Biden-Propaganda im Spiegel: Die Grenze der Lächerlichkeit überschritten

Dass die „Qualitätsmedien“ mit aller Macht für Biden und gegen Trump geschrieben haben, ist nicht neu. Aber anhand aktueller Beispiele aus dem Spiegel lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Stilmittel, die man nur noch als plump bezeichnen kann.

In meinem ersten Spieglein-Propaganda-Jahrbuch (von dem in diesen Tagen die 2020er Version in den Handel kommt) habe ich über die Propaganda-Instrumente, die die Medien nutzen, im Vorwort folgendes geschrieben:

„Ein weiteres wichtiges Mittel der modernen Propaganda sind Adjektive. Ein Beispiel: „Präsident Obama hörte aufmerksam und interessiert zu“ klingt viel schöner, als „Präsident Trump blickte währenddessen grimmig drein“. Mit solchen wertenden Formulierungen werden Assoziationen geschaffen und ob wir wollen oder nicht: Für die meisten klingt „Obama“ sehr positiv, während das Wort „Trump“ negativ klingt. Das liegt an der andauernden Berieselung mit den jeweiligen Adjektiven.
Egal, wie kritisch wir sind oder für wie kritisch und wachsam wir uns auch halten, diese Dinge laufen unterbewusst ab und beeinflussen jeden von uns.“

Wenn schütteres Haar „drollig“ wird

Im Falle von Joe Biden wird dieses Mittel der unterbewussten Beeinflussung bis zur Absurdität getrieben. In normalen Zeiten würde man so einen Bericht über die Amtseinführung eines US-Präsidenten für Satire halten:

„Nach seinem Eid auf die Familienbibel um 17.49 Uhr hält der Mann des Tages seine erste Rede. Sie wird ihrer eigenen Wichtigkeit gerecht. Feierlich, entschlossen, nachdenklich. Mehr noch entzückt, wie das dünne weiße Haupthaar von Joseph Robinette Biden, 46. Präsident der Vereinigten Staaten, sich im Wind immer wieder drollig verzwirbelt. Es gibt eben Dinge, denen selbst das strengste Protokoll nichts anhaben kann.“

Sein Haar „verzwirbelt sich immer wieder drollig.“ Ich habe dabei spontan an „die Frisur sitzt – 3-Wetter-Taft“ denken müssen. Das war aber keine Satire, die Passage ist aus einem der vielen Spiegel-Artikel über die Amtseinführung von Joe Biden.

Wo der Spiegel früher noch mit mehr oder weniger dezent eingestreuten Adjektiven gearbeitet hat, die dem Leser dezent und unmerklich zeigen sollten, was er zu denken hat, kommt nun der Holzhammer zum Einsatz: Trump der Teufel, Biden der Heilsbringer. Trumps Frisur war immer wieder Thema von Spott im Spiegel, das schüttere Haar des greisen und dementen Joe Biden hingegen „verzwirbelt sich drollig“ – man lernt eben nie aus.

Auch die Überschrift des Artikels zeigt, wie die Menschen beeinflusst werden sollen. Sie lautete „Joe Bidens Amtseinführung im TV- Überschreibung einer schlechten Erinnerung

Überhaupt verbreitet der Spiegel in dem Artikel einen Eindruck von Leichtigkeit, alles soll ganz sympathisch klingen:

„Das kumpelige Abboxen der Würdenträger, das Zeigen auf Leute, die man erkennt: »Hey, du auch hier?«. Wie der Mundschutz sich ein- und ausfaltet im Rhythmus des Atems, dazu ein neues Spiel: Ist das Mitch McConnell? Schläft Bill Clinton? Hat eigentlich Bernie Sanders wirklich so schlechte Laune?“

Alles ist kumpelig und verspielt. Aber ist das politische Berichterstattung?

Trump bezahlte Übernachtungen für Ordnungskräfte aus eigener Tasche

Ganz am Rande sei ein interessantes Detail erwähnt: Während sich die pro-Biden-Medien mit unwahren Behauptungen darüber überschlagen, dass Trump am 6. Januar einen regelrechten Putsch geplant habe und das Ereignis für massive Propaganda nutzen, verschweigen sie den deutschen Lesern etwas anderes.

Nach den Vorfällen vom 6. Januar wurde Washington zu einer Festung ausgebaut. Mindestens 15.000 Soldaten und Spezialeinheiten haben die Stadt bewacht, das sind weit mehr Soldaten, als die USA in Afghanistan und dem Irak zusammen stationiert haben. Niemand hatte sich aber anscheinend Gedanken darüber gemacht, wo all die Soldaten schlafen sollten. Bilder aus dem Kapitol machten die Runde, auf denen zu sehen war, wie die Soldaten auf den kalten Mamorböden versucht haben, ein bisschen Schlaf zu bekommen.

