Westliche Werte

Was die Verleihung des Sacharow-Preises an Nawalny über den Preis selbst aussagt

Das EU-Parlament hat Nawalny den Sacharow-Preis für seine "immense Tapferkeit" im Kampf für die Menschenrechte in Russland zugesprochen. Wenn Sacharow wüsste, wie die EU seinen Namen missbraucht, würde er im Grabe rotieren.

Andraj Sacharow war ein sowjetischer Dissident, der wirklich für Freiheit und Menschenrechte gekämpft hat. Einen mit 50.000 Euro dotierten Menschenrechtspreis nach ihm zu benennen, ist seiner Lebensleistung daher mehr als würdig. Aber wenn Sacharow wüsste, wie das EU-Parlament den nach ihm benannten Preis nun entwürdigt hat, würde er sich im Grabe nicht nur umdrehen, er würde wild darin rotieren.

Nawalny: Ein Betrüger und Rassist

Der Spiegel lobt die Preisverleihung an Nawalny natürlich in den höchsten Tönen und zitiert die Begründung für die Verleihung des Preises an ihn mit den Worten:

„»Er hat unermüdlich gegen die Korruption des Regimes von Wladimir Putin gekämpft. Dies kostete ihn seine Freiheit und fast sein Leben«, teilte EU-Parlamentspräsident David Sassoli mit. Mit dem heutigen Preis werde Nawalnys immense Tapferkeit gewürdigt.“

Nun ist Nawalny keineswegs in russischer Haft, weil er gegen Putin ist, sondern weil er vor etwa zehn Jahren von einer französischen Firma wegen Betruges angezeigt und dann deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Da er wiederholt gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat, wurde die Bewährung aufgehoben und Nawalny muss seine Strafe absitzen. So banal ist die Geschichte, aber das hindert das EU-Parlament nicht daran, die Geschichte ein wenig „kreativer“ zu erzählen.

Und dass Nawalny ein erklärter Nationalist und Rassist ist, der muslimische Einwanderer als Kakerlaken bezeichnet und als Mittel der Wahl gegen sie Pistolen empfiehlt und dass er der EU während der Flüchtlingskrise 2015 empfohlen hat, die Flüchtlinge an der EU-Grenze zu erschießen, das verschweigen Spiegel und EU-Parlament auch lieber. Übrigens verschweigt der Spiegel das wider besseren Wissens, denn der Chef des Moskauer Spiegel-Büros hat in einem Artikel gezeigt, dass er von all dem weiß, aber anstatt Nawalny dafür zu kritisieren, hat er Nawalnys Rassismus und radikalen Nationalismus einfach runtergespielt, die Details finden Sie hier.

Die diesjährigen Anwärter

Unter den diesjährigen Anwärtern des Sacharow-Preises, gegen die Nawalny sich durchgesetzt hat, war auch die bolivianische ehemalige Übergangspräsidentin Jeanine Áñez. Dass das EU-Parlament diese Dame in den engsten Kreis der Anwärter aufgenommen hat, zeigt, was der Sacharow-Preis in Wahrheit (geworden) ist.

Im Oktober 2019 fanden in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt, die der Amtsinhaber Morales gewonnen hat. Der Westen verkündete jedoch, die Wahl sei gefälscht worden und befeuerte Unruhen in dem Land. Dass der Westen selbst die Wahlen gestört und so den Vorwand für die Fälschungsvorwürfe von langer Hand vorbereitet hatte, wurde im Westen nicht berichtet, die Details finden Sie hier.

Schließlich putschte das Militär mit Unterstützung des Westens gegen Morales und setzte die Übergangspräsidentin Jeanine Áñez ein, die die Proteste gegen den Putsch blutig niederschlagen ließ. Das fand der Westen demokratisch.

