Weil Putin teilnimmt: Polen sagt Teilnahme am Holocaust-Gedenktag in Israel ab

Polens Regierung sieht sich von Feinden umgeben und das nimmt mittlerweile schon groteske Züge an.

Die polnische Regierung ist dafür bekannt, dass sie um sich herum viele Feinde wittert. Da ist der böse Russe im Osten und da sind die Deutschen im Westen, von denen Polen gerne eine Billion Euro an Reparationen für Kriegsschäden haben möchte. Aber auch mit anderen Nachbarn hat Polen kein einfaches Verhältnis. Mit der Ukraine eint Polen zwar die anti-russische Politik, aber die Wunden des Zweiten Weltkrieges haben auch Narben hinterlassen. Immerhin haben ukrainische Milizen während des Zweiten Weltkrieges Massenmorde an Polen verübt. Kiew denkt aber gar nicht daran, sich dafür zu entschuldigen, sondern hebt stattdessen die Anführer der nationalistischen Milizen, die sich auch der SS-Division Galizien angeschlossen haben, in den Stand von Bationalhelden.

Und nun hatte der russische Präsident Putin kurz vor Neujahr nachgelegt und aus Dokumenten aus den Archiven zitiert, aus denen hervorgeht, dass die polnische Vorkriegsregierung mit Hitlers Plänen, die Juden aus Europa nach Afrika zu vertreiben, so sehr sympathisiert hat, dass der polnische Botschafter in Berlin Hitler dafür sogar ein großes Denkmal in Warschau versprochen hat.

Am 27. Januar, dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, ist der offizielle Holocaust-Gedenktag und in Israel treffen sich zum Gedenken die Staats- und Regierungsschefs aus über 30 Ländern. Aber ausgerechnet der polnische Präsident hat seine Teilnahme abgesagt. Das ist aus zwei Gründen brisant, denn erstens lag Auschwitz in Polen und zweitens ist das Wasser auf die Mühlen derer, die Polen Antisemitismus vorwerfen.

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat seine Absage mit der Anwesenheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin begründet, wie die polnische Gazeta Wyborcza schreibt. Die Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass der polnische Botschafter in Deutschland Jozef Lipski Hitler ein Denkmal in Warschau setzen wolle, wenn Hitler die Juden aus Europa nach Afrika vertreiben würde, löste in Polen extreme Empörung aus. Sogar der russische Botschafter in Warschau wurde ins polnische Außenministerium einberufen.

Laut der polnischen Zeitung sei ein weiteres Problem, dass die „Feierlichkeiten in Israel unter Beteiligung des israelischen Außenministers Katz organisiert werden“. Katz hatte früher erklärt, die Polen hätten „Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen“.

Für die polnische Regierung sind solche Äußerungen ein Affront, denn sie zementieren ihre Rolle als Opfer des Krieges und wollen aus der Geschichte tilgen, dass auch in Polen der Antisemitismus stark war und viele Polen Juden an die Deutschen ausgeliefert oder sogar selbst umgebracht haben. Derartige Äußerungen werden laut einem neuen Gesetz in Polen nun bestraft.

Neben Putin haben auch die Präsidenten Deutschlands, Frankreichs und Italiens ihre Teilnahme an dem Gedenktag angekündigt. Mit ihrem Schritt isoliert sich die polnische Regierung also in dieser Frage weiter.

Es ist schlecht, wenn geschichtliche Tragödien von vor fast 80 Jahren heute die Tagespolitik beeinflussen. Man sollte die geschichtliche Wahrheit herausarbeiten, ohne zu versuchen, sie im Lichte der aktuellen Tagespolitik zu Gunsten des einen oder anderen Landes einzufärben. Alte Konflikte in die Tagespolitik zu holen, hat in der Vergangenheit noch niemandem genützt, im Gegenteil, es hat immer nur neues Unglück gebracht. Es wäre schön, wenn heutige Regierungschefs zumindest genug Wissen über die Geschichte hätten, um nicht diese Fehler ständig zu wiederholen.

