Das russische Fernsehen über gesteuerte Unruhen: „Großmächte scheitern nicht, sie begehen Selbstmord“

Das russische Fernsehen hat sich in der Sendung „Nachrichten der Woche“ auch an diesem Sonntag ausführlich mit den Unruhen in den USA beschäftigt. Aber es zeigt völlig andere – leicht nachprüfbare – Wahrheiten und kommt zu völlig anderen Schlussfolgerungen, als die westlichen Medien.

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass ich die Unruhen in den USA für gesteuert halte. Ich habe mir nur angeschaut, wer die Organisatoren sind und von wem sie finanziert werden. So findet man, wenn man sich die Zeit für die Recherche nimmt, ganz leicht heraus, wer hinter den Unruhen steckt und natürlich davon profitiert. In den USA gibt es sogar Firmen, die ihren Kunden anbieten, „maßgeschneiderte“ Unruhen zu organisieren. Das ist eine eigene Branche und die Firmen werben im Internet für ihre „Dienstleistungen“.

Die russische Sendung „Nachrichten der Woche“ hat dem Thema zwei aufeinanderfolgende lange Kommentare und eine Reportage aus den von „Aktivisten“ besetzten Teilen von Seattle gewidmet, die ich getrennt übersetzt habe, weil der Text sonst zu lang geworden wäre. Dies ist der erste Teil, die Übersetzung des zweiten Teils finden Sie hier und auch noch einmal am Ende des Textes, damit Sie – wenn Sie möchten – weiterlesen können. Die Reportage aus Seattle finden Sie hier.

Beginn der Übersetzung:

Wie Amerika zur Ukraine wird

„Nachrichten der Woche“ hat schon mehrmals Beweise dafür gezeigt, dass Amerika von einer Ukrainisierung erfasst wird. Und nun läuft der amerikanische Maidan. Zu allen Ähnlichkeit mit der Ukraine kommt hier noch eine hinzu: In den Vereinigten Staaten wächst der Markt für Dienstleistungen, die anbieten, Demonstrationen und sogar Unruhen gegen Bezahlung zu organisieren. Zuerst wurde das an der Ukraine ausprobiert. Bezahlte Protestaktionen sind dort schon lange normal.

Wir wollen es gleich im Vorwege sagen: nicht alle Kundgebungen und Unruhen in Amerika sind gekauft. Aber es gibt einen Markt für diese Dienstleistungen. Hier ist zum Beispiel die Website eines der Unternehmen, die maßgeschneiderte Massenproteste anbieten: „Für uns hat absolute Diskretion höchste Priorität. Unsere Mitarbeiter schaffen überzeugende Szenarien, die sich in konstruktive Blöcke von Massenbewegungen verwandeln. Wann immer Sie den Anschein von Empörung in der Bevölkerung benötigen, können wir ihn im gewünschten Umfang bereitstellen und dabei Ihre Reputation intakt halten und schützen“, heißt es auf der Website. (Anm. d. Übers.: Die Seite hat die Adresse demandprotest.com. Wer hinter der Seite steckt, ist dort nicht ersichtlich, es gibt keine Firmenadresse, nur ein Kontaktformular und eine Telefonnummer)

Das Erlernen der Techniken zur Organisation von Massenprotesten kann man dort auch als Training buchen: „Unsere Strategen können Ihre Organisation darin schulen, effektive Demonstrationen vorzubereiten und Situationen zu modellieren, die sicherstellen, dass Ihre Ziele erreicht werden.“

Und dann – sehr professionell und überzeugend – in Sorge um die Kunden: „Wir schaffen Szenarien, die die öffentliche Meinung und Wahrnehmung ohne jede Mehrdeutigkeit verändern. Wir treffen alle Vorsichtsmaßnahmen, halten die Daten über unsere Kunden geheim und stellen nur die Besten der Besten ein. Wir können garantieren, dass alles sowohl für die Medien, als auch für die Gesellschaft authentisch erscheint.“

Das Unternehmen besteht seit 2012. Im Jahr 2017 schrieb die Washington Post, dass es in Amerika keine bezahlten Proteste gibt. Aber das stimmt nicht. In unruhigen Zeiten werden solche Dienstleistungen immer gefragter. Genau so war es in der Ukraine, bis in die Details. Sie wollen das Unternehmen eines Konkurrenten zerstören? Warum nicht mit Hilfe von Demonstranten mit Baseballschlägern und sogar mit Gewehren? Es ist nichts Persönliches, es geht nur um´s Geschäft. Das wurde in der Ukraine auch mit Politikern, gesellschaftlichen Bewegungen und mit Staatsoberhäuptern praktiziert.

