Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 13 – Unkontrolliertes nukleares Wettrüsten

In diesem 13. Teil meiner Reihe über die von der RAND-Corporation empfohlenen Maßnahmen gegen Russland geht es um die Frage, ob ein nukleares Wettrüsten den USA einen Vorteil bringen würde.

Die RAND-Corporation ist ein enorm mächtiger Think Tank der USA, dessen Empfehlungen von den US-Regierungen sehr oft eins zu eins umgesetzt werden. 2019 hat die RAND-Corporation eine Studie mit dem Titel „Russland überdehnen – aus vorteilhafter Position konkurrieren“ (Extending Russia – competing from advantageous ground) veröffentlicht, die im Grunde eine Anleitung zu einem wirtschaftlichen, politischen und medialen Krieg gegen Russland ist. Es werden alle Maßnahmen gegen Russland erörtert und empfohlen, außer einem heißen Krieg. Man will Russland in die Knie zwingen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil die RAND-Corporation 2019 in einer anderen Studie auch festgestellt hat, dass Russland keinerlei aggressive Absichten hat. Anstatt sich aber darüber zu freuen und nun für eine Entspannung gegenüber Russland zu plädieren, hat RAND ein sehr umfangreiches Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem Russland endlich dazu gebracht werden soll, aggressiv auf die Provokationen aus den USA zu reagieren. Die Details finden Sie hier.

Die Studie unter dem Titel „Russland überdehnen“, um die es in dieser Reihe geht, ist quasi die Fortsetzung der anderen Studie, denn sie führt im Detail auf, wie man Russland in existenzielle Not bringen und damit zu aggressiven Reaktionen provozieren kann. In dieser Reihe werde ich darauf im Detail eingehen.

Bomber und Raketen

Das Kapitel der Studie, das wir heute behandeln, trägt die Überschrift „Methoden in der Luft und im Weltraum“ und es hat drei Unterkapitel. Heute geht es um das dritte davon.

Vorher aber noch ein paar Worte zur Einleitung des Kapitels: Es ist wieder einmal auffällig, wie offen die RAND-Corporation derüber spricht, dass Russland nicht aggressiv ist. Das galt – viele mag es überraschen – auch schon für die Sowjetunion, denn RAND geht auf die Geschichte des Wettlaufens bei Waffensystemen in der Luft und im Weltraum ein und betont immer wieder, wie die USA für die Sowjetunion (und heute für Russland) Bedrohungen geschaffen haben, auf die die andere Seite reagiert hat. Nicht etwa umgekehrt.

Und auch wenn es um die Waffensysteme selbst geht, sehen wir wieder das gleiche Bild. Die USA haben weit mehr Atombomber und können sie nahe an Russlands Grenzen stationieren. Russland hat darauf defensiv geantwortet und hat heute – so die RAND-Corporation – das beste Luftverteidigungssystem der Welt.

Außerdem kann man zwischen den Zeilen auch herauslesen, dass die amerikanische Raktenabwehr, die unter anderem in Polen und Rumänien aufgebaut wird, relativ nutzlos ist. RAND sagt ganz offen, dass sie nicht in der Lage ist, eine nennenswerte Menge russischer Raketen abzufangen. Wenn man nun noch weiß, dass die angebliche Raketenabwehr auch Atomraketen abfeuern kann, dann kann auch der größte Skeptiker verstehen, dass Russland sich bedroht fühlt und wohl recht hat, wenn es den USA unterstellt, mit der Raketenabwehr nicht etwa Raketen abwehren zu wollen, sondern einen Atomschlag von nahe der russischen Grenzen zu starten. Details zu der angeblichen Raketenabwehr finden Sie hier.

Atomares Wettrüsten

In diesem Kapitel behandelt die RAND-Corporation die Frage, ob ein atomares Wettrüsten Russland schwächen würde. Dazu führt die RAND-Corporation in der Einleitung die Geschichte des atomaren Wettrüstens aus und berichtet auch über die Abrüstungsverträge, die die Supermächte einst geschlossen haben, von denen die meisten allerdings von den USA gekündigt worden sind. Einen Artikel, der das Thema ausführlicher und vor allem für Laien verständlicher erklärt, als die RAND-Corporation es tut, finden Sie hier.