Geholfen hat den Soldaten schließlich ausgerechnet der Mann, der laut den pro-Biden-Medien versucht haben soll, zu putschen und damit gegen diese Präsenz der Soldaten sein müsste: Donald Trump. Das russische Fernsehen berichtete unter Berufung auf regionale Medien, dass Trump kurzerhand sein Washingtoner Luxushotel kostenlos für die Ordnungskräfte geöffnet hat und zeigte Bilder von den Soldaten in dem Hotel.

Aber das nur am Rande, in Deutschland werden Sie davon nichts hören, denn es stört das Bild, das die Medien von Trump zeichnen wollen.

Anti-Spiegel-Leser wissen es: Ich bin kein Trump-Fan, seine Außenpolitik fand ich in den meisten Punkten katastrophal, aber immerhin hat er als erster US-Präsident der letzten hundert Jahre keinen neuen Krieg angefangen. Ob Biden Trumps Tradition treu bleibt, muss man abwarten, aber ich bin fast bereit zu wetten, dass es unter Biden neue „Militäreinsätze“, also Kriege, der USA geben wird.

Der Greis und die Flitterwochen

Ein weiterer Spiegel-Artikel, der uns klar machen soll, wie sympathisch Biden ist, trug die Überschrift „Die Bidens im Weißen Haus – »Das sind die Flitterwochen, wo sich alles neu anfühlt«“ und dort konnte man zu Beispiel lesen, dass im Weißen Haus nun alles besser geworden ist als vorher:

„Enkel lümmeln im Filmraum, Hunde vor dem Kamin: Mit dem Einzug der Biden-Familie hat sich die Atmosphäre im Weißen Haus verändert.“

CNN, der Haussender von Biden, Clinton und Co., durfte eine Art Homestory aus dem Weißen Haus senden und wir konnten weltbewegend wichtige Dinge erfahren. Zum Beispiel berichtete der Spiegel über den CNN-Bericht:

„»Der Wohnbereich ist wieder mit Leben gefüllt«, zitiert der Sender eine namentlich nicht genannte Quelle im Weißen Haus: »Das sind die Flitterwochen, wo sich alles neu anfühlt.«
Als Beispiel nennt CNN Filmabende im Kinoraum, wo sich vor allem Joe Bidens ältere Enkelkinder von den Köchen des Hauses mit Snacks versorgen lassen. Am Sonntag zogen zudem zwei weitere prominente Familienmitglieder in das Weiße Haus ein: die Hunde Champ und Major.“

Nein, das ist nicht aus der „Bunten“, das war im Spiegel und raten Sie mal, in welchem Ressort. Richtig: Im Ressort „Politik“. Vielleicht verstehe nur ich hier irgendetwas nicht, aber was haben Berichte über sich herum lümmelnde Kinder und Hunde in Ressort „Politik“ verloren?

Wenn es um Trumps Enkel gegangen wäre, hätten wir im Spiegel etwas von der Dekadenz der Trump-Familie gelesen, deren Enkel die Angestellten des Weißen Hauses terrorisieren, herumkommandieren und sich von denen bedienen lassen. Es ist der gleiche Vorgang, aber die Formulierung entscheidet, ob man das als sympathisch oder als unsympathisch empfindet. Das ist per se Propaganda.

Dem Spiegel war in diesen Tagen wirklich nichts zu blöd oder zu primitiv, um seinen Lesern einzubläuen, dass unter dem Messias Biden nun alles besser wird.

Für den Spiegel sind lustige Katzenvideos Politik

Unter der Überschrift „»First Dogs« im Weißen Haus – Jill Biden hätte gern noch eine Katze“ hat der Spiegel auch noch ein Video veröffentlicht, dessen einziges Thema die Hunde von Joe Biden und ihr Umzug ins Weiße Haus war. Und natürlich die Aussage von Frau Biden, dass sie auch noch eine Katze haben möchte.

Und auch diese Nicht-Meldungen aus der Sparte „Regenbogenpresse“ sind im Spiegel im Ressort „Politik“ erschienen. Was hat das mit der (internationalen) Politik zu tun? Und mehr noch: Wen interessiert das?

Diese Auswahl an Spiegel-Artikeln dieser Tage zeigt nur eins: Um Politik geht es nicht, es geht um Propaganda für Joe Biden. Es wird nichts ausgelassen, was den greisen Mann positiv darstellen und Sympathien für ihn wecken soll. Und das wird so plump gemacht, dass man darüber lachen möchte.

