Ukraine

„Haben Sie schon mal von dem größten Land der Welt, das Russland heißt, gehört?“

Der Ausbau der Diktatur in der Ukraine nimmt immer absurdere Formen an, wie ein Korrespondentenbericht aus dem Land zeigt.

Der Anti-Spiegel hat bereits den Kommentar aus dem Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens vom Sonntag gezeigt. Weil das dort Gesagte so absurd klingt, dass selbst Kenner der Ukraine nur noch ungläubig den Kopf schütteln können, habe ich mir bei der Übersetzung ausnahmsweise sogar die Mühe gemacht, viele Quellen in dem Kommentar des russischen Moderators zu verlinken, damit jeder überprüfen kann, dass er in allem die Wahrheit sagt und es nicht etwa „russische Propaganda“ ist. Den Kommentar finden Sie hier.

Auf den Kommentar folgte in der Sendung noch ein Korrespondentenbericht aus der Ukraine, den ich nicht nur der Vollständigkeit halber ebenfalls übersetzt habe, sondern auch, weil er weitere Details der in der Ukraine ablaufenden Absurditäten aufzeigt.

Beginn der Übersetzung:

Die ukrainischen Grenzschützer sind immer noch überrascht, dass die Krim russisch ist und unsere Trikolore über allen Bohrplattfoprmen weht. Das ukrainische Patrouillenboot kommt jedoch nicht näher, sondern verhandelt lieber aus der Ferne: „Wir informieren das Schiff der Russischen Föderation über einen Gesetzesverstoß, haben Sie verstanden?“

„Ich habe gehört, was Sie gesagt haben. Aber haben Sie schon mal von dem größten Land der Welt, das Russland heißt, gehört?“, kommt die Antwort von dem russischen Schiff.

Eine der Offshore-Plattformen befindet sich auf dem Öl- und Gasfeld Glubokoye.

„Nach Angaben von Geologen gibt es dort Reserven im Wert von 38 Milliarden Griwna. Der Staat hat erhebliche Mittel ausgegeben, um Dokumente für die kommerzielle Produktion von Gas und Öl vorzubereiten“, sagte Roman Govda, erster stellvertretender Generalstaatsanwalt der Ukraine.

Es ist Wiktor Medwedtschuk, der verdächtigt wird, das Ölfeld gemäß russischem Recht umgeschrieben zu haben, obwohl es keinen einzigen Beweis dafür gibt, dass dieses Feld überhaupt ihm gehört. Glubokoye hat einen anderen Besitzer.

„Ein außergewöhnliches Ereignis. Und es ist ganz offensichtlich, dass es mit dem jüngsten Besuch von Außenminister Blinken und seiner Stellvertreterin Victoria Nuland zusammenhängt. Entweder mit Sanktionen oder auf Befehl wird dieser Oppositionspolitiker schikaniert“, sagte Mykola Asarow, Vorsitzender des Komitees zur Rettung der Ukraine und ehemaliger Premierminister der Ukraine.

Das Abhören von Medwedtschuks Telefongesprächen, was keine Beweise erbracht hat, ist das Werk der ukrainischen Geheimdienste. Selensky kündigt an, dass er auch durch Cybersecurity-Einheiten verstärkt wird. Hier erhält er eine Führung durch eines der Zentren. Es läuft eine Übung. Die Roten führen eine Cyberattacke aus, die Blauen wehren sich – das ist genau die Farbe der Oppositionspartei „Oppositionsplattform – Für das Leben.“

„Ich denke, dass dies insgesamt ein Schaufenster für die Tatsache ist, dass sich die Ukraine wirklich verändert. Und nicht nur in Worten, wir eröffnen derartige Zentren. Dies ist das erste Zentrum in der Ukraine. Das ist ein guter Anfang. Die Hauptsache ist, dass die Leute, die im roten Team sind, für den Staat der Ukraine arbeiten. Dann wird bei uns alles gut“, glaubt Selensky.

Auch das Verfahren gegen den Führer der ukrainischen Opposition erklärt er mit seiner Sorge um die Sicherheit des Staates. In einer Kolumne für das ukrainische Magazin „Focus“ merkt Selensky an: „Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Zahl der Oligarchen nicht gestiegen, sondern gesunken. Minus Medwedtschuk. Mit legalen Mitteln wurde Medwedtschuk die Möglichkeit genommen, Medien und Staatseigentum zu nutzen, um offen auf das Land einzuschlagen und der Sicherheit des Staates verheerenden Schaden zuzufügen.“

Medwedtschuks Wohnung und Büro wurden durchsucht, wobei nichts Belastendes gefunden wurde.

„Das ist ein rein politischer Fall und politische Repression. Der Fall wurde nur gebacken, um Medwedtschuk zur Flucht zu bewegen“, ist sich der Blogger und Oppositionspolitiker Anatoli Scharij sicher.

