USA vs. Russland

Wie der Spiegel seine Leser über Bidens Aussagen und Russlands Reaktion desinformiert

US-Präsident Biden hat eine Rede vor den US-Geheimdiensten gehalten, in der er Russland scharf angegangen ist. Der Spiegel ist in seinen Artikeln darüber seiner Rolle als Pressesprecher der USA mal wieder mehr als gerecht geworden.

Dem Spiegel waren die Ereignisse gleich zwei Artikel an einem Tag wert. Im ersten Artikel mit der Überschrift „Folge von Cyberangriff – US-Präsident Biden warnt vor »echtem Krieg«“ hat er über Joe Bidens Rede vor den US-Geheimdiensten berichtet, wobei es dem Spiegel kein kritisches Wort wert war, dass Biden einen heißen Krieg mit Russland und/oder China für möglich hält, wobei ihm als Grund schon ein Cyberangriff ausreicht. Der in den USA inzwischen sogar vom US-Präsidenten für möglich gehaltene Atomkrieg (denn darum geht es im Falle eines solchen Krieges) scheint Spiegel-Redakteuren egal zu sein, sie scheinen sich für immun gegenüber Atombomben zu halten.

Man stelle sich einmal vor, Putin würde den USA als Reaktion für Cyberangriffe mit einem Atomkrieg drohen, ich bin bereit, darauf zu wetten, dass der Spiegel tagelang über den „Kriegstreiber“ Putin schreiben würde. Aber wenn Biden so etwas sagt, dann zitiert der Spiegel es brav und kommentiert es nicht. Der Spiegel zeigt einmal mehr, dass er sich als Pressestelle der USA versteht, der die Äußerungen der US-Regierung brav wörtlich weitergibt.

Was passiert ist

US-Präsident Joe Biden hat Russland in einer Rede vor den US-Geheimdiensten scharf angegriffen. Der Spiegel zitiert Biden korrekt, wenn er schreibt:

„Biden hingegen warf Russland vor, sich jetzt schon durch Verbreitung von Falschinformationen in die Kongresswahlen 2022 einzumischen. »Schauen Sie sich an, was Russland bereits in Hinblick auf die Wahlen 2022« unternimmt, sagte Biden. »Das ist eine reine Verletzung unserer Souveränität.«“

Es wäre allerdings die Pflicht eines Journalisten, auch zu fragen, was genau „Russland bereits in Hinblick auf die Wahlen 2022 unternimmt.“ Das Problem an dieser Aussage Bidens ist nämlich, dass er dazu nichts gesagt hat. Mehr noch: Es gibt in den USA bisher noch nicht einmal frei erfundene Vorwürfe in diese Richtung. Die werden sicher noch kommen, aber bisher gibt es sie nicht, von belegten Vorwürfen gar nicht zu reden. Der Spiegel stellt jedoch keine kritischen Fragen, wenn Joe Biden spricht.

Der Spiegel sieht sich ja als Pressestelle der USA in Deutschland, also springt er hilfreich ein, wenn Biden selbst nichts dazu sagt. Dazu vermischt der Spiegel zwei Themen, die nichts miteinander zu tun haben:

„Im Herbst 2022 finden in den USA Kongress-Zwischenwahlen statt, bei denen alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat zur Wahl stehen. Das Weiße Haus hatte Russland zuletzt wiederholt aufgefordert, Maßnahmen gegen Cyberattacken zu ergreifen, die russischen Hackern zugeschrieben werden.“

US-Wahlen und die bösen Russen

Bidens unbelegte und nicht konkretisierte Vorwürfe klingen für den Spiegel-Leser so gleich viel glaubwürdiger. Dabei liegt das Problem ganz woanders: Die Zustimmungswerte für Biden stürzen gerade ab, wie eine aktuelle Umfrage von Gallup zeigt. Die Zustimmung zu Biden ist von 56 Prozent im Juni auf 50 Prozent im Juli gefallen. Damit hat Biden die drittschlechtesten Werte aller Nachkriegspräsidenten, denn nur Trump und Clinton hatten im zweiten Quartal nach ihrer Amtseinführung noch schlechtere Werte. Die desolate Wirtschaftslage, die explodierende Kriminalität und Inflation, all das lässt Bidens Zustimmungswerte abstürzen. Aber der Spiegel-Leser weiß ja nicht, dass der als Heilsbringer präsentierte Joe Biden, über dessen Bilanz man in Deutschland nur positives lesen kann, in den USA ganz anders gesehen wird.