Ich wiederhole es, wir sagen nicht, dass alle Proteste in Amerika bezahlt werden. Aber hinter dem Lärm von Demonstrationen und Pogromen entsteht unweigerlich auch ein Markt für solche Dienstleistungen.

Natürlich glauben die meisten Demonstranten aufrichtig an ihre hohen Ziele. Aber auch dieser Glaube kann mit den Mitteln der modernen, politischen Techniken gelenkt werden. Ohne Enthusiasten geht das nicht. Dostojewski nannte sie „besami“. Und Russlands Erfahrung auf diesem Gebiet ist für die Welt unbezahlbar. (Anm. d. Übers.: „Besami“ ist schwer zu übersetzen, es kommt von dem russischen Wort „bes“, das eine Verneinung ist. „Besami“ sind Leute, die gegen etwas sind)

„Wir verkünden die Zerstörung. Warum ist diese Idee schon wieder so charmant! Aber wir müssen, wir müssen die Knochen strecken. Wir werden Brände entzünden. Wir werden Legenden bilden. Da ist jede Kleinigkeit von Nutzen. Ich werde Euch als Jäger darin finden, jeder Schuss wird Euch treffen, und Ihr werdet mich ehren und mir dankbar sein. Also, lasst die Unruhen beginnen! Es wird Euch so erschüttern, wie es die Welt noch nie gesehen hat“, schrieb der Klassizist.

Genau diese Erschütterung ist es, die wir gerade in Amerika sehen. Viele sind enthusiastisch mitgerissen und sie werden immer unversöhnlicher.

Mit genau dieser neuen Unversöhnlichkeit hat James Bennett, der Leiter der Abteilung „Meinungen“ bei der wichtigsten Zeitung Amerikas, der New York Times, Bekanntschaft gemacht. Der Veteran des Journalismus, der seit dreißig Jahren mit der New York Times zusammenarbeitet, wurde einfach aus der Redaktion geworfen, nur weil er es gewagt hatte, während der Straßenunruhen einen Artikel des republikanischen Senators Tom Cotton zu veröffentlichen, der die Armee zur Wiederherstellung der Ordnung einsetzen wollte. Übrigens, laut Umfragen würden 58 Prozent der Amerikaner diese Entscheidung unterstützen – diese Zahlen kommen von Forbes – und nur 30 Prozent sprechen sich dagegen aus. Tom Cotton selbst begründete seine Position mit einem US-Gesetz über „Gegenmaßnahmen gegen Aufstände“, das in der amerikanischen Geschichte schon oft verwendet wurde.

„Dieses ehrwürdige, Jahrhunderte alte Gesetz, das fast so lange existiert, wie unsere Republik selbst, bedeutet nicht die Verhängung des Kriegsrechts oder das Ende der Demokratie, wie einige leicht erregbare Kritiker lächerlicher weise erklären, die weder das Gesetz, noch unsere Geschichte kennen. Tatsächlich hat die Bundesregierung die in der Verfassung festgeschriebene Pflicht gegenüber den Bundesstaaten, „jeden von ihnen vor inneren, gewalttätigen Unruhen auch mit Waffengewalt zu schützen“. Im Laufe der Geschichte haben Präsidenten dieses Recht Dutzende Male genutzt, um gesetzestreue Bürger vor Unruhen zu schützen“, sagte Cotton.

Nach der Veröffentlichung der Stellungnahme des Senators, der immerhin die Position der Mehrheit der Amerikaner vertreten hat, begann gegen James Bennett eine echte Hetzkampagne. Und sogar ein langer, um Gnade flehender Artikel in seiner New York Times, in dem er sagte, dass die Republikaner schließlich auch eine Meinung haben und dass es gut wäre, sie auch zu lesen, nur um sie dann natürlich abzulehnen, hat James Bennett nicht vor der Entlassung gerettet.

Das ist Zensur. Herzlichen Glückwunsch, Kollegen!

Hässliche Formen nimmt die Zensur auch im amerikanischen Filmgeschäft an. Der Streamingdienst HBO hat angekündigt, den weltweiten Klassiker „Vom Winde verweht“ aus dem Angebot zu streichen. Wegen Romantisierung der Sklaverei. Wir erinnern daran, dass Vivien Leigh für ihre Rolle in „Vom Winde verweht“ den „Oscar“ für die beste Hauptrolle gewonnen hat und dass Hattie McDaniel die erste schwarze „Oscar“-Preisträgerin wurde. Insgesamt hat „Vom Winde verweht“ acht Oscars gewonnen. Nachdem die Zensur den Film aus dem Angebot von HBO entfernt hatte, wurde „Vom Winde verweht“ ein Verkaufsschlager auf Amazon. Die Menschen sind nicht bereit, sich wegen der Zensur von dem Meisterwerk zu verabschieden.