Weder die Tagespolitik, noch die Geschichte sind nur schwarz oder weiß. Grautöne gehören dazu und nur wenn wir auch diese anerkennen, kann es Versöhnung und Kompromisse geben. Das sollten alle aus der Geschichte gelernt haben.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Gedanken zu „Weil Putin teilnimmt: Polen sagt Teilnahme am Holocaust-Gedenktag in Israel ab“

  1. Ich frage mich, wo die Geschichtsfälschung im Westen noch hinführen soll. Im Staatssender DeutschlandRadio Kultur, Nachfolger von Radio Free Europe, war gestern eine Quasselrunde von „Experten“ (Namen müsste ich nochmals googeln) zu Gange, die die polnischen Behauptungen, der Hitler-Stalin-Pakt sei Ursache des zweiten Weltkrieges schon als historische Wahrheit ansahen! Was das für ein Blödsinn ist, kann jeder selber nachprüfen, wenn er sich nur mal die Frage stellt, was passiert wäre, wenn die Wehrmacht ganz Polen besetzt und beim Angriff 1941 500 km weiter östlich gestanden hätte! Der 8. Mai 1945 war für diese „Experten“ auch kein Tag der Befreiung, sondern ein Tag der (europäischen) Integration. Das diejenigen, denen sie ihren „Tag der Integration“ der UdSSR zu verdanken hatten mit keiner Silbe erwähnt wurden und Russland als Nachfolger der UdSSR aus dieser „Integration“ bewusst ausgeschlossen wird, wurde auch nicht erwähnt! Wir können davon ausgehen, wenn es nicht schon soweit ist, dass diese Geschichtsfälschung Einzug ins Bildungswesen hält! Und dann versuche man einmal, diesen heutigen, wenig gebildeten, dafür aber mit umso mehr Selbstbewusstsein ausgestatteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, diesen Unsinn auszureden!

  2. Unabhängig von den Polen ist es doch eine sinnlose Verschwendung von Zeit, Ressourcen und Geld aus aller Welt in den Schurkenstaat Israel zu reisen um dort zu trauern.
    Trauern kann man immer und überall, außerdem wäre wenn überhaupt der Ort wo das Unrecht geschehen ist (Westeuropa) die einzig passende Ortswahl.
    Alle Teilnehmer sollten aus Umwelt- und Finanzgründen die Teilnahme absagen und gefälllgst zu Hause trauern.
    Trauer ist schließlich auch keine Show-Veranstaltung.

  3. „Sogar der russische Botschafter in Warschau wurde ins polnische Außenministerium einberufen.“
    Das war bestimmt lustig:
    „Wie konnten Sie es wagen Fakten und Wahrheiten öffentlich zu verbreiten?“

    Oder wie soll man sich diese Einberufung vorstellen?

  4. http://www.barth-engelbart.de/?p=219035

    “ Nach seiner Lektüre begreife ich besser, warum die jüdische Polin, meine mütterliche Freundin Hannia Wiatrowski nach ihrer Befreiung aus dem KZ Auschwitz durch die Rote Armee nicht in Polen bleiben wollte, zunächst nach Palästina auswanderte und dann wegen des in Israel herrschenden Rassismus noch vor dem “6 Tage-Krieg” mit Mann und Kind 1963 in die Bundesrepublik kam. “

    Herr Engelbart kennt den Antispiegel und auf seiner Seite gibt es noch andere Hintergrundberichte die einen wirklich sprachlos machen.

    zur Ukraine und ihren Nazis damals auch

    http://www.barth-engelbart.de/?p=11930

    http://www.barth-engelbart.de/?p=161335

    „2010 erklärt das Simon Wiesenthal Center in einer Presseaussendung seine „tiefste Abscheu“ vor der Entscheidung des ukrainischen Präsidenten (Wunschkandidat der USA), den Kriegsverbrecher Bandera posthum zum „Helden der Nation“ zu erklären. Auch das europäische Parlament verurteilt die Ehrung dieses Massenmörders als inkompatibel mit „europäischen Werten“.

    N.B. Juschtschenko ist der Mann, der in unseren Schafs-Medien als personifizierte Demokratie im Rahmen der „Orange Revolution“ hochgehalten wurde (bzw. wird), als „Opfer“ russischer Intrigen (PR-Märchen von der Dioxinvergiftung- vom Wiener Krankenhausarzt widerlegt) präsentiert wurde, der 2004 nach angeblich „gefälschten“ vorhergehenden Wahlen (was auch eine PR-Lüge war) zum Präsidenten gewählt wurde und für die „Werte des Westens“ stand.“

    Wenn man jetzt ein VT wäre, dann bekommt Putins Regierungsumbildung einen ganz anderen Blickwinkel, sollte er wirklich Archive öffnen. Nicht das er am Ende wegen seiner Geschichte
    klärenden Heldentat noch genowitschokt wird.

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