Nato-Manöver Sea Breeze

Die gefährlichen Provokationen der Nato im Schwarzen Meer

Das große Nato-Manöver Sea Breeze, das derzeit im Schwarzen Meer und in der Ukraine stattfindet, ist brandgefährlich, wird aber von den westlichen Medien kaum thematisiert.

Dass die Nato mit dem Manöver Sea Breeze Russland testen und provozieren will, ist spätestens seit der bewussten Grenzverletzung des britischen Kriegsschiffes Defender klar. Man mag zum Status der Krim stehen, wie man will, aber wer bewusst die Seegrenzen dort verletzt, riskiert einen großen Krieg. Ist die Krim wirklich einen Krieg zwischen der Nato und Russland wert? Für Russland lautet die Antwort bekanntermaßen „Ja“, denn Russland sieht die Krim als sein Territorium an und würde für sie genauso kämpfen, wie die USA für Florida kämpfen würden. Das weiß man bei der Nato, weshalb der Vorfall mit der Defender so gefährlich war.

Warum die Provokation mit der Defender?

Die USA haben dabei einen alten Trick aus der Zeit des Kalten Krieges wiederholt. Damals haben die USA immer wieder den sowjetischen Luftraum verletzt, um dabei mit Spionageflugzeugen herauszufinden, wie die sowjetische Abwehr organisiert ist. Man konnte an den gewonnenen Daten erkennen, wer wann mit wem funkt, wie lange es dauert, bis welche Luftabwehr aktiviert wird, welche Reaktionszeiten die sowjetische Luftwaffe hat, wie die Kommandoketten aufgebaut sind und so weiter. Das wollte man nun wiederholen.

Präsident Putin hat sich dazu am Mittwoch in der Fragestunde geäußert und erzählt, dass der Grenzverletzung der Defender der Start eines US-Spionageflugzeuges von einem Stützpunkt in Griechenland vorausging und nannte sogar die Nummer des Flugzeuges. Das Flugzeug war zum Zeitpunkt der Grenzverletzung in der Region und sollte genau die Daten sammeln, die die USA schon während des Kalten Krieges gesammelt haben. Putin sagte dazu, dass man den Trick in Russland inzwischen kenne, das Flugzeug genau beobachtet habe und daher bei der Reaktion nur das gezeigt habe, was man zeigen wollte.

Dass das eine geplante Provokation war, kann inzwischen niemand mehr bestreiten, nachdem geheime Unterlagen des britischen Verteidigungsministeriums, die bei einer Bushaltestelle gefunden und von der BCC teilweise veröffentlicht wurden, das bestätigt haben. Man wusste, worauf man sich einlässt und die britische Marineführung war wegen der möglichen russischen Reaktion mehr als besorgt.

Ein zweiter Versuch

Ein paar Tage nach der Grenzverletzung durch die Defender hat sich auch die holländische Fregatte Evertsen der Krim genähert, aber die Grenze nicht verletzt. Aber anscheinend war es wieder das gleiche Spiel. Dass die russische Luftwaffe nach dem Vorfall mit der Defender Nato-Kriegsschiffe nun genau beobachtet, kann niemanden überraschen. Als russische Flugzeuge die Evertsen beobachtet haben, klang das im Spiegel jedoch wie aggressives russisches Verhalten.

Es ist zu befürchten, dass das nicht der letzte Vorfall dieser Art in der Nähe der Krim gewesen ist, denn nun ist das Nato-Manöver Sea Breeze mit 5000 Soldaten, 30 Kriegsschiffen und 40 Flugzeugen angelaufen, bei dem Nato-Soldaten in der Ukraine und vor der Krim zusammen mit Einheiten der Ukraine und Georgiens Krieg gegen Russland spielen. Nach den Vorfällen mit der Defender und der Evertsen muss man kein Hellseher sein, um zu verstehen, dass die Nato offensichtlich unter dem Deckmantel des Manövers die russische Verteidigung testen und ausspionieren möchte.

