Ryanair-Landung in Minsk

Russisches Außenministerium zu Josep Borrell: „Schlagen Sie Ihre eigenen Eier auf“

Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat sich in sehr deutlichen Worten zu der Entscheidung der EU geäußert, dass europäische Airlines den weißrussischen Luftraum umfliegen müssen.

Maria Sacharova ist für ihre spitze Zunge bekannt. Die hat sie nun wieder gezeigt, als sie die Entscheidung der EU kommentiert hat, dass europäische Airlines den weißrussischen Luftraum wegen der Landung des Ryanair-Flugzeuges in Minsk umfliegen müssen. Sie fragte, wie der Mehrverbrauch von Kerosin sich mit der in der EU forcierten Politik der Reduzierung der CO2-Emissionen vereinbaren lässt und kommentierte eine Aussagen des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell mit deutlichen Worten. Ich habe diese russische Erklärung aus der Pressekonferenz von Maria Sacharova vom Donnerstag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Wir stellen mit Bedauern fest, dass die Situation bezüglich der Notlandung des Ryanair-Flugzeugs auf dem Flughafen in Minsk nur ein weiterer Vorwand für die Europäische Union geworden ist, den Sanktionsdruck auf Weißrussland zu erhöhen.

Unsere ablehnende Haltung gegenüber dieser Praxis der Anwendung einseitiger Sanktionen durch die EU ist allgemein bekannt. An dieser Position hat sich nichts geändert.

Insbesondere die Eile, mit der Brüssel beschlossen hat, nicht auf Ergebnisse einer objektiven internationalen Untersuchung zu warten, deren Einleitung der Rat der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) am 27. Mai beschlossen hat, wirft Fragen auf. Auch die offiziellen Erklärungen des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko vom 26. Mai wurden ignoriert.

Wir sind von der Notwendigkeit einer umfassenden Untersuchung der Umstände des Vorfalls in Zusammenarbeit mit der weißrussischen Seite überzeugt, die ihre Bereitschaft bestätigt hat, Material zur Verfügung zu stellen und eine gründliche und transparente Untersuchung zu gewährleisten. Wir erwarten eine objektive und professionelle Prüfung dieser Angelegenheit im Rahmen der ICAO.

Weißrussland ist ein wichtiges Transitland für den internationalen Luftverkehr. Wie Sie wissen, durchqueren zahlreiche Flugrouten, auch aus Ländern der Europäischen Union, seinen Luftraum. Jetzt müssen die Fluggesellschaften der EU-Mitgliedsstaaten, die immer noch unter den Folgen der Coronakrise leiden, die zusätzlichen Kosten tragen, die mit den längeren Flugrouten wegen der Umgehung von Weißrussland verbunden sind.

In diesem Zusammenhang wäre es nur fair, den offensichtlichen Umweltaspekt des Themas zu erwähnen, da es gerade das Umweltthema ist, das jetzt bei den Gipfeltreffen unserer westlichen Partner in den Vordergrund rückt. Sie geben dieser Frage die höchste Priorität. Es ist merkwürdig, dass sie in ihrer praktischen Arbeit und bei der Umsetzung politischer Entscheidungen diese höchst interessante Nuance völlig ignorieren. Betrachten wir die Realitäten vor dem Hintergrund des von Brüssel proklamierten und geförderten „European Green Deal“: Nach den Schätzungen von Experten der EU – die Schätzungen sind nicht von uns, diese Schlussfolgerung kommen von Experten der EU – kostet das Umfliegen des Luftraums von Weißrussland die Fluggesellschaften der EU-Mitgliedsstaaten täglich zusätzlich 79 Tonnen Flugbenzin, was eine Erhöhung der Emissionen von CO2 in die Atmosphäre um 250 Tonnen pro Tag zur Folge hat. Gute Frage: Was denkt Greta Thunberg darüber? Wurde sie gefragt? Früher war es in Brüssel üblich, sie zu zitieren.

Es ist jedem klar, dass diese politisch motivierte Umleitung der Flüge nicht zur Flugsicherheit beiträgt, die Flugsicherung zusätzlich belastet und den Passagiere Unannehmlichkeiten bringt.

Es scheint, dass unsere Partner in der Europäischen Union beschlossen haben, sich in allem von der Regel „der Zweck heiligt die Mittel“ leiten zu lassen, während eine ganze Reihe von Prinzipien, die Brüssel so teuer sind, notfalls auch ganz aufgegeben werden können. Es geht auch um die Nebeneffekte der Sanktionen gegen Minsk. Wie Josep Borrell, der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, am 8. Juni während der Diskussion über den weißrussischen Fall im Europäischen Parlament sagte, „kann man kein Omelett machen, ohne Eier aufzuschlagen“. Man möchte Herrn Borrell antworten: Wenn Sie ein Omelett wollen, schlagen Sie Ihre eigenen Eier auf.

Wir halten eine solche Logik des Aufbaus internationaler Beziehungen, wie sie derzeit in Brüssel praktiziert wird, für definitiv inakzeptabel.

Ende der Übersetzung

Für alle, die es nicht wissen: Der Spruch „Wer ein Omelett will, der muss Eier zerschlagen“ ist das Englische Äquivalent zum deutschen Sprichwort „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“ und Borrell hat dieses Sprichwort im EU-Parlament bemüht.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Antworten

  1. Apropos EU:
    Zum Thema Machtkampf zwischen Brüssel und den Nationalstaaten hat sich ein vielfach klügerer Rechtskundiger hier

    https://de.rt.com/europa/118862-rechtsprofessor-markus-kerber-von-der-leyen-steht-fuer-erstarkende-diktatur-der-eu/
    (Rechtsprofessor Dr. Markus Kerber: „System in Brüssel ist außer Kontrolle“)
    geäußert.
    Einige seine Worte sind da doch Musik in meinen Ohren.
    Da werden wir bald sehen, wieviel die deutsche Verfassung und damit die deutsche Staatlichkeit innerhalb dieser EU noch wert ist.

      1. Das GG ist selbstverständlich eine Verfassung, ich verstehe nicht, wie man daran zweifeln kann. Bemängeln kann man daran nur, dass sich das Volk diese Verfassung nicht selbst gegeben hat.

  2. Nun, bei der nächsten Flugpreiserhöhung werden die Mehrkosten für die Umgehung von Weißrussland als Preiserhöhung auf die Ticketpreise – und nach Aufhebung der Umgehung, dem Gewinn aufgeschlagen!

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