Flüchtlinge

Wie in Russland über die Flüchtlingskrise an der weißrussischen Grenze berichtet wird

Am 8. November ist die Lage an der polnisch-weißrussischen Grenze eskaliert, als tausende Flüchtlinge versucht haben, die Grenze zu überschreiten. Polnische Sicherheitskräfte haben Gewalt und Tränengas eingesetzt, um die Menschen am Grenzübertritt zu hindern.

Die Eskalation an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland hat auch in Deutschland Schlagzeilen gemacht. Die deutschen Medien stecken bei dem Thema in einer Zwickmühle, denn eigentlich verurteilen sie sogenannte Push Backs, bei denen Flüchtinge gewaltsam am Grenzübertritt gehindert oder sogar gewaltsam wieder zurück über die Grenze geschickt werden. Und während die deutschen Medien Tränen wegen der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer vergießen und fordern, deren Leid zu beenden und sie in der EU aufzunehmen, gelten für Flüchtinge an der weißrussischen Grenze andere Regeln.

Das ist eigentlich unverständlich, denn auch dort sterben Flüchtlinge. Nachts sinken die Temperaturen bereits unter den Gefrierpunkt und sogar der Spiegel hat schon bestätigt, dass es mindestens zehn Todesfälle gegeben hat. Es dürften jedoch einige mehr sein.

Aber daran kann man sehr gut die „Werte“ der Mainstream-Medien erkennen: Flüchtlinge sind bedauerns- und unterstützenswert, wenn sie über das Mittelmeer oder über die Türkei kommen, nicht aber, wenn sie über Weißrussland kommen. Dann geht Geopolitik vor Menschlichkeit und weil der weißrussische Präsident Lukaschenko vom Westen nun mal zum Feindbild erklärt wurde, sind muslimische Flüchtlinge, die über Weißrussland nach Europa kommen wollen, keine bedauernswerten Migranten, sondern eine hybride Waffe Lukaschenkos und dessen Versuch, die EU zu destabilisieren. Dann kann man diese Menschen auch Lebensgefahr aussetzen, es geht schließlich um höhere Ziele.

Da die deutschen Medien ausführlich über die Eskalation an der polnisch-weißrussischen Grenze berichtet haben, habe ich einen Bericht aus den Abendnachrichten des russischen Fernsehens über die aktuellen Ereignisse übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die polnischen Sicherheitskräfte setzten Hubschrauber ein und begannen, Tränengas zu versprühen, um die Flüchtlinge zu vertreiben. Daraufhin haben die Illegalen begonnen, die Zäune niederzureißen. Zehntausend Menschen versuchen, in die EU zu gelangen, aber sie sind dort nicht willkommen.

Die Polen eilten ihnen mit einer speziellen Polizeieinheit entgegen, die die Lücken im Zaun schließen sollte, falls die Flüchtlinge ihn durchbrechen würden. Ein Hubschrauber schwebte eine Zeit lang über ihren Köpfen und die Piloten versuchten, die Menschen mit dem Luftstrom zu vertreiben. Vom Boden aus wurde dem Hubschrauber zugewunken und „Kommt, kommt“ gerufen. Als der Hubschrauber davonflog, versuchten die Migranten den Polen zu erklären, dass sie nicht nach Polen, sondern weiter weg wollten und skandierten: „Germany! Germany!“

Dann kam ein weinender Junge zu den Polizisten und versuchte, auf Englisch ihr Mitgefühl zu erregen. Später stellte sich heraus, dass dem Kind die Tränen aus den Augen liefen, weil man ihm zuvor Zigarettenrauch in die Augen geblasen hatte. Ähnliche Videos, die von Teilnehmern der einen oder anderen Seite gedreht wurden, haben auch heute wieder die sozialen Medien überschwemmt. Hier fangen polnische Grenzschützer eine Familie mit vielen Kindern ein, die es offenbar bereits geschafft hat, den Zaun zu überwinden, und drängen sie hinter den Zaun zurück.

