Wie in Russland über die Demonstration in Berlin berichtet wurde

Am Mittwoch hat die Polizei in Berlin eine bis dahin friedliche Demonstration gegen das Infektionsschutzgesetz mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst. Während die deutschen Medien eine wahre Propaganda-Welle zur Unterstützung dieser Maßnahmen angestoßen haben, wurde in Russland so berichtet, wie man es sich wünscht: Objektiv und sachlich.

Ich habe gestern bereits darüber berichtet, wie absurd und propagandistisch der Spiegel über die Ereignisse in Berlin berichtet hat. Während der Spiegel bei Demonstrationen in Minsk schon bereit stehende – aber nicht eingesetzte – Wasserwerfer als Drohung gegen Demonstranten bezeichnet, redet er den Einsatz von Wasserwerfern in Berlin schön, indem er vom Besprühen der Demonstranten fabuliert.

Heute, einen Tag später, zähle ich auf der Startseite des Spiegel eine gute Hand voll Artikel, die alle nur eine Aufgabe haben, nämlich die Demonstranten als Spinner, Antisemiten und was nicht noch alles zu verunglimpfen und ein Gesetz zu verteidigen, das eine Einschränkung der Grundrechte festschreibt, wie wir sie seit 1933 in Deutschland nicht mehr erlebt haben. Aber da der Spiegel sich bereits vor einigen Tagen mit der Forderung nach der Abschaffung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit zu Wort gemeldet hat, darf einen das heutige Propaganda-Feuerwerk im Spiegel für die weitreichende Einschränkung der Grundrechte nicht wundern.

Von einer offenen und von Respekt geprägten Diskussion, die man in einer Demokratie erwarten sollte, kann in Deutschland derzeit keine Rede sein. Und das liegt nicht an den Demonstranten, sondern daran, dass sie von Politik und Medien von Anfang an als Spinner, Verschwörungsideologen, Rechtsextreme, Antisemiten und Demokratiefeinde verunglimpft wurden. Wer von Beginn an die Stimmung durch solche Anfeindungen vergiftet, darf sich nicht wundern, wenn die Demonstranten reagieren und auf Presse und Regierung schimpfen.

In dieser aufgeheizten Stimmung ist es interessant, wie außerhalb der westlichen Medienblase über die Ereignisse in Berlin berichtet wird. In Russland hat die Regierung gerade in einer öffentlich übertragenen Sitzung die Probleme mit Corona im Land besprochen, die Probleme offen beim Namen genannt und nach Lösungen gesucht. In manchen russischen Regionen stoßen die Krankenhäuser an die Belastungsgrenze und viele anti-virale Medikamente sind in Apotheken nicht mehr verfügbar. Die Sitzung war hochinteressant, da sie aber anderthalb Stunden gedauert hat, kann ich sie leider nicht übersetzen.

Von einer eventuellen Verharmlosung der Gefahr durch Corona ist man in Russland also weit entfernt. Trotzdem hat das russische Fernsehen objektiv über die Ereignisse in Berlin berichtet und das deutsche Gesetz nicht als Argument angeführt, härtere Einschränkungen in Russland zu fordern. In Russland gelten – im Vergleich zu Deutschland – recht moderate Einschränkungen.

Damit Sie sich ein Bild davon machen können, wie außerhalb der westlichen Medienmacht über die Ereignisse in Berlin berichtet wurde, habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens aus den gestrigen Abendnachrichten übersetzt. Die Bilder des russischen Fernsehens aus Berlin sind interessant und zusammen mit meiner Übersetzung auch ohne Russischkenntnisse verständlich. Im Anschluss an den Bericht aus Berlin wurde in dem Beitrag auch noch kurz über die Situation in anderen europäischen Ländern berichtet.

Beginn der Übersetzung:

In Berlin wurde vor wenigen Stunden eine Massendemonstration von Quarantänegegnern in der Nähe des Bundestages mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst.

