Der Fall Nawalny

Wie sehr die Bundesregierung im Fall Nawalny mauert

Die AfD hat eine weitere Kleine Anfrage an die Bundesregierung zum Fall Nawalny gestellt. Im Grunde hätte sie sich die Mühe sparen können, denn die Antworten der Bundesregierung lauten kurz gesagt "alles geheim". Was die Bundesregierung alles nicht mitteilen möchte, ist verblüffend.

Die AfD Fraktion hat schon mehrere Anfragen an die Bundesregierung gerichtet, um Licht in den Fall Navalny zu bringen. Leider ist das vergebene Liebesmüh, denn die Bundesregierung mauert bei fast allen Fragen. Das werde ich am aktuellen Beispiel der letzten Kleine Anfrage von Abgeordneten AfD-Fraktion aufzeigen. Die Anfrage wurde am 17. August gestellt und die Bundesregierung hat mit ihrer Antwort bis zum 21. September gebraucht, obwohl sie eigentlich gar nichts beantwortet hat. Die Antwort der Bundesregierung wurde jedoch erst jetzt online gestellt.

Wer hat Nawalnys Deutschlandaufenthalt finanziert?

Nachdem Nawalny nach der Behandlung seiner angeblichen Vergiftung in der Charité entlassen wurde, ist er in den Schwarzwald übergesiedelt und hat dort seinen Film über Putins angeblichen Palast gedreht. Nawalny wird uns allen als Blogger verkauft, der von der Unterstützung seiner russischen Anhänger lebt. Aber sein Aufenthalt im Schwarzwald hat nach groben Schätzungen mindestens eine Million Euro gekostet, denn Nawalny lebte dort wochenlang in einer teuren Villa, die tageweise vermietet wird.

In den Fragen 3 und 4 auf der Liste der Kleinen Anfrage der AfD geht es um die Finanzierung von Nawalnys Aufenthalt. Einerseits gibt es Medienberichte, die behaupten, Bellingcat habe Nawalny finanziert, andererseits fragt die AfD konkret danach, wer Nawalnys Miete bezahlt hat. Die Antwort der Bundesregierung auf diese beiden Fragen lautet:

„Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse zu den zitierten Meldungen und sieht keine Veranlassung für weitere Nachforschungen.“

Nawalny hat im Schwarzwald einen Film gedreht, der wegen der deutschen Unterstützung bei dem Unterfangen dazu beigetragen hat, das Verhältnis zu Russland erheblich zu beschädigen, aber der Bundesregierung ist es egal, wer das organisiert und bezahlt hat. Ist das glaubwürdig?

Hinzu kommt, dass der Film die Unwahrheit verbreitet hat, wie man zum Beispiel aus der Schweiz erfahren konnte, denn dort hatte es schon vor langer Zeit staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen der in dem Film erhobenen Vorwürfe gegeben, aber Nawalnys Zeugen haben die Aussagen, die Nawalny in dem Film zitiert hat, vor den Schweizer Staatsanwälten zurückgezogen. Es waren Lügen, die sie nicht unter Eid wiederholen wollten, in Filmen aber straffrei erzählen können.

Aber auch damit nicht genug, der Film wurde aus den USA finanziert, wie die Inhaber des Studios, in dem der Film gedreht wurde, der regionalen Presse erzählt haben. Das Studio wurde aus den USA gebucht und bezahlt. Und sogar das Skript für den Film, der angeblich auf Nawalnys Recherchen beruhte, kam offensichtlich aus den USA. Die Übersetzung des englischen Skripts ins Russische war so schlecht, dass das offen zu Tage liegt. Nawalny hat nur abgelesen, was in den USA geschrieben worden ist.

Aber die Bundesregierung will von all dem nicht nur nichts wissen, es interessiert sie auch nicht, wer da mit wessen Geld und in wessen Auftrag den deutsch-russischen Beziehungen einen solchen Tiefschlag versetzt hat.