Medwedtschuk selbst kam zum Verhör zur Generalstaatsanwaltschaft. „Ich werde mich vor niemandem verstecken, auch nicht vor dem Generalstaatsanwalt, dem Geheimdienst und allen anderen. Ich bin bereit, mich zu verteidigen, weil ich mich wegen nichts schuldig fühle und ich glaube, dass im Moment alles, was getan wird, politische Repression ist“, sagte der Politiker.

Aber bei der Staatsanwaltschaft hat ihn niemand erwartet. Dafür gab es am nächsten Tag vor Gericht ein ganzes Bündel von Anschuldigungen: „Verstoß gegen die Kriegsregelungen, Landesverrat und vieles mehr. Am wichtigsten ist, dass der Text der Anklage mit so auffälligen Worten beginnt: Viktor Medwedtschuk steht gegen den politischen Kurs der aktuellen Regierung“, sagte der Politiker vor der Presse.

Und seine politische Kraft ist tatsächlich gegen den politischen Kurs der Regierung und macht kein Geheimnis daraus. Sie ist die einzige, die am 9. Mai in der Ukraine einen anti-faschistischen Umzug veranstaltet hat.

„Denjenigen Tribut zu zollen, die während des Weltkrieges bei der Verteidigung der Ukraine gestorben sind, den Veteranen Tribut zu zollen, auch das wird von der Regierung nicht gern gesehen. Aus juristischer Sicht herrscht dort Gesetzlosigkeit. Medwedtschuk erregt den Hass der Neonazis, sie versammeln sich ununterbrochen vor dem Pechersky-Gericht, während es über die Frage der Untersuchungshaft für Medwedtschuk entscheidet. Und sie sind unglücklich, dass es nur Hausarrest geworden ist“, sagte Wladimir Oliynyk, ein ehemaliger Abgeordneter der Werchowna Rada der Ukraine.

Zunächst wurden drei oppositionelle Fernsehsender ohne Gerichtsverfahren geschlossen. Dann wurden Wirtschaftssanktionen gegen den ukrainischen Staatsbürger Medwedtschuk und seine Familie verhängt, indem ihre Konten und Vermögenswerte beschlagnahmt wurden, was bisher nur mit Ausländern getan wurde. Nun wird er rund um die Uhr eine elektronische Fußfessel tragen müssen.

„Das ist völliger Blödsinn. Als die führenden Fernsehsender des Landes abgeschaltet wurden, versprachen sie, dass sie in zwei Tagen über deren terroristische Aktivitäten berichten würden. Da kam nichts. Ein Monat ist vergangen. Jetzt gibt es wieder Vorwürfe. Wegen irgendetwas auf der Krim“, empörte sich Vadim Rabinovich, Co-Vorsitzender der Fraktion der „Oppositionsplattform – Für das Leben.“

Dabei hat Selensky selbst eine Wohnung auf der Krim, registriert auf den Namen seiner Frau Elena. Das Eigentumsrecht ist in Dokumenten bestätigt. Es ist ein Penthouse in der elitären Wohnanlage „Imperator“, für das sie immer noch regelmäßig die Wohnnebenkosten zahlen. Es ist nicht die einzige Verbindung des ukrainischen Präsidenten mit dem „Aggressor-Staat.“

Auf eine Presseanfrage antwortet der ukrainische Geheimdienst SBU, dass er nicht untersuchen wird, wie Produktionen des Präsidentenstudios „Kvartal 95“ jetzt ins russische Fernsehen kommen. (Anm. d. Übers.: Daran sieht man, wie konstruiert die Anklage gegen Medwedtschuk ist, denn in seinem Fall sollen geschäftliche Kontakte nach Russland eine Straftat sein, während jedoch alle führenden Politiker des Landes Geschäfte mit Russland machen. Selensky hat gerade für viel Geld die Rechte für seine Fernsehshows aus seiner Zeit aus Komiker an russische Fernsehsender verkauft.)

„Die von Vladimir Selensky produzierten Filme werden heute erfolgreich im russischen Fernsehen ausgestrahlt. Das weiß ich mit Sicherheit. Poroschenkos Schokolade wird auch in der Russischen Föderation verkauft. Und dort verdienen sie ihr Geld“, sagte Ilya Kiva, ein Mitglied der Fraktion „Opposition Plattform – Für das Leben“ in der Werchowna Rada der Ukraine. (Anm. d. Übers.: Der Oligarch und ehemalige Präsident der Ukraine ist als „Schokoladenkönig“ bekannt, denn seine Schokoladenfabriken der Holding „Roshen“ verkaufen nicht nur nach Russland, teilweise haben sie in Russland produziert.)