Dass Medien wie der Anti-Spiegel und andere schon damals berichtet haben, dass es sich um einen vom Westen orchestrierten Putsch gegen den rechtmäßigen Wahlsieger gehandelt hat, war natürlich wahlweise Fake News oder russische Propaganda. Aber wie das so ist, man braucht nur etwas Geduld und die westlichen Medien geben ihre Lügen oft nach einiger Zeit selbst zu, ohne ihre Leser allerdings auch darüber zu informieren, dass sie gelogen (oder sich geirrt) haben.

Als bei den Neuwahlen ein Jahr später die Partei von Morales deutlich gewann und Jeanine Áñez und ihre Leute abgesetzt wurden, ist beim Spiegel etwas sehr interessantes passiert: Der gleiche Experte und Lateinamerika-Korrespondent des Spiegel, der 2018 gegen Morales gewettert und den Spiegel-Lesern den Militärputsch als „Volksbewegung“ gegen Morales verkauft hat, schrieb zur Wahl ein Jahr später das exakte Gegenteil und sprach nun auch von einem Putsch durch Jeanine Áñez und ihre Leute. Und dass sich die Vorwürfe, die Wahl von Morales sei gefälscht gewesen, als unwahr herausgestellt haben, konnte man mit einem Jahr Verspätung auch beim Spiegel erfahren, die Details finden Sie hier.

Man brauchte also nur ein Jahr Geduld und schon hat der Spiegel zugegeben, dass er gelogen und dass der Anti-Spiegel von Anfang an die Wahrheit berichtet hat. Natürlich weist der Spiegel darauf nicht hin, seine Leser mussten schon im Archiv des Spiegel suchen und die alten Artikel mit den neuen vergleichen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Oder sie müssen den Anti-Spiegel lesen, der ihnen diese Arbeit immer wieder gerne abnimmt.

Was das über den Sacharow-Preis aussagt

Jeanine Áñez wurde im März 2021 verhaftet und sitzt seitdem in bolivianischer Haft. Der Grund ist der Massenmord an den Demonstranten, die gegen ihren Putsch demonstriert haben. Dabei sind mindestens 37 Menschen von Armee und Polizei erschossen worden und über 800 wurden verwundet.

Die gute Frau Áñez, die vom Europäischen Parlament als Heldin im Kampf für Freiheit und Menschenrechte gefeiert wird, ist in Wahrheit eine Putschistin und Massenmörderin. Das allerdings verschweigt der Spiegel jetzt natürlich, wo er über die Verleihung des Sacharow-Preises an Navalny berichtet. Wenn der Spiegel-Leser wüsste, in wessen ehrenwerter Gesellschaft Nawalny in der Endrunde der Preisverleihung gewesen ist, könnte der Spiegel-Leser ja nicht nur den Preis selbst infrage stellen, sondern sich auch noch fragen, was das wohl über Nawalny selbst aussagt. Und das will der Spiegel natürlich nicht.

Aber was bedeutet das alles für den Sacharow-Preis für Menschenrechte, den das EU-Parlament regelmäßig verleiht? Und was sagt das über Nawalny selbst und die Motive des EU-Parlaments aus?

Nun, darüber kann jeder selbst nachdenken, denn ich möchte hier keine Kraftausdrücke verwenden.


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

  1. Sämtliche „Preise“ sind zu einem Politikum verkommen – haben seit langem ihre ursprüngliche Bedeutung verloren… – heutzutage bekommen Massenmörder, Kriegsverbrecher und andere Kriminelle diese „auszeichnungen“ – jaja, das Pack/die Mafia feiert sich selber, wie immer am Volk vorbei… 🤮

  2. Was das bedeutet für den Preis? Die Preisurkunde ist das Papier nicht wert, auf dem sie abgedruckt ist. Die 50.000,-€ sind im Falle Nawalnys der Judaslohn für den Verrat an seinem Volk.