Ermittlungen zur Nawalnys angeblicher Vergiftung

Bis heute ist nicht bekannt, wie Nawalny angeblich vergiftet wurde. Zuerst soll das Gift im Tee vom Flughafen gewesen sein. Dann war angeblich eine Wasserflasche aus dem Hotel, in dem er übernachtet hatte, oder andere Gegenstände mit dem Gift kontaminiert. Nawalnys letzte Version war, das Gift wäre in seine Unterhose geschmiert worden. Nein, das ist kein Scherz.

Die Bundesregierung spricht von kontaminierten Gegenständen, auf denen das Gift festgestellt worden sein soll. Dabei kann es sich nicht um die Unterhose handeln, denn die ist in dem russischen Krankenhaus geblieben, in dem Nawalny zunächst behandelt worden ist. Die kontaminierten Gegenstände sind – so die offizielle deutsche Version – in dem Privatflieger zusammen mit Nawalny aus Russland nach Deutschland gebracht worden.

Das wirft natürlich Fragen auf, denn spezielle Transportcontainer gab es nicht, um die angeblich mit dem schlimmsten aller Nervengifte kontaminierten Gegenstände sicher zu transportieren. Also lagen in dem Flugzeug irgendwo diese Gegenstände herum, aber niemand ist krank geworden. Und dann wurden diese Gegenstände in die Bundesrepublik geschmuggelt (sie wurden bei der Einreise nicht übergeben oder beim Zoll deklariert, daher war das Schmuggel) und die Bundesregierung interessiert sich auch nicht dafür, wie das genau gelaufen sein soll.

Ist das glaubwürdig? Versuchen Sie mal, hochgiftiges Material nach Deutschland zu schmuggeln und das dann sogar in Interviews zu erzählen. Was glauben Sie, würden sich Staatsanwälte bei Ihnen melden? Oder wäre das den Staatsanwälten und anderen Behörden inklusive der Bundesregierung egal?

Mehr noch: Diese wichtigen Beweisstücke, auf denen die Bundeswehr Spuren von Nowitschok gefunden haben will, wurden nicht einmal auf Fingerabdrücke untersucht, wie die Bundesregierung auf einer frühere Anfrage mitgeteilt hat. Das hat die AfD interessiert und sie hat in Frage 8 noch einmal explizit danach gefragt, ob die Gegenstände auf Fingerabdrücke untersucht wurden, ob man das wenigstens vorhabe und ob man bereit sei, die Gegenstände den Russen für eine Untersuchung auszuhändigen.

Als Antwort verweist die Bundesregierung auf eine Reihe von Antworten, die sie schon früher auf Anfragen gegeben hat. Diese Antworten lassen sich wie folgt zusammenfassen: Das ist alles geheim, daher können wir darauf nicht antworten und den Russen geben wir auch nichts.

Was bitte ist warum geheim daran, ob die Gegenstände auf Fingerabdrücke untersucht wurden?

Deutsche Unterstützung beim Nawalny-Film

Das russische Außenministerium hat am 12. Februar 2021 mitgeteilt, dass Nawalny den Film nur mit Unterstützung der deutschen Regierung machen konnte. Der Grund ist einfach und Sie können danach jeden Studenten fragen, der für sein Studium mal versucht hat, Einblick in Stasiakten zu nehmen. Die Wartezeiten bei der Stasiakten-Behörde sind ewig lang. Nawalny aber hat sofort Zugang bekommen, konnte dort drehen und Unterlagen aus Stasiakten in seinem Film zeigen. Das geht so schnell nur mit Unterstützung „von oben“.

Leider hat die AfD ihre Frage falsch formuliert, denn sie hat gefragt, was die Bundesregierung dazu sagt, dass das russische Außenministerium behauptet, die Erstellung des Films sei „ohne die Billigung deutscher Behörden nicht möglich“ gewesen. Dank dieser Formulierung konnte die Bundesregierung sich mit folgender Antwort aus der Affäre ziehen:

„Für Recherchen und Dokumentationen in der Bundesrepublik ist eine Einwilligung der Bundesregierung nicht erforderlich.“

Maria Pewtschich

Die mysteriöseste Person im Zusammenhang mit Nawalnys angeblicher Vergiftung ist Maria Pewtschich. Das ist eine Mitarbeiterin von Nawalny, die in London sitzt. Details zu der geheimnisvollen Frau und vor allem zu ihren Kontakten finden Sie hier.

