Jeden Tag das Gleiche: Der Spiegel und seine Desinformation über die Proteste in Moskau

Und schon wieder Moskau, ja ich weiß, es nervt langsam, aber was soll ich tun, wenn der Spiegel darüber täglich Unsinn schreibt, der nicht unkommentiert bleiben kann?

Heute darf der Chef des Moskauer Spiegel-Büros, Christian Esch, seine Desinformationen zu den Protesten in Moskau verbreiten. Und die sind so plump, dass es schon fast komisch ist. Er beginnt den Artikel folgendermaßen:

„Russlands Opposition steht immer wieder neu vor der Frage, zu welcher Form von Demonstrationen sie aufrufen soll. Ruft sie zu ungenehmigten Protesten auf, dann riskieren ihre Anhänger Haftstrafen. Hält sie sich dagegen an alle Vorgaben der Behörden, dann macht sie sich zum Spielball des Kreml.“

Wir halten fest: Nach der Logik von Herrn Esch machen sich Demonstranten, die sich „an alle Vorgaben der Behörden“ halten zum „Spielball“ der Regierung. Das sollte man mal den deutschen Demonstranten der Mahnwachen, Friedensbewegung, Pegida, etc. erzählen. Sie können nun – nach der Logik von Herrn Esch – ganz ohne Anmeldung ihre Demonstrationen durchführen, weil sie ja auch kein „Spielball“ von Merkel sein wollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich rufe dazu ausdrücklich nicht auf, denn ich bin der Meinung, dass menschliches Zusammenleben nur mit Regeln funktioniert. Und in einem Staat heißen diese Regeln „Gesetze“. Herr Esch scheint das anders zu sehen.

Und dann beginnt das Feuerwerk der Lügen bei Herrn Esch:

„Es wurde trotz kaltem Regenwetter mit rund 50.000 Teilnehmern die größte Protestkundgebung in der Hauptstadt seit Jahren.“

Nun kenne ich die Straße, wo die Demonstration war, sehr gut, denn ich habe in dem langen weißen Gebäude eine Zeit lang gearbeitet. Auf den Fotos und Videos der Demonstration kann man sehen, dass die Demonstration auf der ganzen Breite der Straße, aber nicht mal auf der ganzen Länge des Gebäudes stattfand. Dort war außerdem noch eine Bühne. Und wenn man weiß, dass das Gebäude ca. 400 Meter lang und die Straße weniger als 30 Meter breit ist, dann stellt man fest, dass die Demo auf einer Fläche von weniger als 12.000 Quadratmeter stattgefunden hat. Um dort 50.000 Leute aufzustellen, müssen die sich mit mindestens 4-5 Mann auf einem Quadratmeter drängeln. Versuchen Sie das mal.

Der Ort der Demonstration auf Streetview

Auf den Videos und Fotos sieht man außerdem, dass die Menge vorne dicht gedrängt steht, hinten jedoch nicht. Es können keine 50.000 Menschen gewesen sein, es war höchstens die Hälfte.

Blick von der anderen Seite auf die Straße am Tag der Demonstration

Aber Herr Esch nimmt die Zahlen, die die Organisatoren veröffentlicht haben, was man ja tun kann, aber dann sollte man auch die Zahlen der Behörden veröffentlichen. Die sprachen von lediglich 20.000 Teilnehmern, was aufgrund der Bilder und Platzverhältnisse deutlich näher an der Wahrheit zu sein scheint.

Berichterstattung bedeutet, beide Zahlen zu nennen, damit der Leser sich ein Bild machen kann. Aber so beeinflusst der Spiegel seine Leser immer: In Moskau nennt der die Zahlen der Organisatoren und verschweigt die Zahlen der Behörden, bei den Gelbwesten hingegen nennt er die Zahlen der Behörden und verschweigt die Zahlen der Organisatoren.

Gute Demo – böse Demo also. Der Spiegel macht einseitige Propaganda, aber keine Berichterstattung. Die Bezeichnung „ehemaliges Nachrichtenmagazin“ trägt der Spiegel zu Recht.

Dann geht es im Spiegel um die Gründe für die angeblich so hohe Teilnehmerzahl:

„Das hatte allerdings auch damit zu tun, dass die Opposition eine Auflage der Behörden missachtete – die nämlich, auf der Bühne dürfe nur gesprochen, keinesfalls aber gesungen werden. Diese bizarre Auflage hatten die Behörden im letzten Moment verkündet, als klar geworden war, dass prominente Rapper die Kundgebung unterstützten würden. Sie fürchteten zu Recht, dass die Veranstaltung ein neues, jüngeres Publikum anlocken werde.“

Wieder eine offene Lüge im Spiegel. Wie in Deutschland auch muss man bei der Anmeldung einer Demonstration Angaben zur erwarteten Teilnehmerzahl, dem Ort, dem Programm und der Art der Veranstaltung machen. Ein Konzert ist etwas anderes, als eine politische Kundgebung. Und auch in Deutschland kann man eine Demo nicht anmelden und mit den Behörden abstimmen, um danach einseitig etwas zu ändern. Und in Moskau geschah das Gegenteil von dem, was der Spiegel schreibt: Es wurde eine politische Kundgebung angekündigt und einen Tag vorher teilten die Organisatoren mit, dass auch Popgruppen und Rapper auftreten sollten. Daraufhin hat die Stadt mitgeteilt, dass eine solche Änderung nicht zulässig wäre, hat es aber geschehen lassen.

Es waren die Organisatoren, die die Stadt erneut provozieren wollten.

