Die jemenitischen Hutis haben als Reaktion auf den israelischen Vernichtungskrieg in Gaza Handelsschiffe angegriffen. Welche Auswirkungen das haben kann, war Thema eines Beitrages des wöchentlichen Nachrichtenrückblicks des russischen Fernsehens und ich habe den russischen Beitrag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Israelische Angriffe auf Gaza bedrohen Welthandel

Präsident Putin hat mit Palästinenserpräsident Abbas telefoniert. Laut dem Pressedienst des Kremls wurde „die Bedeutung einer baldigen Beendigung des Blutvergießens und der Wiederaufnahme des politischen Prozesses zur Beilegung des Nahostkonflikts auf der allgemein anerkannten völkerrechtlichen Grundlage, die die Gründung des Staates Palästina in den Grenzen von 1967 vorsieht, betont“. Unterdessen gehen die Operation der israelischen Armee und der Raketenbeschuss des Gazastreifens weiter.

In der palästinensischen Enklave läuft eine humanitäre Katastrophe. Nach Angaben von UNICEF haben 80 Prozent der Kinder unter fünf Jahren nicht genug zu essen und das Gesundheitssystem im Gazastreifen ist völlig zerstört. Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Aufgrund der schrecklichen sanitären Bedingungen und des Mangels an Trinkwasser sind Infektionskrankheiten vorprogrammiert.

Der UN-Sicherheitsrat war jedoch aufgrund der Position der USA immer noch nicht in der Lage, eine Resolution für einen Waffenstillstand im Gazastreifen zu verabschieden. Der Konflikt eskaliert also weiter. Die jemenitischen Hutis, die von Anfang an ihre Unterstützung für die Hamas verkündet haben, haben im Roten Meer Handelsschiffe angegriffen, von denen sie glauben, dass sie mit Israel in Verbindung stehen. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben die Hutis mehr als hundert Drohnenangriffe und Angriffe mit ballistischen Raketen auf zehn Handelsschiffe durchgeführt.

Infolgedessen sind viele Reedereien gezwungen, ihre Schiffe auf einen Umweg um Südafrika zu schicken. Wie groß ist die Bedrohung für den internationalen Handel? Ein Bericht unseres Afrika-Korrespondenten.

„Willkommen in Ägypten“, steht auf einem großen Schild auf einer Seite des Suezkanals. Allerdings gibt es jeden Tag weniger Besucher also Schiffe, die diese Route nutzen. Passierten früher Tanker und Containerschiffe nacheinander den Kanal, so ist der Verkehr heute so frei, dass selbst einheimische Fischer mit ihren Paddelbooten ohne große Angst auf das Fahrwasser hinausfahren.

Seit anderthalb Jahrhunderten ist der Kanal die wichtigste Seehandelsroute zwischen Europa und Asien. Doch während noch vor einer Woche täglich bis zu 60 Handelsschiffe den Suezkanal passierten, hat sich ihre Zahl inzwischen fast halbiert.

Der Grund dafür liegt 1.500 Seemeilen entfernt, an der Südspitze des Roten Meeres. Vor einem Monat kündigten die jemenitischen Hutis an, dass sie Schiffe angreifen würden, die in der Straße von Bab El Mandeb israelische Häfen anlaufen. Und sie ließen den Worten schnell Taten folgen.

Den Anfang machte die „Galaxy Leader“, auf deren Deck ein bewaffnetes Kommando aus der Luft landete. Kämpfer der Ansar Allah beschlagnahmten das Schiff, schleppten es an die jemenitische Küste und machten es zu einer lokalen Attraktion. Jetzt werden Touristen dorthin gebracht.

Es folgten Drohnenangriffe und angeblich sogar Angriffe mit ballistischen Raketen. Insgesamt wurden mindestens zehn Handelsschiffe getroffen und die meisten davon hatten nichts mit Israel zu tun. Aber jetzt soll alles anders werden, verspricht man in Washington. Am Montag teilte das Pentagon mit, dass es im Roten Meer eine Operation mit dem Namen „Operation Guardian of Prosperity“ einleiten werde.

„Sie sind hier, um die internationalen Seewege offen zu halten und den freien Fluss des Welthandels zu gewährleisten. Sie wissen, dass 10 bis 15 Prozent des Welthandels durch das Rote Meer fließen. Es ist also für alle unsere Länder wichtig, dass dieser Handel ohne Unterbrechung oder Belästigung fließen kann“, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin zu den Soldaten.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin kündigte den Beginn der Militäroperation während eines Besuchs in Bahrain an, dem einzigen Land in der Region, das die Operation unterstützt.

