Gedenkveranstaltung: Putin mit Tränen in den Augen und versagender Stimme

Auf der Holocaust-Gedenkveranstaltung bekam die Welt einen Wladimir Putin zu sehen, wie man ihn bisher nicht öffentlich gesehen hat: Mit Tränen in den Augen und versagender Stimme.

Am Rande der Gedenkveranstaltung zum 75 Jahrestag der Befreiung von Auschwitz wurde auch ein Mahnmal für die Opfer der Hungerblockade von Leningrad eröffnet. Dieses Ereignis ist in Deutschland kaum bekannt, in Russland wird es aber in einem Atemzug mit Stalingrad genannt, denn die Blockade der Stadt, die heute St. Petersburg heißt, dauerte fast drei Jahre und kostete knapp eine Million Russen das Leben.

Für Putin ist das nicht nur ein geschichtliches Ereignis, er ist in Leningrad geboren, sein Vater wurde an der dortigen Front zum Kriegsinvaliden, seine Mutter wäre beinahe zum Sterben abtransportiert worden, wenn der frisch verwundete Vater nicht vehement eingegriffen und sie irgendwie wieder aufgepäppelt hätte. Putins älterer Bruder starb bei der Blockade als Kleinkind.

Wie nahe die Geschichte der Blockade Putin gehen, konnte man bei seiner Rede zur Eröffnung der Gedenkstätte für die Leningrader Blockade sehen. Ganz am Ende, als er sich für das Mahnmal bedankte, versagte ihm die Stimme und man sieht, dass er nicht mehr weiterreden konnte und daher die Bühne schnell verlassen hat.

RT-Deutsch hat die Reden am Ende des Beitrags mit Untertiteln versehen, sodass sie auch ohne Russischkenntnisse verständlich ist.

Putin wird bei Enthüllung des Denkmals für Opfer der Leningrader Blockade in Israel emotional

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Auch über den Zweiten Weltkrieg gibt es in dem Buch ein Kapitel mit sehr interessanten Zitaten von Putin.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Gedanken zu „Gedenkveranstaltung: Putin mit Tränen in den Augen und versagender Stimme“

  1. Ein Bekannter berichtete mir von seinem Besuch in Yad Vashem und wie ihn das zum Schaudern brachte.
    Im letzten Jahr besuchten wir den Pissarowski-Friedhof in St. Petersburg, auf dem einige hunderttausend Opfer der Blockade liegen. Wir waren in Kobona, einem Ort am Ladogasee, von dem aus die Stadt versorgt wurde und an dem die Evakuierten, vor allem Kinder ankamen. Wir waren dort in der Kirche, in der die Evakuierten wieder für den Weitertransport aufgepäppelt wurden! Dort gibt es eine lange Reihe Bücher mit den Namen derer, die die Blockade nicht überlebt haben und eine kurze Reihe, in denen die aufgeführt sind, die überlebt haben. Wir waren dort mit Überlebenden, die dort in den Büchern ihre Namen fanden, wir sahen das Wrack eines Busses, welches aus dem Ladogasee geborgen wurde. Dieser Bus mit Evakuierten versank nach Beschuss im See, als er fast das Ufer erreicht hatte. Ich erinnere mich an die Beklemmungen, die mich und auch die anderen überkamen, als wir das alles sahen und hörten, als Angehörige des Tätervolkes. Bei einem Treffen mit Blockadnikis berichteten die von ihren Erlebnissen, die man sich kaum vorstellen kann. Mir ging es wie Putin, es fiel mir schwer, die Tränen zu unterdrücken und weiterzusprechen, wenn man sich das vorstellt und vor allem, wenn man die heutige deutsche Arroganz gegenüber Russland erlebt. Unter welchen Umständen dort über den See, über die Newa, durch Sumpf und Wald bei eisigen Temperaturen, unter Beschuss und Bombardierung Gleise verlegt wurden, Wege gebaut wurden, um die Stadt und die Verteidiger mit dem notwendigsten zu versorgen kann man sich kaum vorstellen! Liest man Feldpostbriefe von Angehörigen der Wehrmacht, liest man die Befehle der 18. Armee, der Führung der Heeresgruppe Nord und die Weisungen und Befehle aus dem Führerhauptquartier zum Umgang mit Leningrad und seinen Bewohnern, wird einem das Ausmaß dieser verbrecherischen Kriegführung erst einmal bewusst! Sowohl die militärische Führung vor Ort als auch das Führerhauptquartier waren sehr genau über die katastrophale Versorgungslage und das Ausmaß der Hungersnot informiert! Im Dezember 41 betrug die tägliche Ration für die nichtarbeitende Bevölkerung noch 125 g einer brotähnlichen Substanz! Im Februar 42 starben täglich über 3.000 Menschen an den Folgen des Hungers! Sieht man Fotos dazu, liest man die Berichte des NKWD über die Situation in der Stadt, so kann man hier durchaus Parallelen zu Auschwitz ziehen. Bewusst wurde von der faschistischen Führung der Hungertod einer Millionenstadt in Kauf genommen. Es hat sich lediglich niemand wie in Auschwitz die Finger schmutzig gemacht!
    Und gerade vor diesem Hintergrund ist der Kommentar dieser Sabine Müller von der ARD über Putins Auftritt eine Zumutung, obwohl ich annehme, die wird vielleicht mal etwas von der Blockade gehört haben, mehr aber auch nicht.