Aber das ist nicht lustig, denn es gibt immer noch Leute, die sich von diesem ehemaligen Nachrichtenmagazin informieren lassen und es vehement bestreiten würden, dass der Spiegel nicht (mehr) für Journalismus steht, sondern für mal mehr, mal weniger primitiv gemachte Propaganda.


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Antworten

  1. Wenn ich ab und an noch westliche Nachrichten lese, höre ich auf, wenn nur noch solcher Sülz kommt wie:
    „Nach seinem Eid auf die Familienbibel um 17.49 Uhr hält der Mann des Tages seine erste Rede. Sie wird ihrer eigenen Wichtigkeit gerecht. Feierlich, entschlossen, nachdenklich.“
    Das hat nichts mehr mit Berichterstattung zu tun, sondern soll Emotionen ansprechen und uns suggerieren, was in dem Fall hier der Biden für ein toller Typ ist.
    Das hat aber nichts mit seinen Handlungen als Präsident zu tun und deshalb schalte ich ab.

    1. Geht mir auch so. Bei dem Satz, „… wo sich vor allem Joe Bidens ältere Enkelkinder von den Köchen des Hauses mit Snacks versorgen lassen.“ hatte ich die gleichen Gedanken wie Herr Röper. Dekadente Gören, die sich bedienen lassen nach dem Motto: Fahr auf, Gesinde. Es ist so erbärmlich, dass man sich wundern muss, warum solche Methoden noch funktionieren. Hat der Spiegel nicht auch etwas über das niedliche Joggen von Biden geschrieben, das ihn so jugendlich wirken lässt? 😁

  2. Ich habe letzte Woche wieder mal beim Spiegel reingeschaut, und die „user experience“ war in etwa so wiederlich wie hier vom Gastgeber beschrieben, obwohl ich mich gar niocht auf die Biden Thematik eingelassen have, sonder nur China. Habe auf die Eile vier Kommentare abgelaicht, von denen 50% überlebt haben. Hier Zahelen zum Thema Spiegel als Leutmedium:

    Leitmedien 1993
    1. Der Spiegel (66.7 %)
    2. Süddeutsche Zeitung (46.6 %)
    3. Stern (37.1 %)
    4. Frankfurter Allgemeine Zeitung (36.2 %)
    5. Die Zeit (34.4 %)

    Leitmedien 2005
    1. Süddeutsche Zeitung (35 %)
    2. Der Spiegel (34 %)
    3. Frankfurter Allgemeine Zeitung (15 %)
    4. Die Zeit (11 %)
    5. Bild (10 %)

    Vielleicht gibt es irgendwo neuere Zahlen.

    1. Die einzige Frage ist, ob die das absichtlich/bewusst machen, oder ob sie so tief in ihrer Filterblase sitzen, dass sie wirklich denken, es geht eine frische Brise durch den Raum wenn Biden gefurzt hat. Wahrscheinlich beides.

      1. So blöd kann man nicht sein! Reine, bewusste Propaganda. Journalisten werden bezahlt, alternative Jobs gibt’s keine. Hier noch zwei weitere Beiträge:

        „Frau Dr. Biden bringt Mode zurück ins Weisse Haus“
        https://twitter.com/Refinery29/status/1351964469736435714

        „Diese Team hat wirklich Darstellungskraft. Diese Bilder inspirieren unsere Freunde, und lassen unsere Feinde erzittern“ (von der CNN Berichterstattung von der Amtseinführung)
        https://twitter.com/mdornic/status/1352090555342270466?

  3. Der SPIEGEL ist schon lange auf dem Weg in die journalistische Gosse; als SPIEGEL-Schreiber lebt es sich inzwischen wirklich ungeniert. Eine Anmerkung allerdings zu einer Aussage in diesem Beitrag. Trump war nicht der erste Präsident in 100 Jahren, der keinen neuen Krieg angefangen hat. Auch John F. Kennedy hat keinen neuen Krieg angefangen. Er hat sicher den Fehler begangen, die schon vor seinem Amtsantritt geplante, beschlossene und vorbereitete Invasion an der kubanischen Schweinebucht durchführen zu lassen, lehnte aber dann, als die Invasion schmählich scheiterte, den Einsatz der US-Marine und Luftwaffe ab, der zum Krieg gegen Kuba geführt hätte. Den Vietnamkrieg startete erst Kennedys Nachfolger Johnson mit dem erfundenen Gulf-of-Tonkin-Zwischenfall.

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