Trotz US-Sanktionen

Russland nennt Zeitpunkt für die Fertigstellung von Nord Stream 2

Russische Abgeordnete haben einen Termin für die Fertigstellung von Nord Stream 2 genannt, wie das russische Fernsehen berichtet hat.

Trotz US-Sanktionen wird Nord Stream 2 derzeit von zwei russischen Spezialschiffen weitergebaut. In Russland wurde nun mitgeteilt, dass der Bau im Sommer abgeschlossen werden soll. Das ist nicht überraschend, denn Nord Stream 2 ist das einzige Thema, bei dem Merkel sich gegen den Willen der USA stellt. Und nach der Bundestagswahl im September wird Merkel abtreten, daher muss Russland das Projekt möglichst bis dahin abschließen.

Das russische Fernsehen hat darüber berichtet und ich habe den Artikel des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der Fertigstellungstermin des Nord Stream-2 wurde bekannt gegeben

Der Bau von Nord Stream 2, das die Gaslieferungen aus Russland in die EU verdoppelt, wird spätestens im Sommer abgeschlossen sein. Das Projekt ist zu 96 Prozent fertig: Es bleibt noch die Verlegung von Rohren in den Gewässern in der Nähe von Dänemark und Deutschland. Zuvor hatte die deutsche Regulierungsbehörde die Genehmigung zur Fertigstellung der russisch-europäischen Gaspipeline „Nord Stream-2“ in den deutschen Gewässern der Ostsee bis Ende Mai 2021 verlängert.

„Alles deutet darauf hin, dass wir alle Arbeiten spätestens im Sommer abschließen müssen“, sagte der Leiter des Energieausschusses der Staatsduma und Koordinator der Gruppe für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag, Pavel Zavalny. Das Rohrverlegungsschiff Fortuna hat den Bau Ende letzten Jahres wieder aufgenommen. Nun hat sich der zweite russische Rohrverleger „Akademik Tscherski“ dem Bau angeschlossen.

„Es besteht die Hoffnung, dass die zweite Röhre, wie auch die erste, spätestens im Juni verlegt ist, außer natürlich es mischen sich die Gerichte ausländischer Staaten ein. Solche Präzedenzfälle hat es schon gegeben“, erklärte Zavalny bei einem Treffen der Duma-Abgeordneten mit Bundestagsabgeordneten der deutsch-russischen Parlamentsgruppe.

„Wir hoffen sehr, dass alle Arbeiten bis zum Ende des Sommers abgeschlossen sein werden und es besteht die Hoffnung, dass Deutschland bis Ende des Sommers das erste Gas aus dieser Gaspipeline bekommen kann“, unterstrich er laut RIA Novosti.

Russlands Partnerländer im Nord Stream-2-Projekt seien entschlossen, es abzuschließen, sagte Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten, eine Woche zuvor am 8. April.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat heute die Möglichkeit einer Aufgabe von Nord Stream 2 wegen des neuen Sanktionsdrucks gegen Russland abgestritten. Das Projekt hat nichts mit der Politik zu tun – weder mit der erneuten Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, noch mit der Situation an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland.

Maas zufolge könnte die Beendigung des Baus die Spannungen zwischen dem Westen und Russland sogar verschärfen. „Das ist eine Diskussion, die wir schon lange führen. Die Position der Regierung war immer völlig klar“, sagte Maas im ARD-Fernsehen. „Ich bin auch äußerst skeptisch, was die Idee angeht, dass die Aussetzung des Baus zu einer Deeskalation von Seiten Moskaus führen wird – vielmehr muss man befürchten, dass das Ergebnis das Gegenteil sein wird“, meint der deutsche Außenminister.

Der erste US-Bericht über Sanktionen gegen Russland und Nord Stream-2, der im Sommer 2019 veröffentlicht wurde, hat das Projekt für mehr als ein Jahr gestoppt und ein Teil der europäischen Unternehmen, darunter Rohrverlegungsunternehmen, Versicherungen und Zertifizierungsgesellschaften, sind aus dem Projekt ausgestiegen. Daher hat die Pipeline nicht wie geplant im Dezember 2019 die Arbeit aufgenommen. Jetzt baut Russland die Gaspipeline aus eigener Kraft.

Das Projekt wurde vollständig finanziert. Betreiber des Projekts ist die Schweizer Nord Stream 2 AG, die Gazprom gehört. Die zweirohrige Pipeline von Gazprom erstreckt sich vom russischen Hafen Ust-Luga bis zum deutschen Greifswald über 1.230 Kilometer durch die Ostsee.

Im April 2017 unterzeichnete die Nord Stream 2 AG mit dem französischen Energiekonzern Engie (GDF Suez), dem österreichischen Ölkonzern OMV, der anglo-niederländischen Öl- und Gasgesellschaft Royal Dutch Shell, dem deutschen Energieunternehmen Uniper und dem größten deutschen Öl- und Gasunternehmen Wintershall einen Finanzierungsvertrag über rund 10 Milliarden Euro. Die fünf europäischen Unternehmen stellten eine langfristige Finanzierung des Projekts in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten des Projekts bzw. jeweils 10 Prozent (etwa 950 Mio. EUR) zur Verfügung.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

14 Antworten

  1. Das bekräftigt mal wieder, dass wir schnellstmöglich aus der EU und vor allem aus der NATO austreten müssen.
    Die USA erpressen uns auf immer dreistere Weise. Jeder vernüftige Mensch muss doch merken, dass etwas mit unserem politischen System nicht simmt!

