Kriegsverbrechen im Irak: Großbritannien will alle Verfahren gegen britische Soldaten einstellen

Dass die „Koalition der Willigen“ bei ihrem völkerrechtswidrigen Angriff auf den Irak Kriegsverbrechen begangen hat, ist bekannt. Interessant ist, wie diese auch heute noch von deutschen Medien verschwiegen werden, obwohl es dazu Neuigkeiten gibt.

Natürlich betreibt Russland nur Propaganda, das lernen wir jeden Tag in den „Qualitätsmedien“. Aber ich finde es bemerkenswert, dass ich die interessantesten Meldungen immer aus russischen Quellen erfahre und wenn ich dann überprüfe, ob die russischen Behauptungen wahr sind, dann erweisen sie sich als wahr. Erst Anfang April hat das russische Außenministerium beklagt, dass in den Niederlanden ein Kriegsverbrechen vertuscht werden soll. Die niederländische Armee hat 2015 im Irak eine Ortschaft bombardiert und mindestens 70 unschuldige Zivilisten ermordet. Alles, was das russische Außenministerium darüber gesagt hat, ist wahr und man kann es in niederländischen Medien und offiziellen Verlautbarungen der Regierung auch nachlesen.

Nun wieder das gleiche, dieses Mal geht es um Großbritannien. Meldungen über Kriegsverbrechen der britischen Armee im Irak sind nichts neues, der Internationale Strafgerichtshof zählt mindestens 61 Fälle auf, in denen britische Soldaten Iraker gefoltert, vergewaltigt und noch einiges mehr mit ihnen getan haben. Auch in britischen Medien konnte man darüber einiges lesen.

Aber eben nicht in den deutschen „Qualitätsmedien“.

Nun hat die britische Militärstaatsanwaltschaft angekündigt, demnächst alle Verfahren gegen britische Soldaten wegen Verbrechen im Irak einzustellen. Da auch darüber in Deutschland nicht berichtet wurde, übersetze ich die offizielle Erklärung des russischen Außenministeriums dazu.

Beginn der Übersetzung:

Uns ist die jüngste Erklärung des Chef-Militärstaatsanwalts Großbritanniens über die Absicht der britischen Behörden aufgefallen, „innerhalb der nächsten Wochen“ die Ermittlungen gegen britische Soldaten wegen möglicher Verbrechen einzustellen, die während der Jahre des Militäreinsatzes im Irak begangen wurden.

Die Erklärung eines so hochrangigen Beamten zeigt einmal mehr deutlich den Wunsch Londons, die zahlreichen Fakten über unwürdiges Verhaltens britischer Soldaten im Irak zu verschleiern. Übrigens sprechen wir von 3.500 Fällen, die alle auf dem Tisch liegen. Das sind die beschämendsten Seiten der königlichen Streitkräfte, die für immer in die Geschichte dieses Staates eingeschrieben sind.

Dies geschieht gleichzeitig mit dem Aufruf des „großen Bruders“ in Washington, eine globale Untersuchung, vor allem gegen die WHO und China, also gegen eine internationale Organisation und einen souveränen Staat, wegen der Pandemie einzuleiten. Warum also beschließt das Vereinigte Königreich, das in vielen Fragen immer auf US-Kurs war, innerhalb weniger Wochen, nicht etwa eine spekulative Untersuchung, sondern eine konkrete Untersuchung der Fälle, in denen Menschen gestorben sind, zu beenden? Es gibt zahlreiche Fakten. Das ist eine seltsame Tendenz.