„Nach Angaben des Grenzschutzes handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Migranten, die nach Polen wollen, um junge Männer. Unseren Informationen zufolge kommen zu diesen Gruppen von Männern jedoch auch Familien mit Kindern und häufig schwangere Frauen hinzu“, sagte Stanislav Zaryn, der Pressesprecher des Ministers und Koordinators der Spezialeinheiten.

Politiker in Europa glauben, dass Präsident Lukaschenko persönlich den Exodus der Flüchtlinge aus Weißrussland steuert. Das sei seine Rache für die europäischen Sanktionen. Und natürlich versuchen sie, ihre Kollegen in Warschau davon zu überzeugen, dass Lukaschenko nicht aus eigenem Antrieb handelt. Er handelt angeblich mit dem stillschweigenden Einverständnis Russlands, ohne dass man sich kaum vorstellen kann, ein Opfer einer hybriden Aggression eines Landes zu sein, das dringend finanzielle Unterstützung benötigt.

„Wir fordern Erklärungen von der weißrussischen Seite, wir informieren unsere EU- und NATO-Verbündeten. Nur ein gemeinsames Vorgehen kann das Lukaschenko-Regime und Putin, der es unterstützt, stoppen“, sagte der stellvertretende polnische Außenminister Piotr Wawrzyk.

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat wegen der Eskalation an der Grenze eine Auslandsreise abgesagt und sich den Sicherheitskräften getroffen. Es wurde beschlossen, den Grenzschutz und die Polizei durch Armeeeinheiten zu verstärken, und bereits am Nachmittag veröffentlichte das Verteidigungsministerium Videoaufnahmen von Soldaten, die entlang des Zauns in Stellung gingen.

„Der Druck an unserer Grenze wird immer größer. Das Lukaschenko-Regime erwartet die Ankunft von mindestens tausend weiteren Migranten. Wir müssen geeignete Schutzstrukturen aufbauen“, sagte der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki.

Bis Mitte nächsten Jahres wird Polen einen besseren Zaun als den jetzigen bauen – fünfeinhalb Meter hoch und 180 Kilometer lang. Aber egal wie gut der Zaun ist, er muss bewacht werden. Und jetzt kommt das Seltsame. Während sich in der Nähe des Kontrollpunkts Kushniza vor den Augen der ganzen Welt ein wahres Drama abspielt und in der Dunkelheit bereits Schüsse zu hören sind, betritt – wenn man diesen Bildern glauben darf – irgendwo an einem anderen Abschnitt der weißrussisch-polnischen Grenze eine Flüchtlingskolonne unter der Kontrolle von Uniformierten ungehindert das Gebiet der Europäischen Union.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

31 Antworten

  1. Ich hatte in früheren Kommentaren schon geschrieben, dass ich als Schleuser die Grenzbeamten schmieren würde. Anscheinend ist da noch einer auf die Idee gekommen.
    Aber hier haben wir auch wieder die Doppelmoral des Westens. In einer Erfolgsmeldung wird berichtet, dass ein Schiff mit fast 1000 Flüchtlingen aus dem Mittelmeer in Deutschland angekommen sind, aber 1000 Flüchtlinge aus Weißrussland sind ganz schlimm. Beide Berichte in einer Zeitung aber nicht auf der selben Seite.
    Ich weiß manchmal nicht, wie verblödet meine Mittmenschen sein müssen, dass diese die immer größeren Wiedersprüche in der Berichterstattung nicht sehen.

    1. Die Leute spüren diese Diskrepanz und Heuchelei, machen sie sich aber nicht bewusst. Sie können sie vielleicht gar nicht artikulieren. Und die Propaganda arbeitet unentwegt, lenkt ab. Die Verblödung der Menschen ist, wenn man so will, Staatsziel, denn ein verblödetes Volk lässt sich leichter lenken und leichter ausnehmen.