Die deutsche Polizei hat in Berlin Wasserwerfer gegen eine Menge Tausender Quarantänegegner eingesetzt. Pfefferspray wurde direkt in nicht durch Masken geschützte Gesichter gesprüht.

Diejenigen, die sich den Anweisungen widersetzten, wurden verhaftet. Drei bis vier Polizisten stürzten sich jeweils auf einen Demonstranten und drückten ihn zu Boden. Es gibt Verletzte unter den Demonstranten und bei der Polizei.

Nach letzten Angaben wurden fast 200 Personen in Gewahrsam genommen. Um die Proteste zu stoppen, setzte die Polizei auch Diensthunde gegen die Demonstranten ein.

Aber weder die entschiedenen Maßnahmen der Polizei, noch die Aufrufe zur Auflösung der Demonstration konnten die Menschen, die gegen Änderungen des Infektionsschutzgesetz protestiert haben, dazu bewegen, zu gehen.

Die Abgeordneten sind heute zusammengekommen, um die Bedingungen zu beschließen und eindeutig festzulegen, die bei Ausbrüchen des Coronavirus in Kraft treten. Es geht die Schließung von Restaurants, Fitnessclubs, Konzertsälen und Reiseverbote im ganzen Land.

Kritiker des Gesetzes argumentieren, dass dadurch die Befugnisse des Gesundheitsministeriums stark erweitert werden und die Freiheit der Bürger einschränkt wird.

Die Debatte im Bundestag war nicht weniger hitzig als die Situation auf der Straße. Vertreter der Oppositionsparteien warfen Angela Merkel, die an der Sitzung teilnahm, und der gesamten Bundesregierung Untätigkeit vor.

„Vertrauen ist eine der wichtigsten Grundlagen der Gesellschaft. Ein Teil der Gesellschaft vertraut der Regierung nicht mehr. Und wir sehen, dass die Regierung und die regierungsnahen Medien beginnen, diese Menschen zu kritisieren und zu verurteilen, anstatt das Gespräch mit ihnen zu suchen. Und deshalb wächst das Misstrauen immer weiter. Misstrauen erfasst die Menschen. Das sieht man auf den Straßen in vielen Städten und heute neben dem Bundestag!“, sagte Alexander Gauland, stellvertretender Vorsitzender der Partei Alternative für Deutschland.

„Ich möchte klar stellen, dass die Regierung den ganzen Sommer geschlafen hat! Sie hatten Zeit, einen Aktionsplan zu erstellen, aber Sie haben das nicht getan! Und der Bundestag, Frau Bundeskanzlerin, ist die zentrale Kraft im Land, um Lösungen zu finden!“, sagte Jan Korte, ein Vertreter der Linkspartei.

Am Ende wurden die skandalösen Gesetzesänderungen von der Mehrheit der Abgeordneten angenommen.

Die Demonstranten drohen als Reaktion mit neuen Aktionen.

Ärzte im italienischen Lazio versuchten im strömenden Regen die Aufmerksamkeit der Behörden zu wecken. In der Region haben sich etwa zweitausend ihrer Kollegen mit Covid infiziert und können nicht arbeiten, aber niemand hat für Ersatz gesorgt.

In Turin wurden Menschen, die nicht an die Gefährlichkeit des Virus glauben, ohne Masken demonstriert haben und sich als Vertreter einer UN-nahen Organisation ausgegeben haben, von der Polizei zerstreut.

Während die einen nicht an das Virus glauben, versuchen andere mit letzten Kräften, Kranken zu helfen und führen selbst nach harten Schichten im Krankenhaus noch kostenlose Tests für die Armen in einer Kirche in Neapel durch.

„Wir sind müde, aber gleichzeitig haben wir viel Kraft, wir wollen das Virus besiegen“, sagt diese Ärztin.

Doch für ein älteres Ehepaar aus Mailand, das 63 Jahre verheiratet war, kam die Hilfe zu spät. Ihnen wurden Antibiotika verschrieben und man ließ sie zu Hause und als sie 10 Tage später ins Krankenhaus gebracht wurden, starben beide Rentner innerhalb von einer Stunde an Covid.

