Kleinigkeiten mit großer Wirkung: Wie der Spiegel bei jeder Gelegenheit schlecht über China berichtet

China ist böse und unfrei, das lernen wir in unseren Medien. Der Spiegel hat seinen Lesern jetzt ein weiteres Mal gezeigt, wie böse China ist. Dabei ist das neue chinesische Gesetz, über das der Spiegel berichtet, viel liberaler, als sein deutsches Gegenstück.

Artikel wie diesen schreibe ich gerne zum Ende der Woche: Es handelt sich um leichte Kost, etwas Humor ist dabei und trotzdem zeigt das Beispiel einmal mehr auf, wie wir von den Medien in die gewünschte Richtung manipuliert werden sollen. Ein schönes Thema für den Freitagabend.

Der Spiegel hat unter der Überschrift „Neues Gesetz – China verpflichtet scheidungswillige Paare zu Bedenkzeit“ einen Artikel veröffentlicht, der so beginnt:

„In China hat ein neues Gesetz mit verschärften Vorschriften für Scheidungen Empörung ausgelöst. Paare müssen künftig einen Monat warten, bis ihr Antrag auf Scheidung bearbeitet werden kann.
„Wir können uns nicht einmal frei scheiden lassen“, kritisierte ein Nutzer in einem Beitrag auf der chinesischen Internetplattform Weibo. „Es gibt immer noch eine Menge Leute, die impulsiv heiraten – dann sollen sie auch eine Bedenkzeit für Hochzeiten vorschreiben.“
Zahlreiche weitere Menschen äußerten auf der Plattform Kritik an dem neuen Gesetz. Die Beiträge wurden bislang mehr als 25 Millionen Mal aufgerufen.“

Es geht um China, der Spiegel kann von der Empörung der Chinesen über ein neues Gesetz der bösen chinesischen Regierung berichten und dass ganz viele Leute die Beiträge in sozialen Netzwerken lesen: 25 Millionen ist ja sehr viel. Der Spiegel hat also seine Aufgabe erfüllt und mal wieder was negatives über China geschrieben, damit die Leser nicht vergessen, wer der Bösewicht ist.

Allerdings hat China 1,5 Milliarden Einwohner, 25 Millionen sind also weniger als zwei Prozent der Chinesen. Zum Vergleich: Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und wenn in Deutschland zwei Prozent etwas in sozialen Netzwerken lesen, sind das 1,6 Millionen. Das ist zwar viel, aber ich kenne alternative Medien, die monatlich mehr Zugriffe auf ihre kritischen Berichte über die deutsche Regierung haben. Die sind dem Spiegel allerdings keinen Artikel wert.

Aber das nur nebenbei.

Die Chinesen beschweren sich also, dass sie nun einen Monat warten müssen, bis sie eine Scheidung bearbeitet wird. Da würde ich sagen: „Kommt doch mal nach Deutschland!“

In Deutschland muss man darauf ein Jahr warten, das nennt sich im deutschen Recht „Trennungsjahr“ und das muss beim Antrag auf Scheidung nachgewiesen werden.

Ich lebe in Russland und betreibe meine Seite unter anderem deshalb, weil ich sehe, wie unwahr in Deutschland über Russland berichtet wird. Da gibt es eine Menge richtig zu stellen und das sehe ich als einen Teil meiner Arbeit an. Nicht um russische Propaganda zu betreiben, sondern als Beitrag zur Völkerverständigung.

Wenn ich mit Menschen spreche, die China gut kennen, scheint es da das gleiche zu sein: Die Berichterstattung in Deutschland hat nichts mit den Realitäten in China zu tun. Dazu gab es übrigens gerade ein sehr interessantes Interview bei Ken-FM mit einem China-Kenner.

Im Gespräch: Wolfram Elsner (“Keine Angst vor China: Wie die neue Nummer Eins die Welt verändert”)

Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen Buches lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2019 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „Kleinigkeiten mit großer Wirkung: Wie der Spiegel bei jeder Gelegenheit schlecht über China berichtet“

  1. Es ist eine anhaltende westliche Kampagne gegen China die unter Obama („Pivot to Asia“, o. s. ä) begann und seit zwei Jahren zusehends eskaliert. Im globalen Schema ist der Spiegel nur ein kleines Spieglein, wenngleich so mies wie immer.

    Für unsere imperiale Vormacht wird es immer wichtiger China Einhalt zu gebieten, weil sie sonst kollabiert. Das wird sie zwar sowieso zwangsläufig, alleine schon aus zusehender Verdeppung heraus, aber man möchte das verständlicherweise gerne noch ein wenig aufschieben.

    Die Gefahr für Amerika ist primär, dass wenn China noch mehr Welthandelsanteile übernimmt, dann kann sich er Dollar nicht mehr als Leitwährung halten und verfällt im Wert. Das ist die Gefahr, nicht dass China die US -Schuldscheine auf den Markt wirft. (Hinweis: vergleiche Chinas Wachstum in den letzten 20 Jahren und einbeziehe dass die nunmehr auch in der Innovation führend werden – oder schon sind)

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