        1. Sie fühlen sich angesprochen, gut. Vermutlich ahnen Sie, dass Sie eine falsche Entscheidung getroffen haben. Ich kann Ihnen nicht helfen und schon gar keine Entscheidungen für Sie übernehmen. Jeder ist Kapitän seinen eigenen untergehenden Schiffes.

  2. Die Polacken stationieren 12000 Soldaten an der weißrussischen Grenze um die Flüchtlinge aufzuhalten. Aha. Und was genau wollen die da machen? Hat sich bei diesen Dummköpfen noch nicht die Erkenntnis breit gemacht, dass Flüchtlinge in aller Regel Desperados sind die nichts mehr zu verlieren haben und ALLES machen um ihr Ziel zu erreichen? Statt dass die Polacken die Flüchtlinge weiter nach Deutschland und Westeuropa leiten würden (nicht dass ich das unbedingt will, aber Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten), stellen sie ihnen 12000 Soldaten entgegen. Und an die Türkei zahlt Merkel seit Jahren Milliarden, damit die nicht ins Land kommen. Mal sehen ob die Polacken demnächst auch auf diese Idee kommen und bei Merkel nachfragen…

    1. Danke! Ganz genau meine Überlegungen, obgleich ich bei „Pollacken“ stumpfe Zähne kriege. D will ja mit paar Tausend Militärs unterstützen. Was wollen die machen? Alle erschießen? Das hat schon mal einer gefordert, der jetzt im Westen hoch im Kurs steht (Krawallny).
      Man sollte mal dahingehend überlegen: Die Aktion ist sorgfältig geplant. Die Migranten sind aus allen Ecken Afrikas per Flug angereist, mit ordentlichen Dokumenten und Transitvisum in die EU. … Und Lukaschenko soll sie also „aufhalten“?

  3. Das sind KEINE Flüchtlinge. Das sind Migranten, Sozialtouristen und Möchtegern-Einwanderer.
    Flüchtlinge sind sie BIS sie ein sicheres Land erreicht haben, dannach sind sie keine Flüchtlinge mehr.

    1. Das kann man so pauschal nicht sagen. Wenn man mir das Haus zerbomben würde, würde ich auch in eines der Länder gehen, die das zu verantworten haben, um mich von denen aushalten zu lassen. 😉

      1. Oh doch, rechtlich gesehen kann man das ganz pauschal genau so sagen.
        Es geht nicht darum ob die aus nachvollziehbaren Gründen hier sind, es geht darum das ihr Status rechtlich gesehen nicht „Flüchtling“ ist.

        1. „Es geht nicht darum ob die aus nachvollziehbaren Gründen hier sind, es geht darum das ihr Status rechtlich gesehen nicht „Flüchtling“ ist.“

          Das steht ja nicht im Kommentar. 😅

    2. Die irakischen, syrischen und afghanischen Kriegsflüchtlinge sind nach der Ausreise aus dem ersten sicheren Nachbarstaat ihres unsicheren Herkunftslandes vorrangig Versorgungssuchende bzw. Versorgungsmigranten.

  4. Mit einem Schlag muss man mit einem Gegenschlag rechnen. Luko wehrt sich mit allen Mitteln. Die Flugzeuge von BelAvia sind geliest, Arbeitsplätze waren in Gefahr. Die Frage, bei wem schmerzt es mehr?

  5. In diesen düsteren Zeiten ist das Geleit des ehemaligen Kolchosdirektors Lukaschenko, dieses so ehrlichen, aufrechten und geradeaus denkenden und redenden Mannes, ein Hoffnungsschimmer. Ich mag seinen Humor und seine Art, für die zahlreichen Destabilisierungs- und Mordversuche Danke zu sagen.

    Man sollte die kulturbereicherernden Neu-Europäer noch mit speziellen Geschenkpäckchen ausstatten, die diese dann während ihres Weges nach Germany in Warschau und Wilnius vor die Regierungsgebäude legen könnten um dort für weihnachtliche Lichtstimmung zu sorgen.