In Dänemark ist der Landwirtschaftsminister wegen der Entscheidung seiner Behörde, alle Nerze im Land zu schlachten, zurückgetreten. Bei den Tieren wurde ein stark mutiertes Virus gefunden, aber es stellte sich heraus, dass die Gesetze es nicht erlauben, eine ganze Industrie zu beerdigen, dennoch wurde die Anweisung zur Vernichtung von etwa 17 Millionen Tieren erlassen.

„Offensichtlich hat mein Ministerium Fehler gemacht, als die Entscheidung getroffen wurde. Ich übernehme die volle Verantwortung“, sagte Dänemarks Landwirtschaftsminister Mogens Jensen.

Einer der größten Ausbrüche der Krankheit findet in der Schweiz statt.

Während Journalisten darüber streiten, wie man unter den Bedingungen der Beschränkungen Fondue essen sollte, mit Angelruten oder zwei Gabeln und zwei Messer gleichzeitig, berichtet die Weltgesundheitsorganisation mit Sitz in Genf, dass innerhalb der Organisation 65 Personen identifiziert wurden.

„Das ist ein sehr gefährlicher Virus, der jedes System des Körpers angreifen kann. Länder, die die freie Ausbreitung des Virus zulassen, spielen mit dem Feuer“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesu, der Chef der Weltgesundheitsorganisation.

Das ist ein Seitenhieb auf Schweden, das auf Herdenimmunität gesetzt hat, nun aber zu immer neuen Einschränkungen gezwungen ist.

In Spanien verbessert sich die Lage. In Belgien wartet man auf den Impfstoff und es wird versprochen, ihn kostenlos zur Verfügung zu stellen, aber ohne eine Impfpflicht.

Noch ist es zu früh, um über eine Lockerung der Maßnahmen zu sprechen. Trotz der Tatsache, dass sich die Lage stabilisiert hat und zum ersten Mal in den letzten Wochen alle Indikatoren gesunken sind, beschlossen die Belgier, die Ausgangssperre in Wallonien und Brüssel um einen weiteren Monat zu verlängern.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Gedanken zu „Wie in Russland über die Demonstration in Berlin berichtet wurde“

  1. „dennoch wurde die Anweisung zur Vernichtung von etwa 17 Millionen Tieren erlassen. “

    Sind die Russen also auch so Tierfeindlich das sie Tiere vor dem Gesetz als Produkte und nicht als Lebewesen einordnen? Oder ist das die übernommene Sprechweise in Dänemark?

    1. Ein Tier ist ein Sache, auch im deutschen Recht, sonst dürftest Du weder Steak noch Wurst essen. Daß wir auch einen Regenwurm als Lebewesen charakterisieren, ist richtig, aber wir treten ihn trotzdem tot.
      Und beim im Krankenhaus muß Du bekanntlich vor der OP unterschreiben, sonst ist das – außer im Notfall – Körperverletzung! Aber Medizinjuristen vor…

  2. Thomas, Du hast da etwas nicht verstanden.

    Die Demonstranten wurden, weil es so heiß war, mit kühlem Wasser beregnet, während sie schon auf dem Nachhauseweg waren. Hitzschlag und so …
    Die Berliner Polizei, Dein Freund und Helfer… 🙂

    Was mich die ganze Zeit umtreibt, ist die Frage, wieso die Menschen den Staubschutz tragen…
    Es gibt über 7 Milliarden Gläubige auf diesem Planeten.
    Haben die alle kein Vertrauen in den, den sie anbeten?
    Selbst die Moslems, die sich nicht zu schade sind, sich und andere in die Luft zu sprengen, weil sie denken, Allah will das so, haben kein Vertrauen in ihn.

    Schon lustig, wenn man mal darüber nachdenkt. Also ich lache mich darüber jeden Tag schief. Blasphemie wohin man schaut. Wieso haben die soviel Angst vorm Tod? Es wartet doch das Paradies auf alle.

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