Aus der Erfahrung der UdSSR kennen wir häusliche Filmvorführungen noch, bei denen wir heimlich mit Freunden Filme angeschaut haben, die uns in Kino und Fernsehen nicht gezeigt wurden. Wir kennen selbst veröffentlichte Literatur noch, die in verwischten Buchstaben auf den vierten Durchschlag auf Schreibmaschinen der Marke „Erika“ getippt wurde. Jetzt werden wir den Amerikanern dabei zuschauen, wie sie „Vom Winde verweht“ selbst veröffentlichen.

Die Zensur ist ansteckend. Netflix hat, gefolgt von BBC iPlayer und Brit Box, die Comedy-Show „Little Britain“, die früher von der BBC ausgestrahlt wurde, aus ihrer Mediathek entfernt. Die Show spielte mit der Selbstironie der Briten und erlaubte sich Witze, die nicht immer politisch korrekt waren, zum Beispiel über Minderheiten. Es gab Witze, die auch wirklich über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus gingen. Aber die Show wurde seit 2008 nicht mehr regelmäßig gezeigt. Sie ist inzwischen eher ein Stück Fernsehgeschichte. Aber man konnte immer wieder über sich selbst lachen. Jetzt jedoch haben die Briten ihren berühmten Sinn für Humor verändert. Er wurde von der Zensur hinweg gefegt.

Es gibt auf diesem Weg viel dramatisches. Ich möchte nur an die Schlussfolgerung eines herausragenden Engländers, des Historikers Arnold Toynbee, erinnern: „Großmächte scheitern nicht. Sie begehen Selbstmord.“

Ende der Übersetzung

Hier geht´s zur Fortsetzung des Kommentars, in der es auch um die Situation in Europa geht. Und hier geht´s zur Reportage aus Seattle.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Das russische Fernsehen über gesteuerte Unruhen: „Großmächte scheitern nicht, sie begehen Selbstmord““

  1. Ich will ja nicht pingelig sein – oder eigentlich will ich genau das.
    Достоевски называл их Бесами (Instrumentalis) → Dostojewski nannte sie Besy
    Der Titel wird oft auch als Böse Geister, Die Teufel oder Die Besessenen übersetzt.
    Hier die Übersetzung aus 1921 bei Gutenberg.org
    Wir verkünden die Zerstörung … warum nur, warum ist diese Idee so bezaubernd? Aber man muß, man muß die Knochen gelenkig machen. Wir legen Feuer an … Wir verbreiten Legenden … Hierbei wird uns jede kleine räudige ‚Gruppe‘, jedes Häufchen zu statten kommen. Ich kann Ihnen aus diesen Gruppen solche Jäger heraussuchen, die zu jedem Schuß bereit sind und für die Ehre noch ewig dankbar bleiben. Und dann beginnt der Aufruhr! Ein Schaukeln hebt an und gerät in Schwung, wie’s die Welt bisher noch nie gesehen hat!
    http://www.gutenberg.org/files/61906/61906-h/61906-h.htm#page-636

    1. Tja guter Mann, das Problem ist hier „Übersetzung von Begriffen“ und „Übertragung von Bedeutung“.
      Eine „technische“ Übersetzung sieht da halt oft etwas anders aus, als eine literarische Übertragung.
      Man sollte eigentlich wissen, das Sprachen alles andere als „deckungsgleich“ sind, scheinbar identische Begriffe oft in Nuancen abweichende Bedeutung haben und sich daraus zudem noch ein nicht unerhebliche Interpretationsspielraum ergibt – man daher gerade in der Literatur oft von „Neuübersetzungen“ hört.
      (Die klassischen Shakespeare-Übersetzungen von Schlegel und Tieck sind da z.B. auch nicht unumstritten.)
      Das alles und noch einiges mehr sollte man bedenken, bevor man hier den vermeintlich „Gebildeteren“ heraushängen läßt.

  2. Der Übersetzungsfehler ist schon recht klar. Das Wort „бес“ ist eindeutig ein Teufel oder Dämon und hat mit der Verneinung „без“ nichts zu tun (außer dass der Teufel ja auch eine Kraft der Verneinung ist).

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