Vor zehn Jahren waren die Enthüllungen von Edward Snowden über die Abhöraktionen des US-Geheimdienstes NSA noch ein Skandal und ein großes Thema in den Medien. Seitdem haben die USA offenbar ihren Einfluss genutzt, um die westlichen Medien noch enger an die Kette zu nehmen, denn spätere Abhörskandale der US-Geheimdienste haben zum Beispiel in Deutschland bestenfalls noch für kleine Meldungen gesorgt. Wer in Deutschland hat zum Beispiel davon gehört, dass 2021 ans Licht gekommen ist, wie die NSA mit Unterstützung der dänischen Regierung die nordeuropäischen Länder abgehört hat? Wenn das für Sie neu sein sollte, können Sie es hier nachlesen.

Folgen hatte das keine, es gab ein paar Medienberichte, dann wurde der Skandal schnell wieder vergessen. Das gleiche haben wir nun wieder beim Pentagon-Leak erlebt, bei dem neue Details über die Abhörpraktiken der NSA bekannt geworden sind, ohne dass deutsche Medien der Meinung sind, darüber ausführlich berichten zu müssen.

Anders in Russland, denn am Sonntag war das ein Thema im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens und ich habe den russischen Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Westliche Geheimdienste versuchen, die Explosion einer Informationsbombe zu vertuschen

Im April erregte die Geschichte vom „Leak“ geheimer Pentagon-Dokumente durch Jack Teixeira, einen 22-jährigen amerikanischen Militäroffizier aus Massachusetts, großes Aufsehen. Er hat mehr als tausend Seiten im Netz veröffentlicht, doch die größte Resonanz fanden die Dokumente über das weltweite elektronische Spionageprogramm der amerikanischen NSA. Sie hört Gespräche von Politikern, Beamten und hochrangigen Militärs in der ganzen Welt ab, auch von Verbündeten.

Das Abhören erfolgt über gehackte elektronische Geräte – Smartphones, Tablets, Smart-TVs und andere Internet-Geräte. Die russischen Geheimdienste FSB und FSO haben eine offizielle Erklärung darüber abgegeben, dass die Spionageoperationen der NSA über Apple-Produkte durchgeführt wurden: „Es wurde festgestellt, dass mehrere tausend Telefone dieser Marke infiziert wurden. Neben den inländischen Teilnehmern wurden auch ausländische Nummern und Teilnehmer infiziert, die Sim-Karten benutzen, die bei diplomatischen Vertretungen und Botschaften in Russland registriert sind, darunter Länder des NATO-Blocks und des postsowjetischen Raums sowie Israel, Südafrika und China. Die von den russischen Nachrichtendiensten erlangten Informationen zeugen von der engen Zusammenarbeit des amerikanischen Unternehmens Apple mit den nationalen Nachrichtendiensten, insbesondere der NSA. Das Unternehmen stellt den US-Geheimdiensten eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung, um alle Personen zu überwachen, die für das Weiße Haus von Interesse sind, einschließlich ihrer Partner bei anti-russischen Aktivitäten, aber auch ihre eigenen Bürger.“

Jack Teixeira ist hinter Gittern. Sein Prozess begann Ende Juni. Ihm drohen bis zu 60 Jahre Gefängnis. Es ist klar, dass die amerikanischen Geheimdienste das Thema am liebsten totschweigen würden. Aber das Internet vergisst nichts, wie unsere Reportage zeigt.

Die westlichen Geheimdienste versuchen, die Explosion der Informationsbombe zu verbergen, aber es gelingt ihnen nicht. Viele Dokumente wurden bereits aus dem freien Zugang entfernt, aber sie blieben bei Hackern und Mitgliedern geschlossener Gemeinschaften im DarkNet. Dies ist das Kennzeichnungssystem für diese Papiere: „vertraulich“, „geheim“, „streng geheim“, „Informationen, die durch elektronische Aufklärungsmethoden erlangt wurden“, einschließlich „im Verlauf besonders wichtiger Unternehmungen“, „Informationen, die nur für die USA bestimmt sind“, „Informationen, die mit der NATO geteilt werden können“, und Daten, die mit der „Five Eyes Alliance“ geteilt werden können. Das ist der Name des Fünf-Nationen-Bündnisses der Geheimdienste der USA, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Neuseelands.