Die Eskalation des Konflikts im Gaza-Streifen hat zu einer beispiellosen Konsolidierung der gesamten muslimischen Welt – sowohl der schiitischen als auch der sunnitischen – um Palästina herum geführt. Wichtige regionale Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligen sich nicht an der von Washington angekündigten Operation gegen die jemenitischen Hutis. Auch Ägypten hat sich ferngehalten – und das, obwohl Kairo durch die Einschränkung des Schiffsverkehrs im Suezkanal jeden Tag zig Millionen Dollar verliert.

Die Forderung der Hutis, das Blutvergießen im Gaza-Streifen zu beenden, wird im Nahen Osten voll und ganz geteilt. Und die jemenitische Gruppe Ansar Allah selbst bezeichnet die Bildung der Militärkoalition als einen weiteren feindlichen Schritt der USA gegen das palästinensische Volk. Aber Jemen ist nicht Gaza, warnen die Hutis. Das Land hat bereits eine allgemeine Mobilmachung angekündigt, Trainingslager eingerichtet und den NATO-Schiffen geraten, sich von den jemenitischen Küsten fernzuhalten.

„Ein amerikanischer Angriff auf unser Land wäre eine große Dummheit. Wenn sie glauben, dass wir tatenlos zusehen, dann irren sie sich. Wir werden unsere ganze Kraft auf die amerikanischen Kriegsschiffe richten, ihre Schiffe werden das Ziel unserer Drohnen und Raketen“, verspricht Abdel Malek al-Houthi, der oberste Führer der hutischen Rebellen.

Die Jemeniten haben etwas, womit sie antworten können. Die Hutis sind mit einer breiten Palette von Anti-Schiffs-Raketen bewaffnet, sowohl mit eigenen als auch mit solchen aus iranischer Produktion.

Teheran unterstützt seine Stellvertreter in der Region großzügig mit Waffen und Geld. Mit ihren Spekulationen über den möglichen Umfang der Operation legt die Nachrichtenagentur Bloomberg – bewusst oder unbewusst – alle amerikanischen Karten auf den Tisch: „Sollte das keine beruhigende Wirkung auf die Aktivitäten der Hutis haben, wäre es durchaus angebracht, den Sponsor – den Iran – anzugreifen, insbesondere seine maritime Infrastruktur im nördlichen Indischen Ozean und im Persischen Golf.“

Die Nachricht von der Bildung der Anti-Huti-Koalition hat sich bisher nicht auf die Entscheidung der Reedereien ausgewirkt, die potenziell gefährliche Route durch das Rote Meer zu meiden. Große Unternehmen scheinen von den wenigen Fällen, in denen es Huti-Drohnen gelungen ist, Ziele zu treffen, mehr beeindruckt zu sein als von der Anwesenheit eines NATO-Geschwaders in der Region.

Der britische Öl- und Gasriese BP hat erklärt, dass seine Tanker vorerst nicht ins Rote Meer fahren werden. Und die vier Transportunternehmen, auf die mehr als die Hälfte der weltweiten Containerschifffahrt entfällt, empfahlen ihren Schiffen, eine längere, aber sicherere Route zu wählen: den afrikanischen Kontinent von Süden her zu umrunden und, wie in der Ära der großen geografischen Entdeckungen, am Kap der Guten Hoffnung vorbeizufahren. Das verlängert die Lieferzeit um fast zwei Wochen und wirkt sich bereits jetzt auf die Kosten der transportierten Güter aus – vor allem auf die Energiekosten.

„Die Gaspreise in Europa sind bereits um zwölf Prozent gestiegen, vor allem in Großbritannien, und der Ölpreis ist um vier Prozent auf etwa 77 Dollar pro Barrel gestiegen, nachdem er erst letzte Woche auf ein Fünfmonatstief gefallen war“, so Ahmed Helal, Analyst für wirtschaftliche und politische Risiken.

Die jemenitische Gruppe Ansar Allah erklärte unterdessen, sie werde nun alle zwölf Stunden ein neues Ziel angreifen. Nicht nur Schiffe, die nach Israel fahren, werden angegriffen, sondern auch Schiffe aus Ländern, die die US-Operation unterstützt haben, unabhängig von ihrem Zielort.

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