    1. Aus der EU austreten? Geht’s noch? Wie sollen wir da noch was exportieren, wenn um uns herum die Zollschranken heruntergelassen werden? Vielleicht würde ein wenig Befassung mit Großbritanniens neuen Problemen zu neuen Einsichten führen.

      1. Wir sollten einfach zum EU-Vorgänger zurückkehren, die EG (Europäische Gemeinschaft) die sich vor allem auf den Aspekt der Agrar- und Industriegemeinschaft beruft. Ohne den riesigen Bürokratieapparat den wir in Brüssel haben, und ohne die strikten politisch-idelogischen Vorgaben. Ohne Gurkenkrümmungsverodnung!
        Die neoliberale Doktrin aus Brüssel hat gerade die südlichen Länder wie Griechenland, Spanien und Italien immens geschadet und deren Sozialsysteme ausgehebelt. Gleichzeitig fließen Unsummen aus Deutschland in diese Länder und verschwinden in irgendwelchen dunklen Kanälen. Da läuft auf jeden Fall etwas falsch!

        1. Die Kanäle sind gar nicht so dunkel.
          Bei der Griechenlandrettung wurden mit unserem Steuergeld keine Griechen gerettet, sondern Deutsche und Französische Banken. Die Rückzahlung seitens der Griechen wurde in die Zukunft verschoben, aber wir alle hier in Deutschland haften für den größten Teil. Die Griechen sind immernoch verschuldet und werden das niemals zurückzahlen können. Sind so 120 Milliarden insgesamt. Die Banken sind fein raus.

          Also es wurden (wie immer) die Schulden der Banken sozialisiert. Deshalb zahlen wir hier so zwischen 60-70% (alles zusammen) an Abgaben an den Staat und die Deutschen Privathaushalte sind ärmer als die Griechischen. Im Durchschnitt 60k vs 100k war die Größenordnung, wenn ich das recht erinnere. Die Griechen haben nämlich alle ein Haus, wir nicht.

          [/Klugsche*sser Modus Off]

          1. @ Diddeldu

            Klugscheißermodus? Wenn ich mir ihren letzten Satz („Die Griechen haben nämlich alle ein Haus, wir nicht.“ ansehe, dann sehe ich nichts, was „klug“ gesch.ssen wäre.

            1) Haben nicht ALLE Griechen ein Haus. Oder wer genau wohnt sonst in den ganzen wohnblocks in den Städten?
            2) Die Häuser, die „alle“ Griechen angeblich haben, würden die allermeisten Deutschen nicht haben wollen. Wegen zu niedrigem Standard und so. Weshalb ein Haus in Griechenland auch nur ein Bruchteil dessen kostet, was man für ein Haus in Deutschland hinlegen müsste.

            Mal sämtliche sonstigen Platitüden Ihres Kommentars (die deutschen Haushalte sind ärmer als die griechischen usw.) außen vor gelassen, zeigt sich schon beim eingangs zitierten Satz, dass Sie losgelöst von irgendwelchen Fakten und Quellen Behauptungen raushauen, die anscheinend eher von einem undifferentierten Bauchgefühl herrühren.

            Echte Klugscheißerei geht anders.

  2. Mein großes Kompliment an alle mutigen Unternehmen (ÖMV, Shell, Wintershall, etc.), die trotz des Sanktionsterrors aus Washington sich an dem Projekt beteiligt haben! Diese Unternehmen werden auf der Gewinnerseite stehen, wenn Eurasien die Nummer Eins ist und mit den USA aufgrund wirtschatlichen Zusammenbruchs keine Geschäfte mehr gemacht werden können!

  3. Warum zerstört der Westen Teile der bereits verlegten Rohre nicht an irgendeiner Stelle? Dies könnte man ja heimlich machen oder unter falscher Flagge laufen lassen.

    Oder werden die Teilabschnitte der Rohre gut bewacht?

    1. Die Russen haben das Bewachen ihrer Bauten mitlerweile perfektioniert. Damals beim Bau der Krim-Brücke mussten die ja ständig irgendwelche ukrainischen Boote, teils auch Schiffe, davon abhalten Sabotageakte zu betreiben.

  4. Ich gehe ja tatsächlich schon davon aus das es dann Sabotageakte und/oder „Unfälle“ geben wird.
    Ein Uboot wird gegen die Pipeline fahren, ein Sprengsatz wird explodieren…oder irgendwas in der Richtung.

    Es wäre ja nicht das erste mal das die USA eine Pipeline aus wirtschaftlichen Gründen zerstören, also einen Terroranschlag verüben.
    https://www.risidata.com/Database/Detail/cia-trojan-causes-siberian-gas-pipeline-explosion

    1. Vielleicht entdeckt man auch plötzlich irgendwelche Krebse oder Würmer, die geschützt werden müssen, weshalb man aus Umweltschutzgründen ganz dringend die Pipeline stoppen muss. Ich höre die Grün*innen schon quäken. Dann brauchen wir ganz dolle dringend das gute Fracking-Gas aus den USA, dass über den Atlantik zu uns transportiert wird.

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