Die RAND-Corporation hat diese Studie im Jahr 2019 geschrieben und damals war der INF-Vertrag noch in Kraft, inzwischen hat Trump ihn gekündigt. Das muss man wissen, denn als einen der Nachteile eines atomaren Wettrüstens nach dem Auslaufen des NEW START-Vertrages (er läuft im Februar 2021 aus) würde laut RAND das Risiko bergen, Russland könne den INF-Vertrag kündigen. Das haben die USA inzwischen aber schon selbst erledigt, sodass dieser Nachteil, den die RAND-Corporation anführt, wegfällt. (Ich empfehle allen, die diese Verträge nicht kennen, den im vorherigen Absatz verklinkten Artikel zu lesen, in dem die Verträge erklärt werden)

Aber auch ohne das steht die RAND-Corporation einem unkontrollierten Wettrüsten skeptisch gegenüber. Da Russland historisch immer eine nukleare Parität mit den USA angestrebt hat, schätzt die RAND-Corporation die Chancen, Russland in so ein Wettrüsten zu ziehen, wenn die USA es beginnen, zwar als hoch ein, aber sie gibt zu bedenken, dass das auch für die USA teuer wäre, vielleicht sogar teurer, als für Russland.

Und da die Studie Wege finden will, wie man Russland durch Maßnahmen schwächen kann, die für die USA günstiger sind, als für Russland, sieht die RAND-Corporation in einem nuklearen Wettrüsten keinen Vorteil für die USA. Daher rät sie von dieser Option ab, “es sei denn Russland tut das als erstes.”

Da sich die Lage jedoch geändert hat, seit diese Studie verfasst wurde, wäre es interessant zu erfahren, wie die RAND-Corporation das Thema heute einschätzt. Der INF-Vertrag ist Geschichte und auch der NEW START-Vertrag kann nur gerettet werden, wenn der neue US-Präsident ihn nach der Amtseinführung so wie er ist, verlängert. Für Verhandlungen bleibt bis Februar 2021 keine Zeit mehr.

Damit bleibt zwar das Argument, dass ein nukleares Wettrüsten auch für die USA teuer wäre, aber andererseits ist die Gelegenheit für alle, die darin eine Option sehen, nun so günstig, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, denn es gibt ab Februar keinen Vertrag mehr, der eine Begrenzung der nuklearen Rüstung zwischen den USA und Russland regelt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Gedanken zu „Welche Maßnahmen die USA gegen Russland planen: Teil 13 – Unkontrolliertes nukleares Wettrüsten“

  1. Die USA stehen da vor dem Problem, dass Russland die Hyperschallwaffen hat. Das ist ein großer Vorteil. Die USA müssen dadurch beim Wettrüsten viel mehr aufrüsten als Russland um über die Masse die Klasse auszugleichen. Mit enorm höheren Kosten natürlich. Aus Kostengründen sollten die USA sogar einen neuen Abrüstungsvertrag beschließen, der neben einer radikalen Abrüstung auch den Einsatz von Hyperschallraketen regelt. Aber den USA geht es nicht um Kosten sondern um den Profit der Rüstungsunternehmen. Das wird sich unter Biden auch nicht ändern.
    Russland wird ein Wettrüsten wahrscheinlich auch nicht mitmachen. Die Vorhandenen Waffen, die von der Abwehr der USA nicht abgefangen werden kann, reicht aus um das Land in Schutt und Asche zu legen. Noch mehr Raketen machen einfach keinen Sinn. Die Investition in bessere Abwehranlagen dagegen schon. Und dass Russland die hat haben diese schon oft genug eindrucksvoll bewiesen.
    Ein weiteres Aufrüsten kann als Gegenreaktion dann auch von China als Grund für das Aufrüsten angesehen werden. Es wird dadurch nicht nur die USA geschwächt, es wird auch mit China eine weitere potentielle Gefahr aufgebaut. Dann sind die USA gezwungen ihre Strategie nicht nur Richtung Russland sondern auch Richtung China auszubauen.
    Wenn dann das Geld fehlt, können auch Länder wie die Ukraine, Polen, Lettland usw. nicht bei der Stange gehalten werden. Die Ukraine läuft den USA schon aus der Hand und das sehen die anderen Länder auch. Die Stationierung von Raketen an der Grenze zu Russland sind dann in Gefahr.
    Ich sehe die USA Geopolitisch auf den Rückzug. Sie brechen einseitig Verträge, beuten ihre Geschäftspartner aus, das Volk in den Ländern in denen sie eingreifen geht am Stock. Sie hinterlassen einfach nur verbrannte Erde. Russland und China sind da anders. Die Verträge werden eingehalten, sie sind fair gegenüber den Handelspartnern und die Länder blühen auf. Viele Länder in Afrika haben das schon erkannt und andere werden folgen.
    Der russische Bär und der Chinesische Drache planen langfristig.

Schreibe einen Kommentar