Chronologie der Eskalation

Werden die unbelegten Vorwürfe aus Tschechien die Beziehungen zu Russland endgültig zerstören?

Tschechien gibt Russland - ohne Belege zu präsentieren - die Schuld an Explosionen im Jahr 2014 und hat fast 20 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Andere Staaten des Westens zeigen sich solidarisch und schmeißen ebenfalls russische Diplomaten raus. Einen Ausweg aus der Eskalationsspirale scheint es nicht zu geben.

Wenn es so weiter geht, werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland dem Westen schon deshalb zerstört, weil es bald keine Diplomaten in den jeweils anderen Ländern mehr gibt. Der Westen hat mal wieder angefangen, im großen Stil russische Diplomaten auszuweisen und da Russland auf solche Maßnahmen bekanntermaßen immer „gespiegelt“ reagiert, packen auch in Moskau nun immer mehr westliche Diplomaten eilig ihre Koffer.

Tschechien wirft Russland ohne Belege vor, dass zwei russische Agenten – dieselben, die auch die Skripals vergiftet haben sollen – 2014 in Tschechien ein Munitionslager in die Luft gesprengt haben sollen. Um davon abzulenken, dass es keinerlei Belege gibt, durfte der Spiegel wieder als Pressestelle der Geheimdienste aktiv werden und hat zwei Tage nach dem Vorfall mit vielen Details behauptet, seine eigenen Recherchen würden das bestätigen. Der Spiegel erklärt seinen Lesern allen Ernstes, in wenigen Tagen einen Vorfall aufgeklärt zu haben, den die tschechischen Behörden sieben Jahre lang nicht aufklären konnten. Die Details dieser Räuberpistole finden Sie hier.

Nach dem Vorfall haben Tschechien und Russland jeweils fast 20 Diplomaten des anderen Landes ausgewiesen. Damit ist die Sache aber nicht vorbei, denn die Tschechei forderte auch Solidarität der Nato und die bekommt das Land nun und die Geschichte eskaliert weiter.

Prag hat die Anschuldigungen am Samstag dem 17. April erhoben und die Ausweisung russischer Diplomaten angeordnet und am Montag dem 19. April wurden als Antwort tschechische Diplomaten aus Russland ausgewiesen. Die Botschaften beider Länder sind nun so dünn besetzt, dass die diplomatischen Beziehungen de facto kaum mehr aufrecht erhalten werden können.

Schauen wir uns nun die Chronologie der weiteren Eskalation an.

20. April

Der stellvertretende tschechische Ministerpräsident und Außenminister Jan Hamáček hat den russischen Botschafter vorgeladen und gegen die Ausweisung der tschechischen Diplomaten protestiert. Außerdem hat er die EU und die Nato aufgerufen, ebenfalls russische Diplomaten auszuweisen:

„Wir rufen die Länder der Europäischen Union und der NATO zu einer gemeinsamen Aktion auf, um bestimmte Mitglieder des russischen Geheimdienstes aus Solidarität aus den EU- und NATO-Mitgliedstaaten auszuweisen.“

Dabei erklärte er auch, dass Tschechien möglicherweise weitere russische Diplomaten ausweisen könnte.

22. April

Das tat Prag dann auch zwei Tage später und hat angeordnet, so viele Russen auszuweisen, dass der Personalstand der beiden Botschaften identisch ist. Allerdings wurden zunächst keine Angaben gemacht, wie viele Russen ausgewiesen werden sollen. Tschechien behauptet, die russische Botschaft in Prag habe 27 Diplomaten und 67 technische Mitarbeiter, während die tschechische Botschaft in Moskau nur fünf Diplomaten und 19 technische Mitarbeiter habe.

Allerdings gibt es bei der Zählweise anscheinend Schwierigkeiten, den bei Botschaften arbeiten sowohl offizielle Diplomaten, wie auch die genannten technischen Mitarbeiter, die aber auch Staatsbürger des Gastlandes sein können. Ich habe schon in einem anderen Zusammenhang darüber berichtet, dass es zum Beispiel bei westlichen Botschaften in Russland normal ist, dass sie viele lokale Mitarbeiter einstellen, weil die viel billiger sind als Diplomaten, den Artikel finden Sie hier.

Und Tschechien hat auch Kulturschaffende zu dem Botschaftspersonal hinzugezählt, das wäre so, als wenn ein Land die Mitarbeiter der Goethe-Institute zum Personal der deutschen Botschaften hinzuzählen würde. Wenn Tschechien seine Drohung wahrmacht, müssten ca. 70 Russen Tschechien verlassen.

Außerdem hat Tschechien erneut die Nato-Staaten aufgefordert, ebenfalls russische Diplomaten auszuweisen und die Nato hat Tschechien Unterstützung zugesichert. Die Slowakei hat auch sofort reagiert und drei russische Diplomaten ausgewiesen. Polen hatte schon vorher die Ausweisung russischer Diplomaten verfügt und Moskau reagierte am 23. April ebenfalls mit Ausweisungen von polnischen Diplomaten. Auch Deutschland hat reagiert und Unterstützung beim Betrieb der tschechischen Botschaft in Moskau zugesagt.