Poroschenko erhielt bis 2017 auch Einkünfte aus der Lipezker Niederlassung der Firma Roshen. Und über Strohmänner hat er immer noch Verbindungen zum „Bachtschissarai“ Zementwerk, das das größte auf der Krim ist.

„Was Poroschenko betrifft, so weiß jeder, dass auf sein Konto mehr Verbrechen und Vergehen gehen, als ein streunender Hund in Ihrem Hinterhof Flöhe hat. Die Europäer haben einfach gesagt: Rührt Poroschenko nicht an.“, betonte Kirill Kulikow, ehemaliger Leiter des Nationalen Zentralbüros von Interpol in der Ukraine. Auch Poroschenko wurde des Hochverrats beschuldigt, als die Mitschnitte seiner Gespräche mit Biden öffentlich wurden, und auch er ging zum Verhör zur Generalstaatsanwaltschaft, aber keines der 58 Strafverfahren, die gegen ihn eröffnet wurden, endete bisher auch nur mit Hausarrest.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Es legt einmal wieder die Widersprüchlichkeit der Politik aus Kiew offen: einerseits behauptet man inbrünstig, die Krim wäre Teil der Ukraine. Dann stellt man aber der Krim den Strom und das Wasser ab (also einem Stück des eigenen Landes schaden?), bezahlt den Menschen weder Renten noch andere Sozialleistungen aus, und nun als Oberbrüller kriminalisiert man es, wenn jemand Geschäfte auf der Krim macht.
    Dass Selensky eine Ferienwohnung auf der Krim besitzt verwundert wenig. Selensky war ja auch mal jemand aus dem Süden und ist eigentlich in der russischsprachigen Welt aufgewachsen. Das scheint er komplett „vergessen“ zu haben.

  2. Die Wähler aus dem Süden und Osten haben Selensky vertraut. Sie kannten diesen damals sympathischen und charasimatischen Menschen von seinen komödiantischen Auftritten in Film und Fernsehen. Es war nicht vorhersehbar, dass sie sich einen Wendehals einhandeln würden, der binnen kürzester Zeit vom Hoffnungsträger zum transatlantischen Falken mutiert. Jetzt liegt alle Hoffnung auf Medwedtschuk. Dass man ihn versucht aus dem Verkehr zu ziehen darf man als Qualitätssiegel betrachten. Wahrscheinlich hat die CIA versucht ihn zu kaufen, aber er hat sich kategorisch geweigert.

  3. ([…] Selensky hat gerade für viel Geld die Rechte für seine Fernsehshows aus seiner Zeit aus Komiker an russische Fernsehsender verkauft.) Hmm, warum kaufen russische Fernsehanstalten so was? In der DDR reichte ein Verlassen der Republik von Schauspielern zur Unterdrückung von Filmen in denen sie auftraten. Nicht schön, auch zum Ärger vieler Bürger. Für mich gibt es da nur eine positive Erklärung, die Diskrepanz zwischen diesen Beiträgen und der aktuellen Position des Delinquenten aufzuzeigen. Ob dies so ist?

  4. Und das ist der Unterschied: Russland ist ein freies Land und wenn ein Sender sich die Shows kaufen und sie ausstrahlen will, dann darf er das. Und ich muss sagen, sie waren auch wirklich gut. Nur bleibt einem bei der Politik, die Selensky heute macht, beim Anschauen der alten Shows das Lachen im Halse stecken….

    1. Das werden in Russland und der Ukraine vielen so empfinden. Selensky wird schwerlich wieder im Fernsehen Erfolg haben, und Präsident kann selbst er nicht ewig bleiben. Er sollte sich schon einmal einen Fluchtplan nach Georgien überlegen. Da hat Onkel Soros sicherlich ein paar Auftragsarbeiten für NGOs, die Selensky ausführen kann. Und Saakaschwili wartet dort schon mit ein paar schmackhaften Krawatten auf ihn 😉

    2. ich frage mich allmählich ob Russland sich nicht der unterlassenen Hilfeleistung gegenüber dem Donbass/der Ukraine schuldig macht. Russland muss endlich eingreifen und das Regime in Kiew entmachten. Auch Paul Craig Roberts sieht Russland als zu zaudernd (paulcraigroberts.org). Der Westen schreit ja geradezu nach Krieg! Soll er ihn haben. Der Westen wird nicht siegreich hervorgehen. Und das „beste“ Deutschland aller Zeiten hat ihn besonders nötig. Vielleicht wachen die Leute dann auf…

      1. Ganz so einfach ist es nicht. Sowohl die Mongolen, als auch Napoleon als auch Hitler haben hunderttausende Russen niedergemetztelt. Russland wird die Kriegsgefahr immer gut abwägen.
        Über kurz oder lang wird der Donbass auf jeden Fall zu Russland zurückkehren. Der richtige Zeitpunkt muss bloß gefunden werden, damit das menschliche Leid so gut es geht minimiert wird.

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