Pewtschich war bei Navalny als er angeblich vergiftet wurde. Sie war es auch, die die angeblich kontaminierten Gegenstände nach Deutschland geschmuggelt hat. Das sagte sie danach zumindest in Interviews mit Nawalny-treuen Medien der russischen Opposition.

Dazu hat die AfD schon im Februar eine Kleine Anfrage gestellt und wollte wissen, wer in dem Privatjet mit Nawalny aus Russland nach Deutschland gekommen ist. Die Antwort der Bundesregierung war verblüffend:

„Neben Alexej Nawalny befanden sich seine Ehefrau Julia Nawalnaya und eine Mitarbeiterin auf dem Flug von Omsk nach Berlin, mit dem sie in die Bundesrepublik Deutschland einreisten. Personenbezogene Daten der dritten Person wurden nicht erfasst. Die Bundesregierung verweist auf Presseveröffentlichungen, wonach es sich bei der dritten Person um Maria Pewtschich handelte.“

Personenbezogene Daten wurden nicht erfasst„? Wie jetzt? Eine Russin fliegt nach Deutschland und es findet keine Passkontrolle statt? Die Bundesregierung lässt einfach eine Frau einreisen, obwohl damals die Grenzen wegen Corona geschlossen waren und Russen nur mit Sondergenehmigung nach Deutschland einreisen durften. Aber die Bundesregierung behauptet, sie wisse nicht, wer da eingereist sei? Bei einem Politikum wie dem Fall Nawalny behauptet die Bundesregierung allen Ernstes, sie wisse nicht, wer mit Nawalny eingereist ist? Ist das glaubwürdig?

Daher hat die AfD in ihrer aktuellen Anfrage noch einmal nachgehakt und in den Fragen 12 bis 16 erneut detailliert zum Thema Pewtschich nachgefragt. Die AfD wollte wissen, ob Pewtschich die kontaminierte Wasserflasche nach Deutschland gebracht hat, ob Maria Pewtschich befragt worden ist, ob die Bundesregierung weiß, wo die Dame sich jetzt aufhält und so weiter.

Es lohnt nicht, alle Fragen zu zitieren, denn die Bundesregierung hat sie nicht beantwortet und nur wieder auf die Antwort vom Februar verwiesen, in der sie gesagt hat, dass „personenbezogene Daten nicht erfasst“ worden seien.

Da reist eine Russin, die für die Einreise ein Visum benötigt, zusammen mit Nawalny nach Deutschland ein, während die Grenzen wegen Corona für Russen geschlossen sind und bringt auch noch Gegenstände mit, die mit dem schlimmsten Nervengift der Welt kontaminiert sind und die Bundesregierung will von all dem nichts wissen und nicht einmal eine Passkontrolle durchgeführt haben. Kann es da noch irgendwen verwundern, dass man in Russland der Überzeugung ist, dass Pewtschich eine Mitarbeiterin westlicher Geheimdienste ist, die man notfalls auch einfach so über die Grenze winkt?

Wenn aber Nawalnys wichtigste Mitarbeiterin in London für westliche Geheimdienste arbeitet, was bedeutet das dann für Nawalny selbst?

OPCW

Ich will hier nicht auf alles eingehen, was die AfD zur OPCW gefragt hat. Nur die letzte Frage finde ich sehr interessant. Die OPCW hat ja offiziell die deutschen Erkenntnisse bestätigt, Nawalny sei mit Nowitschok vergiftet worden. Die AfD wollte in Frage 18 noch wissen, warum die Bundesregierung der OPCW nicht auch die kontaminierten Gegenstände zur Untersuchung übergeben hat? Die sind schließlich wichtige Beweismittel.

