause zu holen und sie nicht in weitere Kriege zu schicken. Aber trotzdem provozierte Bolton, in dem er demonstrativ vor der Presse mit einer Mappe stand, auf der für alle gut sichtbar zu lesen war, dass weitere US-Soldaten in Venezuelas Nachbarschaft geschickt werden sollten. Sicher, auch Trump hätte lieber eine andere Regierung in Venezuela, aber er will keinen Krieg, den Bolton wohl bereit gewesen wäre, zu führen.

Auch beim Thema Iran waren es Bolton und Pompeo, die versucht haben, Trump in einen Krieg zu treiben. Das ging so weit, dass Trump sogar kurzerhand erklärte, die USA hätten keine Interessen im Zusammenhang mit der Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus. Damals war es gerade zu Anschlägen auf Tanker gekommen und die Falken wollten sie dem Iran anhängen und sprachen von wichtigen US-Interessen, die zu schützen wären. Trump nahm dem mit seiner Aussage den Wind aus den Segeln, indem er darauf hingewiesen hat, dass die USA dank Fracking selbst genug Öl produzieren, weshalb dort kein US-Interesse sei. Darum sollten sich die EU, China und Japan kümmern, die von dort Öl erhielten.

Und wie durch ein Wunder gab es danach keine Probleme mehr mit Angriffen auf Tanker in der Region.

Oder die Ukraine. Die scheint Trump völlig egal zu sein, aber Bolton, als Geostratege der alten Schule, will die Ukraine weiter gegen Russland einsetzen. Um die Ukraine ist es aus Sicht der USA merkwürdig ruhig geworden. Sie scheint keinerlei Priorität zu haben, es gab sogar schon Stimmen aus Trumps Umfeld, die Waffenlieferungen an Kiew einzustellen, natürlich folgte dem sofort ein Proteststurm. Aber Trump scheint die Ukraine nicht einmal wichtig genug zu sein, um ein Ende der Waffenlieferungen durchzusetzen. Er spricht auch eigentlich nie über das Land. Obwohl die Ukraine für die Geostrategen in Washington sehr wichtig als Stachel im russischen Fleisch ist, interessiert sie Trump offensichtlich gar nicht.+

Wenn man das in Kombination setzt mit seinem Wunsch, sich mit Russland zu vertragen, dürften bei den US-Geostrategen alle roten Lampen angehen. Trump könnte die Ukraine in Verhandlungen mit Russland einsetzen, um woanders Zugeständnisse zu bekommen. Aber die Ukraine in die Freiheit zu entlassen und eine Aussöhnung zwischen Kiew und Moskau ist für transatlantische Geostrategen der Super-Gau.

Und zuletzt Afghanistan. Trump hatte schon im Wahlkampf versprochen, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Bolton war davon alles andere als begeistert. Es gab seit langem Verhandlungen mit den Taliban. Diese hat Trump nun für gescheitert erklärt. Damit ist seine Idee, aus Afghanistan abzuziehen, geplatzt. Die interessante Frage ist, was in dieser Sache hinter den Kulissen geschehen ist und ob das Scheitern Afghanistan-Verhandlungen vielleicht der Tropfen war, der das Fass zwischen den beiden zum Überlaufen gebracht hat.

Es gab also eigentlich bei allen Themen Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Bolton. Ein Sicherheitsberater muss aber per Definition ein loyaler Mitarbeiter seines Chefs sein. Daher habe ich nie verstanden, warum Trump ihm den Posten gegeben hat.

Am Dienstagabend hat Trump über Twitter mitgeteilt, er habe Bolton gebeten, seinen Rücktritt einzureichen, was Bolton am Morgen auch getan habe. „Das Weiße Haus braucht seine Dienste nicht mehr“ hieß es knapp bei Trump. Und weiter bestätigte er das, was Beobachter wie ich seit Monaten schreiben, nämlich dass es starke Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gegeben habe. Trump teilte weiter mit, er werde einen Nachfolger nächste Woche ernennen.

Bolton sieht die Sache anders und schreibt ebenfalls auf Twitter, er hätte seinen Rücktritt angeboten und Trump hätte das am nächsten Tag besprechen wollen.

Was auch immer wahr ist, Fakt ist Bolton ist weg und die Frage ist, wie geht es weiter?

Das werden wir in den nächsten Tagen sehen, jedenfalls ist es spannend, dass der Machtkampf zwischen der „alten Garde“ der Falken und Trump nun anscheinend offen ausgebrochen ist. Ob dieser Machtkampf eskaliert und ob diese Geschichte auch Pompeo das Amt kosten, oder seine Position stärken wird? Wer weiß.

Wer in dem Machtkampf hinter den Kulissen in Washington Oberwasser hat, werden wir vielleicht erraten können, wenn Trump Boltons Nachfolger präsentiert. Wird es wieder ein Falke oder jemand, der Trumps außenpolitische Ziele teilt?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Gedanken zu „„Seine Dienste werden nicht mehr benötigt“ – Trump feuert Sicherheitsberater Bolton, was nun?“

  1. Nicht dass es Trump so gehen wird wie einem Kennedy.
    Die Machtelite, die Trump bekämpft, ist sich hat keine Skrupel Präsidenten zu ermorden, wenn sie nicht so wollen, wie sie.

    Und statt Trump dankbar zu sein, dass er nicht wie die Kriegsverbrecher Obama und Bush ist, wird massiv auf ihn eingeschlagen.
    Und Deutschland ist der der führende Schläger.
    Ist unsere Regierung sauer, dass immer noch Frieden herrscht? Zumindest, dass keine Bomben fallen? Frieden ist es nun ja nicht mehr. Denn es findet in Deutschland ein Krieg gegen die deutsche Bevölkerung statt, von der eigenen Regierung befeuert.