    1. Kutusow: Diese Dinge kann man nicht in Worte fassen und ist man bei so einer Veranstaltung dabei müssen einem die Tränen kommen.
      ARD/ZDF sind die widerlichsten deutschen Sender.
      Ich habe alles was ich bisher an Interviews von Hr. Wladimir Putin in die Finger bekam gelesen. Er hat von meiner Seite mehr als Respekt verdient. Möge uns ein ähnliches Schicksal erspart bleiben.

      1. Ja, ich habe mich fast vor der Begegnung mit den Blockadniki gefürchtet, weil ich einen Kloß im Halse hatte. Ich muss allerdings sagen, sie waren alle sehr aufgeräumt, niemand hat uns irgendwelche Vorwürfe gemacht, wir haben sehr interessante Gespräche geführt, denn es waren hochgebildete Leute. Ich habe auch am 9. Mai 2015 am Newski Prospekt gestanden und habe den Zug des Unsterblichen Regiments gesehen und auch da überkamen mich Beklemmungen. Die anmaßenden Kommentare der deutschen „Qualitätsmedien“, die den Russen quasi meinten, die Gedenkkultur vorschreiben zu müssen, waren auch damals einfach nur niveaulos und abstoßend! Mein Brief an den damaligen Intendanten des Staatssenders DLF blieb natürlich unbeantwortet!
        Die Arroganz dieser Leute ist eben kaum zu übertreffen.
        Die Blockadniki beobachten natürlich auch sehr genau die aktuelle Politik und es kommen natürlich Erinnerungen an 1941. Beschäftigt man sich intensiver mit dem deutschen Überfall, vor allem aber den Ereignissen und der Tatsache, dass die Sowjetunion ungefähr 10 % ihrer Bevölkerung in diesem Krieg verloren hat, dann wird einem erst einmal die Sichtweise des heutigen Russland klar und dass sie sehr empfindlich auf den Versuch der USA, sich die Krim einzuverleiben reagiert haben und dass sie dem Vorrücken der NATO sehr kritisch gegenüberstehen!

