US-Biolaboratorien

Betreibt das Pentagon Menschenversuche in Georgien?

Russland ist besorgt über Biolabors, die das Pentagon in vielen Ländern der Welt betreibt und von denen nicht bekannt ist, woran dort gearbeitet wird. Da die deutschen "Qualitätsmedien" dieses Thema konsequent verschweigen, berichte ich darüber.

Ich habe schon öfter über das Richard-Lugar-Zentrum in Georgien berichtet. Das ist ein US-Biolabor, das zum Pentagon gehört, und von dem nicht bekannt ist, was dort erforscht und mit welchen Erregern dort gearbeitet wird. Die Existenz des Labors ist nicht geheim, es ist keine russische Verschwörungstheorie, man findet dazu auch auf Deutsch und Englisch Informationen im Netz.

Die USA verweigern anderen Staaten die Kontrolle dieses und anderer Pentagon-Labore in der ganzen Welt. Während die USA zum Beispiel von China fordern, es solle westliche Kontrolleure in seine Biolabore lassen, lassen die USA ausländische Kontrollen in ihren Laboren nicht zu, nicht einmal in denen, die sie im Ausland betreiben. Man muss sich generell fragen, wozu das Pentagon Biolabore in anderen Staaten betreibt, denn es geht nicht nur um das Labor in Georgien, es geht um etwa 20 Labore allein in der Ukraine und Georgien.

Offiziell wird dort Pandemie-Forschung zum Wohle der Menschheit betrieben, aber es wurden nie Forschungsergebnisse veröffentlicht. Daher ist ein gewisses Misstrauen durchaus berechtigt. Man stelle sich vor, wie die USA reagieren würden, wenn China oder Russland solche Labore in Mexiko, Venezuela oder auf Kuba betreiben würden. Die USA wären gegen solche Labore in der Nähe ihrer Grenzen, aber sie selbst betreiben Labore in der ganzen Welt, ohne sich um die Sorgen anderer zu kümmern.

Frühere Tests von Biowaffen an der US-Bevölkerung

Dabei sind Sorgen berechtigt, immerhin haben die USA früher Feldversuche mit Krankheitserregern an der eigenen Bevölkerung durchgeführt. Da das zu Skandalen geführt hat, liegt die Vermutung nicht fern, dass das Pentagon diese Dinge nun in andere Länder „ausgelagert“ hat. 2016 wurden mehrere Fälle bekannt. Ich werde nur Beispiele nennen, hier finden Sie mehr zu dem Thema.

Am 20. September 1950 spritzte die US-Marine von einem Schiff vor San Francisco eine Wolke von Mikroben in die Luft. Zweck der Übung war es zu testen, wie ein Angriff mit Biowaffen die 800.000 Bewohner der Stadt treffen würde. Es gab mindestens einen Toten.

1966 wurde sogar in der New Yorker U-Bahn ein Biowaffentest durchgeführt. Forscher der Armee haben mit Bakterien gefüllte Glühbirnen auf die Gleise geworfen und gemessen, wie sich die Keime im Tunnelsystem verbreiten. Aufgrund der Sogwirkung fahrender Züge konnten sich an der 14. Straße freigesetzte Bakterien problemlos bis zur 58. Straße ausbreiten, wie ein beteiligter Wissenschaftler 1975 in einer Anhörung aussagte.

Da all diese Dinge erst Jahrzehnte später bekannt geworden sind und nie jemand bestraft wurde, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass das Pentagon diese Praktiken eingestellt haben könnte. Man muss dem Pentagon nicht einmal böse Absichten unterstellen, auch bei den früheren Versuchen ging man im Pentagon davon aus, die Versuche seien ungefährlich. Aber das waren sie nicht.

Das Lugar-Labor in Georgien und die ungeklärten Todesfälle in dem Labor waren nun wieder Thema eines Beitrages des russischen Fernsehens, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Georgien hat seine biologische und epidemiologische Souveränität verloren. Die Risiken für Russland sind gemäß einer Stellungnahme von Anna Popova, der Leiterin der russischen Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor, die im Fernsehsender NTV ausgestrahlt wurde, sehr hoch. Sie sprach über ausländische Biolaboratorien in der Nähe der russischen Grenzen. Vor allem über das berüchtigte georgische Zentrum, das nach Richard Lugar benannt ist. Nach der offiziellen Version ist es auf die Erforschung biologischer Gefahren spezialisiert. In den letzten Jahren wurde es jedoch wiederholt mit Tests von biologischen und chemischen Waffen in Verbindung gebracht. Es arbeitet seit zehn Jahren im Rahmen eines Programms der amerikanischen Regierung. Nikolai Patruschew, der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, hat übrigens gerade über die Schlüsselrolle der Vereinigten Staaten bei der Einrichtung und dem Betrieb solcher Institutionen gesprochen. In einem Interview mit Argumenty i Fakty betonte er, dass die Vereinigten Staaten unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung die Gesundheit von Dutzenden Millionen Menschen gefährden und „so deren Rechte verletzen“. Und nun hat Anna Popova ähnliche Bedenken geäußert. Und es gibt in der Tat einiges, wovor man Angst haben muss.