    Ich danke Donald Trump, dass er zumindest keine neuen Kriege auf die Welt loslässt und dem Mist seiner beiden Vorgänger versucht zu bereinigen. Ich hoffe, dass er noch eine Amtszeit bekommt. Aber ob das zugelassen wird?

  2. Ich halte Trumps Umgang mit Bolton für machtpolitisch sehr geschickt. Warum?

    1. Hätte Trump Falken wie Bolton nicht eingebunden, hätten sie ihn ständig öffentlich unter Druck gesetzt und zwar massiv. Trump hätte sehr schnell als feiges Weichei abgestempelt werden können, das nicht den Mumm hat, durchzugreifen. Damit hätte Trump massiv an Popularität verloren. Durch die Einbindung Boltons und Pompeos hat Trump diesen, wenn auch keinen Maulkorb, so doch zumindest einen kleinen Schalldämpfer verpasst: Sie können immer noch für ihren harten Kurs werben, können ihren Chef aber nicht mehr so einfach verunglimpfen.

    2. Durch die Nominierung der beiden Falken ließ Trump die Öffentlichkeit lange im Unklaren über seine wahren Motive: Ist der Präsident nun eine Taube, oder doch ein Falke, der vorgibt eine Taube zu sein?

    3. Sollte es stimmen, dass Trump sich wirklich mit der bisherigen US-Elite um die Familien Bush und Clinton anlegen will, dann hätte er mit Bolton einen Mann eingebunden, der für diese Elite lange gearbeitet hat. Das ist einerseits gefährlich, da Bolton mit Sicherheit Insider-Informationen an diese Kreise weitergegeben hat, zum anderen bietet es jedoch auch Trump Chancen, Verbindungen und Netzwerke innerhalb der alten Elite zu untersuchen.

    Ich selbst habe mir über Trump noch kein abschließendes Bild gemacht. Mich beruhigt einerseits die Tatsache, dass Leute, die ich für brandgefährlich halte, auf ihn einschlagen und somit implizit deutlich machen, dass sie ihn als Bedrohung sehen. Ich begrüße, dass er keinen Krieg begonnen hat und die Hinrichtungen via Drohne wohl ebenfalls zurückfährt. Auch macht mich der Anstieg der „sealed invictments“ von 250000 unter Trump vorsichtig optimistisch.
    Der von ihm und den „Anons“ groß angekündigte Schlag gegen die „Globalisten“ ist bisher aber ausgeblieben. Es könnte also alles auch Theater sein. Abwarten.

  3. Trump hat Bolton angestellt, weil er die Wahlkampfgelder von Sheldon Adelson für die Midterms und die Wahl 2020 haben wollte.
    Ich befürchte auch deshalb, dass sein Nachfolger aus der gleichen Richtung kommt (Adelsons Geld und Kontakte braucht er ja nächstes Jahr wieder). Aber vielleicht wird es jemand, der zwar ein Kriegstreiber ist, aber sich im Gegensatz zu Bolton ein Stück weit zurückpfeifen lässt.
    Schlimmer als Bolton geht glaube ich nicht – ihn feuern war also auf jeden Fall richtig.

  4. Trumps Wahlgewinn wurde möglich, weil die Nationaljuden (Israel) und die Globaljuden (Soros) uneins geworden waren. Trump bekam die Unterstützung der Nationaljuden (z.B. Bolton), Clinton die der Globaljuden. Als Gegenleistung erhofften sich die Nationaljuden einen Krieg gegen den Iran, was Trump umging. Inzwischen scheint Trump sich von Israel zu emanzipieren. Er scheint sicher zu sein, 2020 aus eigener Kraft wiedergewählt zu werden. Vielleicht hat Epstein den Ausschlag gegeben. Möglich, dass Epstein ein Mossad-Agent war und Israel über ihn weltweit Politiker erpresste. Wenn diese Erpressungen alle aufgeflogen sind (wovon auszugehen ist), dann dürfte Trump jetzt an einem sehr langen Hebel sitzen. Dann hat er Israel und Hunderte Spitzenpolitiker in der Hand, die sich haben erpressen lassen.

  5. Als ich damals Trump‘s Einführungsrede hörte hätte ich eigentlich ein gutes Gefühl es könnte ein neuer Politikstil in den USA einziehen. Als dann noch eine ständige Hetze von Seiten unserer Medien und Politik einsetzte gegen Trump, da sah ich mich bestätigt in meinem Gefühl. Zwar gab es im Laufe seiner Amtszeit immer wieder Entscheidungen wobei ich dachte,hast dich doch geirrt. Dann kam aber auch immer wieder Gedanken auf,wo ich mir sagte,der Mann ist ein Getriebener des Mainstream. Der schmeißt denen einen Brocken hin die sie ruhig halten lässt, aber er macht trotzdem sein Ding. So gesehen hab ich doch eine gewisse Achtung,auch weil er noch keinen neuen Krieg begonnen hat. Er hat einen schweren Kampf im Inneren zu führen,dieser Krieg ist bedrohlich für ihn und man weiß nicht ob er in überlebt, politisch wie körperlich.

  6. Wieso er Bolton und Pompeo eingestellt hat.ich hatte da an das Spiel böser Bulle und guter Bulle gedacht. Neben solchen Typen wie Bolton werden wohl sehr viel mehr Menschen froh gewesen sein, wenn Trump widersprach und nicht mitmachte. Wenn er vernünftige Leute eingestellt hätte, wäre er wohl immer wieder sehr schnell in die Schusslinie geraten.

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