    2. Sabine Müller behauptet Putin habe gegen Polen verbal attackiert, aber Sie nennt die Attacke nicht.
      Weiter behauptet sie, die bilateralen Gespräche zw. Putin und Netanyahu seien demonstrativ überlang gewesen. Wie lang sie waren, und warum das als überlang gilt, verrät sie nicht. Ebensowenig erklärt sie, woran sie erkennt, dass die vermeintliche Überlänge „demonstrativ“ war, und was damit eigentlich demonstriert werden sollte.
      Diese Unwahrhaftigkeiten sind für mich die eigentlichen Kritikpunkte. Wer Propaganda betreibt hat seinen Sinn für Wahrhaftigkeit und damit für die Wirklichkeit verloren. Ich kann mir schwer vorstellen, wie ein solcher Mensch noch echte (ungeheuchelte) Pietät haben kann. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Propaganda immer wieder im Umfeld der übelsten geschichtlichen Ereignisse (so auch hier) betrieben wurde.

      1. Du hast es sehr richtig beobachtet, S. Müller hat irgendetwas behauptet, ohne aber konkret zu werden. Seit ich seit reichlich einem Jahr den anti-spiegel von Thomas lese, fällt mir das jedesmal auf, dass die westliche Journaille einfach irgendetwas behauptet, ohne dies auch nur an einem einzigen Beispiel konkret zu machen. Bei Thomas erfährt man die Fakten, bei den westlichen Medien wird einfach irgend etwas behauptet und unterstellt, Fakten werden einfach weggelassen!
        So funktioniert die heutige Desinformation und Propaganda!

  2. Das ist doch noch gar nichts. Das ZDF resp. heute-journal hat sich gestern (26.01.) Geschichtsklitterung der allerübelsten Sorte geleistet. Freundlich präsentiert von Marionetta Slomka. Sie faselte vom polnisch russischen Geschichtsstreit, den Putin angeblich dazu nutze die Rolle der Roten Armee zu glorifizieren. Damit nicht genug; im folgenden Beitrag wird Duda gezeigt, der unwidersprochen behaupten darf, dass der russische Präsident wissentlich Lügen verbreite. Keine Kommentierung dazu; statt dessen wird Putin unterstellt den polnischen Widerstand und dessen Leid zu ignorieren. Eine infame Lüge. Schon mehrfach hat der russiche Präsident Putin bei seinen Ansprachen zum 09. Mai die Rolle der Widerstandskämpfer lobend erwähnt. Das ficht die Geschichtsverdreher vom ZDF nicht an. Statt dessen Schnitt auf irgendeine Tante der EU die strikt ablehnt, die Opfer – wie die Polen – als Täter darzustellen. Das sei schließlich Geschichtsverfälschung. Was für eine Farce. Russland soll hier zum Mitverantwortlichen für den Ausbruch des zweiten Weltkrieges gemacht werden. Polen von aller Schuld freigesprochen werden. So die Absicht der Kommentatoren. Das ist infam. Im weiteren wird Putin bezichtigt in der Geschichte „herumzukramen“, der polnische Botschafter habe sich antisemitisch geäußert. Ja genau, das hat er auch. Warum wird Putin denn eigentlich zum Vorwurf gemacht, daß er sagt dieser Botschafter sei ein antisemitisches Schwein gewesen sei. Es stimmt doch. Den Rest des Beitrags erspare ich dem geneigten Leser. Es ist pure Propaganda. Und das schlimmste dabei ist die deutsche Überheblichkeit gegenüber Russland. Einfach nur ekelhaft.

  3. Lissbeth, es ist in der Tat unerträglich, was man hier jeden Tag in den Medien und der Politik erleben muss! Eine Arroganz, eine Selbstgefälligkeit, ein Sendungbewusstsein bei einer geradezu erschreckenden Unkenntnis und Inkompetenz in historischen und vor allem auch aktuellen politischen Fragen! Beim Tagesspiegel gab es heute eine Umfrage, bei der man ankreuzen konnte, ob Putin sehr gefährlich, gefährlich, weniger gefährlich oder nicht gefährlich für Deutschland ist!
    Man fasst sich angesichts eines solchen Schwachsinns nur noch an den Kopf und fragt sich, ob die Macher dieser Umfrage noch ganz bei Trost sind! Das ist Volksverdummung pur! So etwas hat doch mit Journalismus nichts mehr zu tun, das ist doch nur noch Idiotie!

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