Der Spiegel kann nicht berichten ohne zu lügen

Russland reagiert auf diese Provokation an seiner Grenze mit einem Manöver seiner Luftverteidigung, was im Spiegel wieder nach aggressivem russischen Verhalten klingt. Aber wie würde wohl die Nato reagieren, wenn Russland und China zusammen mit Kuba vor der Küste von Florida ein solches Manöver abhalten würden? Hinzu kommt, dass der Spiegel in seinem Artikel sogar offen lügt, wenn er schreibt:

„Nach russischen Angaben war das britische Kriegsschiff »HMS Defender« in der vergangenen Woche bis zu drei Kilometer tief in russische Gewässer eingedrungen und hatte erst nach Warnschüssen und Bombenabwürfen beigedreht. Großbritannien bestreitet die Darstellung und gibt an, dass sich der Zerstörer rechtmäßig in internationalen Gewässern bewegt habe.“

Großbritannien redet zwar davon, dass die Defender sich rechtmäßig verhalten habe, aber von „internationalen Gewässern“ war nicht die Rede, vielmehr hat London verkündet, die Defender sei rechtmäßig durch ukrainische Gewässer gefahren. Das aber soll der Spiegel-Leser anscheinend nicht wissen, denn dann könnte er ja verstehen, wie gefährlich die Provokation der Nato gewesen ist, als sie ein Kriegsschiff in die umstrittenen Gewässer geschickt hat. Denn wie gesagt: Man kann zum Status der Krim stehen, wie man will, aber das Spiegel-Leser wegen dieser Frage einen dritten Weltkrieg wollen, ist eher unwahrscheinlich. Aber genau den hat Großbritannien mit seiner Provokation riskiert. Und das muss der Spiegel-Leser ja nicht unbedingt wissen, also lügt der Spiegel eben ein wenig.

Wie in Russland über das Nato-Manöver berichtet wird

Im Gegensatz zu westlichen Medien spielt das Manöver Sea Breeze in russischen Medien eine große Rolle. Daher habe ich einen aktuellen Bericht des russischen Fernsehens darüber übersetzt, um aufzuzeigen, wie in Russland darüber berichtet wird.

Beginn der Übersetzung:

Sea Breeze 2021: USA und ihre Verbündeten bereiten Kanonenfutter vor, um Russland zu ärgern

Das russische Militär überwacht die Aktionen einer italienischen Fregatte, die im Rahmen der Übung Sea Breeze in die Gewässer des Schwarzen Meeres einfuhr. Dies meldete das russische nationale Verteidigungskontrollzentrum. In der Zwischenzeit führten ukrainische und US-amerikanische Marinesoldaten ein taktisches Training auf einem Übungsgelände in der Region Kherson durch.

Eine Marinegruppe der NATO und ihrer Verbündeten hat den Hafen von Odessa verlassen. Der US-Zerstörer Ross war der letzte, der vom Liegeplatz losgemacht wurde. Die aktive Phase des Manövers Sea Breeze hat begonnen. Die Ukraine ist das Gastgeberland, die Vereinigten Staaten sind der Hauptorganisator. Weitere 30 Länder nehmen teil.

Sie haben in letzter Zeit ein nie dagewesenes und ungesundes Interesse am Schwarzen Meer gezeigt. Erst verirrte sich der britische Zerstörer Defender absichtlich in unsere Gewässer, dann das holländische Schiff, und jetzt ist fast ein ganzes Geschwader zum Manöver gekommen.

„Was macht ein brasilianisches Schiff im Schwarzen Meer, können Sie mir das erklären? Was hat ein australisches Schiff im Schwarzen Meer zu suchen? Haben die etwa nicht den Golf von Tasmanien oder den Atlantischen Ozean, um da herumzufahren?“, fragte Victor Litovkin, Oberst im Ruhestand und Kolumnist. „Und was hat ein südkoreanisches Schiff im Schwarzen Meer zu suchen? Verstehen Sie, das ist eine dreiste Provokation der USA, der NATO und ihrer Partner.“

Wie sich herausstellt, werden einige Erfahrungen der Ereignisse von 2014 auf der Krim geübt. Das sagte die ukrainische Seite. In der Region Kherson, die an die Halbinsel grenzt, gingen Marinesoldaten aus den USA, der Ukraine, Georgien und Moldawien, so die Legende des Manövers, im Rücken des Feindes an Land und zerstörten wichtige Infrastruktur.

„Möglicherweise operiert der Feind in der Nähe der Schlangeninsel, Tendri und in Richtung Bessarabien. Es werden sowohl Luft- als auch Seelandungen erwartet“, kündigte Anatoliy Hlynenko, Leiter des Luftfahrtteils der Übung, an.