23. April

Der tschechische Ministerpräsident Babis gab Russland die Schuld an der Verschlechterung der Beziehungen:

„Moskau hat unsere gegenseitigen Beziehungen zerstört, die sich jetzt in einem eingefrorenen Zustand befinden. Die Tschechische Republik ist an korrekten Beziehungen zu Russland wie zwischen zwei souveränen Staaten interessiert. Was passiert ist, ist skandalös. Russland hatte die Möglichkeit, die Situation zu korrigieren, hat sie aber nicht genutzt“

Man fragt sich, von welcher Möglichkeit er sprach, denn die Eskalation hat ihren Anfang ja mit der überraschenden Ausweisung russischer Diplomaten aus Tschechien genommen. An welcher Stelle hätte Russland also wie reagieren können, selbst wenn es gewollt hätte?

Wenn es um anti-russische Maßnahmen geht, dann dürfen natürlich auch die Balten nicht fehlen. Daher haben die drei baltischen Staaten an dem Tag ebenfalls vier russische Diplomaten ausgewiesen.

Die Reaktionen in Russland waren deutlich. Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, sagte in ihrer trockenen Art nur:

„Daran, dass wir Antworten, brauchen die Regierungen der drei Länder keine Zweifel haben. Ihre Diplomaten können schon mal raten, wer von ihnen seine Koffer packen muss“

Noch deutlicher wurde der Vorsitzende des Ausschusses für Außenpolitik im russischen Parlament:

„Die baltischen Staaten können nicht beiseite stehen, wenn eine anti-russische Kettenreaktion gestartet wird, um das Scheitern der Operation Washingtons zu vertuschen, einen Staatsstreich in Weißrussland zu organisieren. Ihre Vasallentreue gegenüber ihrem Herrn und Meister stand nie in Frage.“

Am Abend das Tages hat der Kreml eine Anordnung veröffentlicht, die den Titel „Verordnung über Maßnahmen (Gegenmaßnahmen) auf unfreundliche Handlungen ausländischer Staaten“ trägt. Darin werden die zuständigen russische Behörden angewiesen, auf unfreundliche Handlungen anderer Staaten mit der Reduzierung der Botschaftsmitarbeiter zu reagieren. Wie oben erwähnt, habe ich über die Hintergründe schon berichtet, um nicht alles zu wiederholen verweise ich noch einmal auf den Artikel, den Sie hier finden und in dem erklärt wird, welche Bedeutung diese Dinge haben und warum sie wichtig sind.

Nun dürfen wir abwarten, wie es am Montag weitergeht.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Dir Russen haben da auch offenbar nur zwei Leuten mit einer „die Linzens zu töten“. Das macht die Lage für den freien Westen doch vergleichsweise überschaubar.
    Wahrscheinlich waren die zu Zeiten, als ein gewisser Magnitski in Moskau einsaß, auch im dortigen Strafvollzug tätig, und ganz früher waren die Hausmeister (na ja, wahrscheinlich noch Azubis) in der Einrichtung, wo der Reaktor steht, aus dem das Polonium stammt, das die Russen in die U.S.A. exportierten, damit die heraus bekommen, wer das Zeug dem Subjekt Litwinenko in den Tee geschüttet hat.

      1. Um die Unterhose des Herrn Navalny wir wahrscheinlich schon in der BILD-Redaktion gefeilscht, damit sie ein Herr Röpke oder ein Herr Reichelt zwecks Götzenverehrung zu sich nachhause nehmen kann.
        Die „Analyse“ der Vergiftung des Navalny wird, nachdem sie durch die Wehrm…ähm..Bundeswehr total neutral vorgenommen wurde, nochmals von der Charité überprüft, wo man nach mehrfachen PCR-Tests Hernn Navalny nicht nur Nowitschok sondern auch eine Corona-Infektion nachweisen konnte.

  2. 1834 schrieb der Tscheche Samuel Tomášik eine Hymne auf die Slaven mit dem Titel „Hej slovenci“.
    Diese Hymne wurde für die Sozialistische Förderative Republik Jugoslavien und die Volksrepublik Polen verwendet. Es bezeugt von dem untrennbaren Band, dass alle Slaven von der Lausitz bis Kamtschatka vereint.
    Liebe Yankees, ihr könnt Hasspropaganda betreiben und eure bestialischen Mordmaschinenen bei uns in Europa deponieren bis ihr dumm und dämlich werdet. Ihr werdet niemals die spirituelle, anthropologische Verbindung zwischen Tschechen und Russen zerstören können. Nicht umsonst heißt es: Blut ist dicker als Wasser!

    1. Nun die Herrscher Dynastien, sind durchaus willens, den Tschechen, dieses Blut ABZULASSEN.
      Wenn sie als demütige Nato Vasallen, mit ihrem Oberbefehlshaber Joe Biden, an die Ostfront ziehen , dann wird Russland gezwungen sein, auch die Tschechei, aus zu löschen und das haben sich dann die Tschechen, als auch WIR, uns wirklich Verdient.
      Solch eine Undankbarkeit, zieht die Strafe hinter-sich.

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