Die Antwort der Bundesregierung ist verblüffend dreist, denn sie verweist wieder auf ihre Antwort auf die Kleine Anfrage vom Februar. Wenn man die allerdings liest, dann stellt man fest, dass sie die gestellte Frage nach dem „Warum“ nicht beantwortet. Stattdessen lautete die Antwort der Bundesregierung vom Februar:

„Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) hat biomedizinische Proben von Alexej Nawalny entnommen, da nur diese eine lückenlose Beweisführung zulassen („chain of custody“).“

Mag ja sein, das war aber nicht die Frage.

Man fragt sich immer wieder, wozu es überhaupt Kleine Anfragen des Parlaments an die Regierung gibt, wenn die sie sowieso nicht beantwortet. Davon, dass der Bundestag die Bundesregierung kontrolliert und die Regierung dem Bundestag rechenschaftspflichtig ist, wie es in einer Demokratie und im Grundgesetz vorgesehen ist, kann keine Rede sein, wenn man solche Antworten der Bundesregierung liest. Und das war bei weitem kein Einzelfall.

Was das für die Demokratie in Deutschland bedeutet, kann sich jeder selbst zusammenreimen…

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

16 Antworten

  1. Wer sich hin und wieder die BPK antut, der wundert sich schon, das der Hr. Seibert, trotz fortgesetzter Arbeitsverweigerung, seinen Job immer noch hat.
    Aber er antwortet ja im Namen der Bundesregierung die selbiges, in Teilen, seit knapp 16 Jahren betreibt (und schlimmer). Er erst gut 10 Jahre. Der bleibt uns noch ein paar Jahre erhalten.

    1. Ein Fall von „Arbeitsverweigerung“ bestünde ja nur dort, wo ein Bediensteter die Anweisungen und Vorgaben seines Dienstherren missachtet. Der Schnösel Seibert exekutiert hingegen die Anweisungen und Vorgaben seines Dienstherren stets akkurat und gewissenhaft – stets zum Schaden der Demokratie und des deutschen Volkes (denn beide dürfen in diesem Staate keine Rolle spielen).

      1. Er meinte wohl „Antwortverweigerung“.

        Ist Alltag in der BPK wie bei Fragen von Reitschuster u. A. allseits bekannt.
        Das Jung&Naiv früher mal scheinbar aufmüpfig daher kamen ist Teil des Schauspiels oder auch die Strategie dieser Karnevalsveranstaltung.
        Wer ein wenig im Stoff drin ist durchschaut diese Knallchargen die auch noch schlecht gemacht und voll mit Fehlbesetzungen ist.

  2. Angesichts einer derartigen Missachtung der Rechte deutscher Parlamentarier durch eine Regierung, die ihre Legitimation ja (laut dem Verfassungssurrogat „Grundgesetz“) allein aus der Wahl durch eben dieses Parlament bezieht, wird klar, daß das Schlagwort „Demokratie-Simulation“ keineswegs eine Polemik darstellt, sondern eine nüchtern-sachliche Tatsachenfeststellung. Zahlreiche weitere Belege für diesen Befund sind dem in kürzester Zeit zum Standardwerk avancierten Buch „Abhängig beschäftigt“ zu entnehmen.

  3. Interessante Aspekte zum Thema ”Nawalny” liefert ein Beitrag von John Helmer, auf deutsch übersetzt bei „krass-und-konkret“.
    Danach hat Philipp Jaboby, der einzige deutsche Arzt, der Nawalny wegen seiner angeblichen Vergiftung behandelt hat, in einem Presseinterview mitgeteilt, dass die Planung des Evakuierungsflugs bereits einen Tag vor dem Flug von Tomsk nach Moskau, also am 19.8.2020, begonnen hat. Auch soll Maria Pewtschich schon auf der Intensivstation in Omsk von einer Vergiftung mit Nowitschok gesprochen haben, obwohl das Bundeswehrlabor dieses Militärgift erst am 28.8.2020 angeblich nachwies.