Jetzt konzentriert sich das Bündnis auf die Lage in der Ukraine. In den NSA-Materialien, die als „streng geheim“ und „zur Weitergabe an die Five Eyes“ gekennzeichnet sind, finden sich unter anderem Hinweise auf das Abfangen geheimer Dokumente der Hauptoperationsdirektion des russischen Generalstabs und des nationalen Verteidigungskontrollzentrums. Offenbar wurde versucht, in das geschlossene Computernetzwerk des Verteidigungsministeriums einzudringen: „Die russische 3. Direktion der Hauptoperationsdirektion übermittelte am 27. Februar Informationen über ein Ziel – ein Öllager und Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte in Kryvyi Rog -, das möglicherweise zu einem nicht näher bezeichneten Zeitpunkt getroffen werden könnte. Ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums bat um Befehle, weitere Aufklärung und die Übermittlung der Zielkoordinaten an eine Führungsgruppe auf dem Schlachtfeld, um das Ziel zu zerstören.“

Es geht auch um unsere „Pläne zur Bekämpfung von NATO-Panzern, die ab April 2023 in die Ukraine fahren!“ So lautet der Titel der Zusammenfassung. Über die Details der Pläne gibt es jedoch nur allgemeine Informationen. Wie sind sie an diese Daten gekommen?

„Das ist das beste Mittel der Aufklärung. WhatsApp schaltet mal die Kamera, mal das Mikrofon, dann wieder die Kamera, dann wieder das Mikrofon ein, obwohl WhatsApp nicht benutzt wird. Deshalb sollte die Verwendung von Smartphones heute verboten werden, vor allem in wichtigen russischen Behörden, denn alle nachrichtendienstlichen Informationen kommen heute über diese Geräte“, sagte Alexander Ionow, Leiter der russischen Anti-Globalisierungsbewegung und Menschenrechtsaktivist.

Das Verteidigungsministerium hat die verwundbarsten Stellen in seiner digitalen Verteidigung identifiziert und beseitigt.

Dies ist eine NSA-Abhöraktion über Selensky vom Februar dieses Jahres. Daraus geht hervor, dass die USA selbst über Gespräche hinter den Kulissen der ukrainischen Präsidialverwaltung Bescheid wissen: „Selensky äußerte am 28. Februar gegenüber dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Valery Saluzhny, und einem nicht identifizierten ukrainischen Beamten die Besorgnis, dass die Ukraine keine Langstreckenraketen hat, die russische Truppenstellungen in Russland erreichen könnten, und auch nichts, womit sie diese angreifen könnte.“

Das war, bevor Großbritannien Kiew mit seinen Storm Shadow belieferte. Und jetzt schicken auch die Franzosen Langstreckenraketen vom Typ SCALP in die Ukraine. Es liegt der Schluss nahe, dass die USA ihre NATO-Politik anpassen, auch auf der Grundlage solcher geheimen Berichte ihrer Geheimdienste.

Die USA spionieren auch ihre NATO-„Freunde“ aus. Flirtet zum Beispiel Berlin mit Peking? Hier eine NSA-Zusammenfassung eines Treffens zwischen Beamten des deutschen Verteidigungsministeriums und ihren chinesischen Kollegen: „Die Deutschen waren sich bewusst, dass China versuchte, Europa angesichts des starken Drucks der USA zu ‚bezirzen‘, und die Deutschen glaubten, dass sie die Solidarität mit den USA aufrechterhielten, indem sie sich weigerten, eine größere Verteidigungszusammenarbeit mit China einzugehen.“

Die Amerikaner haben schon immer großen Wert auf elektronische Spionage gelegt. Als es noch keine Smartphones gab, setzten sie Wanzen, Richtmikrofone und winzige versteckte Videokameras ein.

„Ein hochrangiger Verwaltungsbeamter reiste um die Welt und erzählte, dass die Amerikaner über 40 Länder, UN-Partner und die Führer dieser Länder abhörten. Wenn Sie denken, dass ich von Edward Snowden spreche, dann ist das falsch. Snowden war im Jahr 2013, aber die Geschichte, die ich erzähle, liegt 40 Jahre zurück. Einer der ersten Überläufer von der NSA war ein Mann namens Hamilton, dann gab es noch zwei andere. Sie erzählten dasselbe: Die Amerikaner hören jeden ab“, sagte Andrej Masalovitsch, ein Experte für Cybersicherheit und gegnerische Geheimdienste.