    1. Danke für den rassistischen Kommentar.
      Was soll das eigentlich heißen. „Sein Volk verraten?“

      Ist also Aufdeckung von Korruption Verrat? Abgesehen davon hat er ja eher einzelne Personen und Bevölkerungsgruppen angeklagt, bzw. Informationen gesammelt, die normalerweise von „seinem Volk“ beurteilt werden sollten.
      Die freie Beurteilung der Fakten und die schlechte Nachverfolgung der gesammelten Informationen sind da doch schon eher das Problem.

        1. Naja, wenn jemand von Judaslohn redet und Verrat am Volk, ist das für mich schon sehr rassistisch oder, wenn man wortklauberisch sein will, auf jeden Fall völkisch.

          Der Gedanke ist ja der Gleiche: Menschen auf Grundlage ihrer Geburt oder ihres Glaubens für Handlungen anderer verantwortlich zu machen. 🤮

        2. Der Begriff Rasse bedeutet leidglich Subspezies bzw. Untergattung oder Unterart, folglich setzt sich der Homo sapiens wie die Spezies Hund auch aus mehreren Rassen zusammen.

          Die Menschheit setzt sich aus insgesamt fünf Rassen zusammen und diese sind: die Kaukasier (Europäer, Westasiaten, Nordafrikaner, die Mehrheit der Südasiaten und ein Teil der Zentralasiaten), Asiaten (Ost- Südost- Nordasiaten sowie ein Teil der Zentral- und eine Minderheit der Südasiaten), Schwarzen (Subsahara-Afrikaner), Ur-Amerikaner (indigene Bevölkerung des Doppelkontinents Amerika) und Ozeanier (Aborigines, Polynesier, Mikronesier und Melanesier).

      1. Lieber Albert, es gibt keinen einzigen verlässlichen Beleg für die Behauptung, dass der Ultranationalist und Rassist Nawalny überhaupt jemals irgendeinen Fall von Korruption aufgedeckt hatte! Dieser Mann ist ein westlicher Einflussagent, der von angelsächsischen Geheimdiensten gesteuert wird, was Herr Röper bereits hinreichend nachgewiesen hat.

  3. Der Sacharow Preis ist kein Preis für besondere politische Leistungen, sondern er wird verliehen für merkwürdige demokratische Aktionen.
    2020 wurde der Preis an die weißrussische Opposition (Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zapkala) vergeben davor an einen uigurischen Wissenschaftler, der sich gegen China wendet.

    Diese Preisvergeber sind wirklich nur schwer zu ertragen!

    1. Verstehe ich nicht.

      Wenn jemand sein zu Hause wegen verlassen muss, weil Sie/Er Ihre/Seine Meinung sagt, und dies trotzdem tut, finde ich das schon würdigungsfähig.
      Ist ja nicht gerade so, dass die genannten Personen nur unter Pseudonym Ihre Meinung auf einer Webseite unter Gleichgesinnten geäußert haben.

  4. „Wenn Sacharow wüsste, wie die EU seinen Namen missbraucht, würde er im Grabe rotieren.“

    Das ist einfach nur ein genialer Plan, die EU-Energiekrise zu lösen: Trafo an den Sarg + $Profit$
    😉

  5. Das EU-Parlament hat – wie wir es von diesem Dödel-Verein nicht anders kennen – erneut seine komplette Realitätsverweigerung zu Protokoll gegeben.
    Ich gehe davon aus, dass kein einziger derjenigen, die für diesen Kandidaten gestimmt haben, überhaupt weiß, warum der überhaupt verurteilt wurde! Die sind alle Opfer der eigenen Verblödungspropaganda geworden!

  6. Sehr toll!

    Zunächst einmal finde ich es interessant, dass Herr Röper meint, Herrn Sacharow zu kennen. Nun, wenn sie enge Freunde waren, nehme ich diesen Kommentar gerne wieder zurück.
    Ansonsten ist das ja nur wieder ein sinnloser Schimpf-Artikel.

    Zum anderen ist es sehr bezeichnend, dass hier als „journalistische Arbeit“ ungekennzeichnet eine Meinung wiedergegeben wird.

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