Und der Spiegel teilt auch selbst mit, dass die Organisatoren damit junge Leute anlocken wollten. Das ist ja legitim, nur bedeutet es auch, dass viele gar nicht wegen der politischen Agenda gekommen sind, sondern weil sie ihre Idole umsonst singen hören wollten. Das sagt der Spiegel aber nicht so deutlich, er erweckt den Eindruck, allen Teilnehmern sie es um Politik gegangen.

Danach steht im Spiegel:

„Mit dem Ursprung der Proteste – dass unabhängige Kandidaten von den Wahlen zum Stadtparlament ausgeschlossen wurden – hat diese Empörung gar nicht so viel zu tun. Sie wurde angefacht, als die ersten Proteste brutal niedergeschlagen wurden, mit zweieinhalbtausend Festnahmen an nur zwei Wochenenden“

Wieder das unwahre Mantra von „Festnahmen“ und „brutaler Polizei“. Beides ist unwahr. Schon die Zahl ist falsch. 2.500 Festnahmen hat die NGO OVD gemeldet, jedoch ohne Quellen. Und OVD ist ein westliches Propagandainstrument. Auf ihrer Seite geben sie selbst zu, wer sie finanziert: Die EU-Kommission, die Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen und die französische Botschaft in Moskau. Und mit Bedauern stellt die OVD auf ihrer Seite auch fest, dass das National Endowment for Democracy und die Open Society Foundation von George Soros in Russland nicht mehr tätig sein dürfen, denn diese hätten die OVD früher unterstützt.

Tatsächlich hat das russische Innenministerium ca. 1.700 Festnahmen gemeldet. Wobei „Festnahmen“ eine übertriebene Formulierung ist, denn in Russland ist ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht nur eine Ordnungswidrigkeit und nicht wie in Deutschland eine Straftat. Die Betroffenen sind also nach Feststellung der Personalien mit einem Bußgeldbescheid wieder nach Hause gegangen. Der Spiegel verschweigt seinen Lesern, dass diese Leute alle, bis auf ca. 30, kurz darauf wieder zu Hause waren und erweckt stattdessen den Eindruck, sie seien alle immer noch und für lange Zeit im Gefängnis.

Und auch unterschwellige Beeinflussung darf im Spiegel nicht fehlen. In dem Artikel ist ein Bild zu sehen, dass Sicherheitsschleusen zeigt, wie man sie auch bei dem Livestream von RT-Deutsch sehen konnte.

Als Bildunterschrift steht im Spiegel:

„Die Zehntausenden Demonstranten mussten erst durch den Security-Check“

Das klingt für den deutschen Leser, der Russland nicht kennt, nach Gängelung der Demonstranten. Was der Spiegel verschweigt ist, dass solche Metalldetektoren in Russland überall stehen. Man kommt nicht in die U-Bahn, in kein Stadion oder Konzert, nicht auf einen Bahnhof oder Flughafen, ohne durch einen Metalldetektor zu gehen. Selbst viele Restaurants und Diskotheken haben welche. Und wer bei der WM in Russland war, der weiß dass auch die Fanmeilen für Public Viewing abgesperrt waren und man durch einen Metalldetektor musste.

Das ist in Russland also völlig normal und hat mit der Verhinderung von Terroranschlägen zu tun. Aber so wie der Spiegel es zeigt, bekommt der deutsche Leser den Eindruck, es wäre eine Gängelung der Demonstranten.

Die genehmigte Demonstration verlief ohne Zwischenfälle, was der Spiegel natürlich anders darstellen möchte:

„Die Polizei greift nicht ein. Dafür sind „Face“ und „Krowostok“ und die Gruppe „IC3PEAK“, die hier auftreten, zu bekannt. Aber die Polizei greift später ein, als ein Mitstreiter des Oppositionskandidaten Iwan Schdanow (der selbst im Gefängnis sitzt) von der Bühne aus vorschlägt, doch einen Spaziergang hin zur Präsidialverwaltung am Alten Platz zu unternehmen“

Wer den Livestream von RT-Deutsch von der Demonstration gesehen hat, den ich auch verlinkt habe, der sieht, dass es nur wenige Musikeinlagen gab. Die können also kaum der Grund gewesen sein. Die Polizei hat aus einem ganz einfachen Grund nicht eingegriffen: Es war eine genehmigte Veranstaltung und sie verlief friedlich, wozu also eingreifen?

Aber danach passierte das, was auch in Deutschland passiert, wenn die Teilnehmer nach dem Ende einer Demonstration einfach weitermachen und unkontrolliert im Stadtzentrum demonstrieren wollen: Sie löste diese ungeordneten Demonstrationen auf. Das läuft in Deutschland nicht anders.

Aber der Spiegel muss anscheinend um jeden Preis die Legende vom russischen „Unterdrückungsstaat“ befeuern. Diese einseitigen Berichte, die nur die Zahlen melden, die dem Autoren gefallen und mit vielen Details den gewünschten Eindruck beim Leser suggerieren sollen, nennt man in Deutschland stolz „Qualitätsjournalismus“.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „Jeden Tag das Gleiche: Der Spiegel und seine Desinformation über die Proteste in Moskau“

  1. Ach Thomas, musst du den Spiegellesern und Tagesschaukiekern immer die schönen Bilder und das Ende des Systems Putin kaputtreden! Aber es ist einfach nur schlimm, mit welcher Dreistigkeit hier gelogen und desinformiert wird!

Schreibe einen Kommentar