  6. Wenn Weissrussland die Flüchtlinge Push Backt wäre es auch nicht recht. Schwein bleibt Schwein.

    Bei uns überfluten bettelnde Rumänen die Stadt. Ihr Mindestlohn in der Schuh- und Kleiderindustrie, Produktionsland für Europa ist so tief, dass die ArbeiterInnen nicht leben können. Dafür scheint die EU aber nicht zuständig zu sein.

    1. „… die ArbeiterInnen …“

      Wenn ich sowas lese frage ich mich immer, ob es tatsächlich Menschen gibt, die nur an Männer denken würden, wenn man in obigem Zusammenhang „die Arbeiter“ schreibt und wenn ja, auf welcher Stufe die stehen geblieben sind. 🤔

    2. Bei den bettelnden Rumänen handelt es sich zumeist um Roma. Übrigens werden die in Weißrussland ankommenden versorgungssuchenden Kriegsflüchtlinge höchstwahrscheinlich von US-amerikanischen und/oder britischen Agenten dazu angeleitet, um Lukaschenko dazu zu nötigen diese weiter reisen zu lassen, was sodann von transatlantischen Gesinnungsmedien in den EU-Mitgliedstaaten als Einsatz der Migrationswaffe gegen die EU deklariert wird, um sich einen Anlass für den Erlass von Sanktionen gegen das Land zu verschaffen.

  7. «…. und wenn ja, auf welcher Stufe die stehen geblieben sind». Und das bedeutet, dass Arbeiter eigentlich niemand falsch verstehen kann? Stimmt, ein wenig lächerlich währe das schon.
    Vieleicht sollte ich es mir abgewöhnen, benutze solches Mann-Frau eigentlich nur, wenn es in den Satz passt, ansonsten halte ich mich zurück weil es wie oben zumeist um Mensch geht. Das ist Deine Kritik? Aber wie ist es bei Soldat oder Bauarbeiter, wenn es sich um Frauen handelt und das ja nicht umbedingt Norm ist?

  8. Was ich meine, ist, wenn Du genderst, dann scheinst Du vorauszusetzen, dass es Menschen gibt, die ohne diese Schreibweise nicht wissen würden, dass auch die Frauen damit gemeint sind. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass in solchen Zusammenhängen wie oben nicht nur Männer gemeint sein können und ich frage mich, ob es vielleicht nicht jedem klar sein könnte. Schließlich sind alle im Plural genannte Berufbezeichnungen gemischt zu denken.

    „Aber wie ist es bei Soldat oder Bauarbeiter, wenn es sich um Frauen handelt und das ja nicht umbedingt Norm ist?“

    Dabei kommt es wohl darauf an, ob es von Bedeutung ist, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. „Jeder Soldat ist zum Gehorsam verpflichtet.“ Würdest Du jetzt denken, dass Soldatinnen nicht dazu verpflichtet sind? Und wie schreibst Du über Bauarbeiter, wenn Dir gar nicht bekannt ist, ob das Frauen oder Männer sind? Die Berufsbezeichnung Bauarbeiter ist wie jede andere Berufsbezeichnung grundsätzlich geschlechtsneutral. Das generische Maskulinum hat mit dem biologischem Geschlecht nichts zu tun.

    1. Verstehe, wie wenn man «dem» anderen erklären müsste wie «er» beim Essen das Besteck halten soll. Der doofe Kerl bin ich. Weil gendern seit Jahren unsern Kopf garklopft habe ich den Käse übernommen. Autsch.

      Ich lasse das jetzt. Smile.

      1. Sowas könnte sogar missverstanden werden; Da fragt einer, wem gehören die fünf Maschinen sie stehen hier im weg. Und jemand hilft, die gehören glaube ich fünf RockerInnen, die sind da drüben in der Spelunke. Ja und dann kommen die also raus hat der jemand hat blaue Augen, weil die fünf Rocker ganze Kerle sind und keine Provokation dulden.

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