Ganze internationale Organisationen und ihre Leiter stehen unter dem Pantoffel der NSA. Aus diesem Dokument wird die Haltung des UN-Generalsekretärs António Guterres gegenüber Selensky deutlich: „Jermak teilte ihm mit, dass Selensky mit Guterres persönlich sprechen wollte, was Guterres zu verärgern schien. Obwohl Guterres offensichtlich nicht begeistert war, nach Kiew zu reisen, argumentierte er, dass die Reise notwendig sei, wenn das erforderlich sei, um ‚die Situation zu entwirren‘.“

Die USA haben Guterres in der Tasche, wie sie es nennen, aber sie überwachen ihn trotzdem. Was soll man dann über die sagen, die es wagen, Washington offen zu kritisieren? Die CIA-Einsatzzentrale aktualisiert regelmäßig Informationen über den ungarischen Premierminister Viktor Orban. Unter „vertraulich“ lesen wir: „Orban bezeichnete die USA als einen der drei wichtigsten Gegner seiner Partei.“

Auch zu Afrika haben die USA ein nicht einfaches Verhältnis. Im Vorfeld des Russland-Afrika-Gipfels verstärken die amerikanischen Geheimdienste die Überwachung auch in diesem Teil der Welt. Bibang Nchuchuma, der Minister für auswärtige Sicherheit Äquatorialguineas, sagte, Russland und „nicht der Westen“ sei „in Sicherheitsfragen führend“.

Viele der von der NSA abgehörten Gespräche wurden von Staatsoberhäuptern und wichtigen Politikern nicht einmal am Telefon, sondern persönlich geführt. Aber irgendwo in der Nähe war ein Smartphone oder Tablet mit Internetzugang. Oder es gab einen Laptop oder einen Desktop-Computer. Oder es lief ein Smart-TV. Das nennt man „verdeckte akustische Überwachung“ bei gehackten Smart-Geräten mit eingebauten Mikrofonen.

Um einer Abhörung zu entgehen, reicht es nicht aus, das Telefon in die Tasche, einen Beutel oder die Schreibtischschublade zu stecken. Die Mikrofone moderner Gadgets sind extrem empfindlich. Wenn sie sich in demselben Raum befinden, in dem Sie sprechen, kann die NSA das Gespräch hören. Aber Gegenmaßnahmen sind möglich.

„Man kann die Arbeitsplatz so organisieren, dass die Gespräche, die der Gegner hört, kein Bild ergeben. Man kann Archive schützen, an die der Gegner nicht herankommt, man kann die Arbeit der Mitarbeiter schützen. Die Türkei hat herausgefunden, dass man das WhatsApp ihrer Beamten liest. Sie haben einen türkischen Messenger erfunden. Nordkorea hat beschlossen, dass das Internet unfreundlich ist, und sein eigenes Smartphone und seinen eigenen Messenger entwickelt. Die Amerikaner, so vermute ich, lesen das nicht“, bemerkte Andrej Masalovitsch.

Für NSA und CIA ist es einfacher als mit den Fingern zu schnippen, in amerikanische Gadgets einzudringen. Das russische Ministerium für Industrie und Handel hat ein Verbot der Verwendung von Apple-Geräten für dienstliche Zwecke erlassen. Bei seiner Entscheidung stützte sich das Ministerium auf Informationen des FSB, die darauf hindeuten, dass das amerikanische Unternehmen eng mit den US-Geheimdiensten zusammenarbeitet, insbesondere mit der amerikanischen NSA.

Nach dem Ministerium für Industrie und Handel verbot auch Rostec allen seinen Mitarbeitern, einschließlich der Organisationen, die Teil des Staatskonzerns sind, die Verwendung von „Apfel“-Geräten. Die Fähigkeiten der National Security Agency und anderer westlicher Geheimdienste nehmen zu, und darauf müssen wir vorbereitet sein. Für den Anfang reicht es aus, sich bewusst zu machen, dass der Satz „Nicht am Telefon“ immer aktueller wird.

Ende der Übersetzung