Dieses Video mit dem vielsagenden Titel „Russische Propaganda gegen das Labor in Tiflis“ hat in dem knappen Jahr, in dem es online ist, nur etwas mehr als zweitausend Zuschauer erreicht, aber das amerikanische YouTube listet es bei einer Suchanfrage zu „Lugar“ an erster Stelle der Suchergebnisse. Andere Videos über das georgische Zentrum mit zehntausenden von Aufrufen werden von YouTube vorsorglich am Ende der Suchseite platziert. In dem Video heißt es:

„Das Lugar-Labor ist ein lebendiges Beispiel für die amerikanisch-georgische Partnerschaft, darum ist es Desinformationsangriffen ausgesetzt.“

Nach der offiziellen Version haben die Pioniere der georgischen Epidemiologie in den letzten zehn Jahren zum Wohle der Nation hinter hohen Zäunen und Stacheldraht Influenzaviren, Parainfluenzaviren und andere Krankheitserreger untersucht. Das klingt ziemlich seltsam, schließlich bietet Georgien zum Wohle der Nation nicht einmal kostenlose Impfungen gegen Röteln und Masern an, die von der WHO in die Liste der Pflichtimpfungen für das erste Lebensjahr aufgenommen wurden.

„Es ist von unschätzbarem Wert, ein solches Labor in diesem Land zu haben. Schließlich kann jeder Arzt, der komplizierte Krankheiten behandelt, auf dessen Dienste zurückgreifen“, heißt es in dem Video.

Es ist beängstigend, sich vorzustellen, woran jemand erkrankt sein muss, um die Dienste von Lugar in Anspruch zu nehmen. Der amerikanische Journalist Jeffrey Silverman, der dem Labor in der Vergangenheit Menschenversuche vorgeworfen hat, hat neue Dokumente veröffentlicht, die Fälle von georgischen Wehrpflichtigen dokumentieren, die mit höchst atypischen Krankheitserregern infiziert wurden, darunter West-Nil-Fieber, Milzbrand, Brucellose und andere tödliche Viren und Bakterien.

„Die Amerikaner haben fast eine Milliarde Dollar für den Bau von 20 Labors in Georgien und der Ukraine ausgegeben. Dieses Geld stammt nicht von einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt kümmert, sondern vom Pentagon. Es handelt sich um einen hochmodernen Komplex, der einem Erdbeben der Stärke 9 standhält und die vierthöchste Sicherheitsstufe aufweist. Warum sollte das kleine Georgien, das keine Pläne hat, biologische Waffen zu entwickeln, so etwas brauchen?“, fragt unser Militärexperte Alexander Rogatkin.

Menschenversuche sind leider keine Horrorgeschichte aus dem Fernsehen. Laut Berichten des Labors, die vom ehemaligen georgischen Minister für Staatssicherheit Georgadse freigegeben wurden, starben in den Jahren 2015 und 2016 60 Menschen innerhalb der Mauern von Lugar. Die Todesursache war laut den Wissenschaftlern unbekannt. Sowohl Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest als auch das Auftreten von Gelbfieber übertragenden Stechmücken wurden im Laufe der Jahre mit dem Zentrum in Tiflis in Verbindung gebracht.

„Als das Labor noch im Bau war, hatten wir einen Plan der Räumlichkeiten des Labors. Es wurden spezielle Räume für die Ansammlung großer Mengen von Viren und Keimen eingerichtet, was den wahren Zweck dieses Labors beweist“, sagt Gennadi Onischtschenko, ehemaliger Leiter der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor und Mitglied der Staatsduma.

Georgien bemüht sich, größtmögliche Offenheit zu demonstrieren und lädt jeden ein, die Anlage zu besichtigen, aber das beschränkt sich auf inszenierte Videos, in denen georgische Schulkinder durch die Gänge des Hochsicherheitslabors laufen.

„Was auch immer die georgische Regierung darüber verkünden mag, sie habe die Kontrolle über das Lugar-Labor übernommen, ist nicht wahr. Die Georgier waren sogar gezwungen, ihre Anti-Monopolgesetze zu ändern, damit nur Amerikaner dieses Labor warten können. Das Labor wird von amerikanischen Spezialisten gewartet, die einen Vertrag mit dem Pentagon haben“, sagt der Politikwissenschaftler Jewgeni Michailow.

Faktisch ist Lugar eine geschlossene Militäreinrichtung, die für unabhängige Experten nicht zugänglich ist. Hochrangige Pentagon-Beamte wiederum kommen regelmäßig in das Zentrum. Man kann sie verstehen, denn die USA haben bereits über 350 Millionen Dollar allein für die Forschung in dem Labor ausgegeben.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. „auch bei den früheren Versuchen ging man im Pentagon davon aus, die Versuche seien ungefährlich.“

    Ist das mehr als eine Behauptung? Ich meine, gibts es für diese wohlwollende Interpretation der Geschichte auch nur einen Beweis?
    Ist es nicht realistischer davon auszugehen das dies eine reine Schutzbehauptung war und man schlicht und ergreifend keinen Furz darauf gab ob man anderen schadet?

  2. Es ist absolut nicht nachzuvollziehen wie irgend ein Land auch nur einen Quadratzentimeter seines Territoriums einem fremden Staat überlassen kann, ohne auch nur den Hauch einer Ahnugn zu haben was dort getrieben wird.
    Das fängt bei der Airbase Ramstein an und hört bei solchen Biolaboren wie in der Ukraine auf.
    Sowas dürfte es nicht geben wenn die Regierungen die Interessen ihrer Bürger achten würden.

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