Die Nationalgarde der Ukraine schloss sich den Tauchübungen an und für die Medien wurde ein Demonstrationsflugtag organisiert. Neben sowjetischen Flugzeugen AN-26, Hubschraubern MI-14 und MI-8 flog als britischer Gast ein Eurofighter Typhoon. Der ist jedoch in Rumänien stationiert.

„Wir haben extra ein Szenario entworfen, das unsere Fähigkeit zur Kommunikation und Interaktion in einer ganzen Reihe von verschiedenen Aspekten militärischer Angelegenheiten verbessern wird“, sagte der Übungsleiter auf amerikanischer Seite, Captain Stuart Bauman.

Georgien ist einer der Hauptteilnehmer an der Übung. Der dortige Kanal 1 sendete ein Interview mit James Appathurai, dem NATO-Sonderbeauftragten des Generalsekretärs für den Südkaukasus und Zentralasien. Und dann wird das Geheimnis im Fernsehen gelüftet: Dem Militärbündnis gefällt einfach nicht, dass Russland Zugang zum Schwarzen Meer hat.

„Russland fährt fort, die Schwarzmeerregion zu destabilisieren, indem es Waffen auf der Krim stationiert, darunter Raketensysteme, was die Freiheit der Schifffahrt einschränkt. Wir arbeiten durch politische Konsultationen und Informationsaustausch eng mit Georgien und der Ukraine zusammen“, sagte Appathurai. „Die NATO hat jetzt eine stärkere Präsenz im Schwarzen Meer. Die Russen mögen das nicht, aber wir machen es trotzdem. Die Vorstellung, dass das Schwarze Meer russisch ist, ist für uns inakzeptabel.“

Die ukrainische Militärführung erklärt stolz, dass es ein Manöver solchen Ausmaßes noch nie gegeben hat. Die Hauptteilnehmer – einfache ausländische Soldaten – teilen weitaus bodenständigere Kommentare über das Essen: Buchweizen mit Würstchen und geschnittenen Gurken.

2018 nahm der ehemalige ukrainische Präsident ein Paar ausgemusterte Patrouillenboote als Geschenk der USA an. Experten schließen nicht aus, dass sie auch nach dieser Übung ähnlich wertvolle Geschenke erwarten können.

„Niemand wird ihnen wirklich wichtige Ausrüstung geben und sie nicht liefern, weil die Amerikaner erstens ihre gute Ausrüstung selbst benötigen, und zweitens niemand eine starke ukrainische Armee braucht. Die ukrainische Armee wird als Kanonenfutter gebraucht, um Russland ärgern“, sagt Victor Litovkin.

Natürlich beobachtet das russische Verteidigungsministerium die Übung genau. Niemand schließt Provokationen aus. Aus den Erfahrungen der Ereignisse in der Straße von Kertsch ist bekannt, dass auch die Ukraine ihre eigenen Seeleute nicht zum ersten Mal opfern würde.

Ende der Übersetzung

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Antworten

  1. Das „Florida-Argument“ hört man ja hier öfter, um die aggressive Politik der NATO zu belegen – ok, wie soll man dann die Übungsaktivitäten Russlands im Mittelmeer bewerten? Hier gab es ebenfalls keinen medialen Aufschrei in den Mainstream-Medien. Wenn man das Argument von aggressiven Manövern nahe russischen Territoriums macht und die militärische Logik dahinter so scharf einschätzen kann, so sollte doch das Übungsverhalten Russlands in internationalen Gewässern kurz zum Vergleich Beachtung finden.

    1. Und warum? Die russischen Übungen im Mittelmeer sind doch nur die Reaktion auf die US/NATO-Provokationen! Das US/NATO-Gesindel macht sich überall breit, Libyen steht zweifellos auch auf der Liste künftiger US/NATO-Stützpunkte und warum soll sich Russland alles bieten lassen?
      Und wenn du mal ein wenig weiter denken würdest, so ist für die US/NATO schon die russische Präsenz im Schwarzen Meer „inakzeptabel“, im Mittelmeer ist sie es damit noch viel mehr. Der Größenwahn der US/NATO ist so umfassend, dass die es als Bedrohung bezeichnen, wenn es jemand wagt, auf internationales Recht zu pochen und ihnen zu erklären, dass es auch für Russland rote Linien gibt.

Schreibe einen Kommentar