Dieses Verhalten Londons erfordert eine scharfe Verurteilung durch die globale Menschenrechtsgemeinschaft. Selbstverständlich werden wir den Fortgang der Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen durch das britische Militär weiterhin beobachten. Hier geht es nicht um „Highly Likely“, es geht um Fakten. (Anm. d. Übers.: „Highly-Likely“ ist in Russland ein geflügeltes Wort geworden. Alle Vorwürfe der letzten Jahre gegen Russland lauteten: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ war es Russland. Auf Englisch ist das „Highly-Likely“. Ob Skripal, russische Wahleinmischungen oder Hackerangriffe, immer hieß es auf Englisch „Highly-Likely“)

Es ist nicht klar, warum diese Untersuchungen eingestellt werden sollen. Ich verstehe, dass dies kein Thema ist, dass man nach Art des Boulevard vermarkten kann, wie viele andere Themen im Vereinigten Königreich in den letzten Jahren, aber es geht immer noch um Menschenleben, die vom britischen Militär genommen wurden, und um eine große Anzahl anderer unansehnlicher Fakten, die man eifrig versucht, vor der öffentlichen Meinung zu verstecken. Zumindest versucht man, eine umfassende und vollständige Untersuchung zu verhindern. Das Gegenteil ist wichtig: man muss die westliche Koalition daran hindern, die im Irak begangenen Verbrechen zu verschweigen und man muss die Verantwortlichen vor Gericht stellen.

Stattdessen hören wir Lektionen über die Notwendigkeit, die Ursachen der Pandemie zu untersuchen, es werden Staaten beschuldigt, konkrete Namen werden genannt – all dies geschieht aus politischen Gründen. Die Ereignisse im Irak haben sich vor so vielen Jahren ereignet. Es gibt reichlich Material, viele Menschen sind gestorben, auch unter den Zivilisten des souveränen Staates. Ist es nicht an der Zeit, dass jemand aus westlichen Koalition die Verantwortung übernimmt?

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Kriegsverbrechen im Irak: Großbritannien will alle Verfahren gegen britische Soldaten einstellen“

  1. So traurig es auch sein mag, für den Werte-Westen sind es wahrscheinlich doch nur Eseltreiber, die auch noch auf unserem Erdöl sitzen. Das darüber bei uns nicht berichtet wird, hat doch nur den Grund das die Zustimmung des grössten Teils der Bevölkerung aufrecht erhalten bleibt.
    Wo kämen wir auch hin, wenn der Obrigkeitshörige Deutsche anfangen würde aufzumucken?
    Meine Werte sind es nicht, aber wen interessiert es schon, was einzelne Denken?
    Man hat keine Chance…

    1. Richtig.

      Aber das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für Leser der „Qualitätsmedien“.

      In den Kommentarspalten des Spiegel ist seit der Aktion der New York Times, 1000 Opfernamen der „Corona-Pandemie“ namentlich zu erwähnen, ein abartiger Vergleich Mode geworden – der der inzwischen über 100.000 Toten der Pandemie in den USA mit dem Vietnamkrieg. Die Botschaft: Im Vietnamkrieg, dem US-Trauma schlechthin, sind weniger gestorben als an dem Virus. Da stutzt der informierte Bürger natürlich erst mal. Aber dann wird klar: Gemeint sind US-Soldaten! Das waren wohl etwa 60.000. Die über eine Million ermordeter Vietnamesen kommen in der Rechnung nicht vor. Ebensowenig, daß jene 60.000 an deren Ermordung beteiligt waren, wenn auch sicher oft unfreiwillig (Wehrpflicht), weswegen natürlich auch sie zu den Opfern zu zählen sind.

      Und noch etwas ist an dem Vergleich interessant: WELCHER Europäer kommt eigentlich auf sowas? Eigentlich keiner, der bei klarem Verstand ist, oder? Also entpuppt sich diese Nummer schon wieder mal als 1:1 aus US-Medien und Propagandakanälen (wohl der „Demokraten“) kopiert…

  2. Aus RT:DE:

    „Kriegsverbrechen oder Kollateralschaden: Über 70 Kinder bei zehn US-geführten Luftangriffen getötet
    Washington will offenbar mit allen Mitteln verhindern, dass der Internationale Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan auch gegen US-Militärs ermittelt. Dabei zeigt ein aktueller Bericht erneut, dass die zivilen Opfer wohl auch rechtlich relevant sind. …

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