    Hier der Link: https://krass-und-konkret.de/?s=nawalny#https://krass-und-konkret.de/politik-wirtschaft/flight-doc-bei-fai-flight-ambulance-ueber-die-behandlung-von-nawalny/.

    1. Eine sehr interessante Seite von John Helmer. Offensichtlich wurde die ganze Aktion ja im Voraus geplant und man wollte wohl auch gleich die Merkel bloßstellen, um North Stream II zu verhindern.

      Und offensichtlich ist der Nawalny für die russischen Geheimdienste so unwichtig, dass sie von dieser Geschichte nichts bemerkten und man den Figuranten ausfliegen ließ.

  4. Vielen Dank für die Erinnerung an diesen Skandal.
    Die „schönste“ Stelle an der ganzen Sache für mich ist immer noch die mit der Vergiftung: Wie Nawalny ja im unnachahmlich investigativen Telefonverhör seines Attentäters *lach* herausbekommen hat, wurde ihm das Gift in die Unterhose geschmiert. Seine unbestechlichen, streng wissenschaftlichen Ärzte an der Charité hatten zuvor im renommierten Journal „the Lancet“ geschrieben, dass Nawalny „oral vergiftet“ wurde. Da Novichok eigentlich sehr schnell wirkt (außer bei den Skripals natürlich), kann er nicht morgens im Hotel die (hoffentlich) frische Unterhose ausgeschleckt haben, sondern erst im Flugzeug, als er ja kurz vor seinem Zusammenbruch auf dem WC war.
    Sorry, dass Ihr dieses Bild jetzt (auch) nicht mehr aus dem Kopf bekommt, aber mit solchen Perversen gibt sich Deutschland ab … Ist das nicht doch irgendwie lustig, mindestens unterhaltsam?

  5. Verstehe bis heute nicht wieso Russland Nawalny zur Behandlung ausreisen ließ.
    Immer wieder lässt sich Russland verarschen vom Westen.
    Rätselhaft fand ich aber auch den Besuch von Merkel bei Nawalny in der Charite.

    1. Sie sehen dies vom Standpunkt von jemandem, der unwidersprochener westlicher Propaganda ausgesetzt ist. Für die Russen ist der russische Bürger wichtiger, also jemand, dem man zwar die westliche Propaganda nicht vorenthält, aber dem auch die russische Gegenpropaganda nicht unbekannt bleibt.

      Und hier sieht die Lage nun einmal anders aus. Da sich die westliche Propaganda auch auf die eigenen Bürger konzentriert, und daher auf die russische Gegenpropaganda gar nicht eingehen muss, enthält sie viele Lücken, Ungereimtheiten, Fehler, und da dies im Westen kaum schadet, wird es auch nicht korrigiert. In Russland kann man all dies ausnutzen und nutzt es auch aus, und dadurch sieht es dort für die Bevölkerung ganz anders aus, die sieht nämlich eine völlig verlogene und an den Haaren herbeigezogene antirussische Hetzkampagne, der die Russen einfach nur verwunderte Fragen über Fragen stellen, die keine Antworten bekommen.

      Warum sollte sich Russland darum kümmern, was die dummen Wessis glauben? Wichtig ist nur, dass es bei Kontakten zwischen ihnen und Russen keine Beeinflussung der Russen gibt. Das ist aber nicht zu befürchten wenn die Russen die westliche Propagandalinie plus die Gegenargumente schon kennen.

      Also, man wusste dass eine Propagandakampagne um Nawalny starten würde, und war der berechtigten Überzeugung, dass man dort, wo es darauf ankommt, stärker sein würde.

    2. Man muß da nur an die Alternative denken. Was wäre, wenn … man gesagt hätte: nö, der bleibt hier.
      Und dann bin ich auch etwas zurückhaltend mit der Allwissenheit von Geheimdiensten…
      Ich meine Nawalny is hier eine große Nummer, und auch wenn wir wissen, daß er das dort überhaupt nicht ist, denken wir, daß allein, weil der bei uns so hoch gejubelt wird, sich die russischen „Dienste“ mit dem da quasi lückenlos befassen würden…

      Ich meine, aus der Retrospektive sieht das sehr geplant aus, und bei aller Skepsis gegenüber großen Plänen, die mir da so eigen ist, spricht so ziemlich alles dafür.
      Die einzige Variable oder besser Ungewissheit besteht in der Antwort auf die Frage: Wie hat man Nawalny in diesen Zustand gebracht?
      Meine ursprüngliche These war: „Zufall“ – der (oder man) hat dort irgendwie Mist gebaut – und das hat man ausgenutzt – da liefen dann diverse vorbereitete Handlungsalgorithmen, die entsprechend variablen situationskonformen Planspiele an…

      Das halte ich inzwischen auch für etwas gewagt, will es aber nicht ausschließen, wenn man bedenkt, daß es unter der abstrakten Vorgabe (die RF irgendwie anzukacken) bei einer möglichen Wirkung zwischen „0“ und einem gedachten Maximum, im Grunde völlig gleichgültig ist, wie das Ergebnis ausfällt – wenn es „0“ ist – dann halt bis zum nächsten Mal (und von praktisch unbegrenzten ökonomischen Ressourcen können wir wohl ausgehen).

      Wenn man Nawalny bewußt hat „krank“ werden lassen (vielleicht gar mit seinem Wissen, wenn er verrückt genug ist), dann ist es auf Grund der Befehlsausgabe „Vergiftung“ völlig egal, wie die Geschichte weiter läuft:
      Der „ungünstigste“ Fall wäre gewesen, der wäre in einem russischen Krankenhaus wieder ganz gesund geworden – doch selbst dann wäre noch „etwas hängen geblieben“…(Zumal russische Ärzte von Putin höchst persönlich gekauft oder mit dem Gulag bedroht werden oder einfach zu blöd sind, während wir – im „freien Westen“ – über lauter völlig unabhängige, vor Redlichkeit und medizinischem Ethos nur so strotzende „Dr. Häuser“ verfügen.)

      Aber entscheidend ist eigentlich etwas anderes – zwei Dinge:

      1.
      Welcher vernünftige Mensch konnte denn vorhersehen, das die nach „Skripal“ „Nowytschok, die 2.“ abziehen?

      Und „Nowytschok“ ist der Schlüssel. Es mußte „Nowytschok“ sein, und nicht etwa „der grüne Knollenblätterpilz“ o.ä., weil: = „russisch“ – = „chemischer Kampfstoff“ – = „Völkerrecht“ und das ganze, damit im Zusammenhang stehende „Gentlement’s set“ an Problemen, wie die Russen das jüngst so schön auszudrücken beliebten.

      Die internationale Autorität der RF als Verfechter des klassischen Völkerrechtes war das Ziel, und wenn man das Völkerrecht zerstören will, muß man deren stärkste Träger zerstören, denn wir haben nunmal keine höhere „unabhängige“ Instanz, darüber is nur der Blaue Himmel.

      2.
      Das Folgende ist mehr als eine Vermutung aber weniger als Gewißheit, sagen wir – „mein Eindruck“:

      Die Russen haben sich bis zum Fall „Nawalny“ nicht wirklich vorstellen können, oder es nicht wahr haben wollen, daß das alles bestimmende Ziel des „kollektiven Westens“ in der Zerstörung der RF besteht – nicht unbedingt in seiner formalen Existenz als Staat, sondern umfassender – ihrer „Lebensart“, „Lebensauffassung“, ihrer „Weltsicht“ …

      Ich kann das jetzt nicht im Einzelnen „belegen“, man kann es meiner Ansicht nach durchaus – „hie und da“ – aus einigen „Anmerkungen“ schließen, z.B. auch, aber nicht nur, bei Lawrow.

      Und es ist ja auch schwer vorstellbar, weil es – bei aller Liebe zum „Wettbewerb“ – so irrational daherkommt.

      Freilich gab es sicher schon vorher – in der russischen Administration und diversen akademischen oder gesellschaftlichen Institutionen – Leute, die das gesehen haben. Aber so richtig in das „gesamtstaatliche“ Bewußtsein vorgedrungen und präsent geworden ist das m.E. erst nach „Nowytschok die 2.“.

      Lukaschenko soll vor Kurzem gemeint haben (so in etwa): „Wir haben bisher, trotz allem, immer gedacht: Klar wir sind von Fall zu Fall verschiedener Meinung – aber hej – wir können uns doch zusammensetzten und darüber reden …“

      1. Die zweite Vermutung halte ich gar nicht für so abwegig. Anständige Menschen rechnen bis zum Schluss nicht damit. betrogen zu werden, so eine Bösartigkeit existiert nur sehr abstrakt in deren Vorstellungskraft.

  6. Die Bundesregierung mauert, weil sie in dieser Angelegenheit diverse Leichen im Keller hat. Ich bin der vollen Überzeugung, dass sie den Nawalny-Hoax selbst inszeniert hat oder an der Inszenierung massgeblich beteiligt war. Das überzeugendste Indiz dafür hat Helmer geliefert. In einem Beitrag hat er veröffentlicht, dass die Crew des Flugzeuges, das Nawalny nach Deutschland brachte, schon am Tag vor der angeblichen Vergiftung über den bevorstehenden Einsatz informiert war.

  7. „[Nawalnys] … Aufenthalt im Schwarzwald hat nach groben Schätzungen mindestens eine Million Euro gekostet, denn Nawalny lebte dort wochenlang in einer teuren Villa, die tageweise vermietet wird.“

    Grobe Schätzungen auf welcher Grundlage? Es wird eine horrende Zahl in den Raum gestellt um die Leser zu manipulieren, Beweise bleiben jedoch aus.
    Selbst wenn € 500 pro Nacht für eine Villa gezahlt wurden, kämen in den von Ihnen genannten zwei Monaten nur ca. € 30.000 für die Übernachtungen zusammen. Richtig interessant wäre doch jetzt, für was die restlichen € 970.000 ausgegeben wurden. Oder wurde hier vielleicht absichtlich ein bisschen zu grob geschätzt?

    1. Nun, Sie vergessen die übrigen Kosten. Der Tross Nawalnys musste ja auch versorgt werden, und das war eine grosse Meute. Ausserdem bekommen Sie kein Chalet in dieser Gegend für 500 Euro am Tag. Hinzu kommen noch Kosten für das Machwerk „Putins Palast“ (ganzen Produktionskomplex mieten). Also bevor Sie hier grosse Töne spucken, sollten Sie sich erst informieren.

    2. Entschuldigen Sie, aber wozu setze ich wohl Links in meine Artikel?
      Könnte der Grund sein, dass sich Leser, die sich solche Fragen stellen, wie Sie, anhand der Links darüber informieren können, wie ich zu einer gemachten Aussage komme? Wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten, zuerst den Link zu prüfen, hätten Sie diesen Kommentar nicht geschrieben. Oder Sie wären in Ihrem Kommentar darauf eingegangen und hätten mitgeteilt, was an den genannten Angaben Ihrer Meinung nach nicht stimmen kann. Es geht ja nicht nur um die Villa, sondern auch um die Miete des Studios für mehrere Wochen, Gehälter für Mitarbeiter, die an dem Film gearbeitet haben uns so weiter.
      Auch wenn mein Kommentar etwas grob klingt und es mir leid tut, dass Sie ihn abbekommen, musste ich das mal loswerden, denn das erlebe ich in den Kommentaren immer wieder. Bitte bei Fragen dazu, wie ich zu einer Aussage komme, immer zuerst den Links folgen. Danach erledigt sich einiges von selbst, während andererseits die Diskussionen hier wesentlich gehaltvoller werden, wenn die von mir gezeigten Informationen auch berücksichtigt werden.
      Sorry, dass Sie das Pech hatten, in dieser Sache derjenige zu sein, dessen Kommentar nun zu meiner Reaktion geführt hat, die mir schon lange auf der Zunge lag!

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