Nächstes Jahr sind Wahlen in den USA, bei denen die Karten in den US-Parlamenten neu gemischt werden und derzeit sieht es für die US-Demokraten alles andere als rosig aus. Daher beginnen sie nun schon an der Legende zu basteln, dass sie eine mögliche Wahlniederlage nur der ominösen russischen Einmischung zu verdanken haben. Joe Biden hat in seiner Rede den Startschuss zu der Kampagne gegeben. Der Dauerbrenner der russischen Einmischung in US-Wahlen geht damit in die nächste Runde, nachdem Hillary Clinton die neue Tradition der US-Demokraten begründet hat, Russland die Schuld an eigenen Wahlniederlagen zu geben.

Bidens Frontalangriff gegen Putin

Über das, was Joe Biden dann noch über Russland gesagt hat, berichtet der Spiegel ebenfalls korrekt:

„Biden griff seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin mit scharfen Worten an: Putin habe »ein echtes Problem, er sitzt an der Spitze einer Wirtschaft, die Atomwaffen hat und sonst nichts«, sagte Biden. »Er weiß, dass er in Schwierigkeiten steckt, was ihn in meinen Augen noch gefährlicher macht.«“

Das ist offensichtlicher Unsinn, denn Russland dürfte Deutschland als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt überholt haben oder überholt Deutschland in 2021 oder 2022. Für 2020 liegen noch keine gesicherten Zahlen vor, aber 2019 lag Deutschlands BIP nach Kaufkraftparität bei 4,672 Billionen Dollar und Russland lag bei 4,136 Billionen. Ich habe über diese Thematik ausführlich geschrieben und vor allem auch erklärt, welches BIP man zum Vergleich von Staaten nehmen muss, denn es gibt verschiedene Arten, das BIP zu messen. Bevor Sie die BIPs googeln, lesen Sie daher bitte hier die Details nach.

Wenn man nun berücksichtigt, dass Deutschlands BIP dank der Lockdown-Maßnahmen den größten Rückgang seiner Geschichte erlebt, während Russland relativ unbeschadet durch die Krise kommt, dann dürfte Russland Deutschland wohl demnächst überholen, wenn das nicht sogar schon geschehen ist. Aber auch davon wissen Spiegel-Leser ja nichts.

Die „scharfe Reaktion“ des Kreml…

Der zweite Spiegel-Artikel des Tages über das Thema trug die Überschrift „Konfrontation der Großmächte – Kreml reagiert scharf auf Bidens Atom-Äußerung.“ Bevor wir auf den Spiegel-Artikel kommen, sehen wir uns die „scharfe Reaktion“ des Kreml in voller Länge an, denn der Kommentar von Kreml-Sprecher Peskow wurde in den russischen Medien gezeigt. Und zwar im O-Ton, nicht etwa in kurzen Zitaten. Peskow sagte:

„Das sind eindeutige eine falsche Information und ein falsches Verständnis des modernen Russlands. Ja, Russland ist die größte Atommacht, eine sehr verantwortungsvolle Atommacht. Ja, es ist ein Land mit einem recht großen Öl- und Gassektor. Aber zu behaupten, Russland hätte sonst nichts, ist fundamental nicht richtig. Wahrscheinlich hätten die Berater Präsident Biden darüber in Kenntnis setzen sollen, dass der Anteil des Öl- und Gassektors an Russlands BIP 2020 15,2 Prozent betragen hat. 2017 betrug dieser Anteil 16,9 Prozent. Wenn es um Experten-Dokumente ginge, hätte diese Information dem US-Präsidenten vorgelegt werden müssen.“

Und bei einer anderen Gelegenheit fügte Peskow am gleichen Tag noch hinzu:

„Die USA können kaum noch als Partner bezeichnet werden. Vielmehr sind sie unser Gegner oder unser Vis-à-vis. Es gibt bisher keine Partnerschaftsprogramme und -beziehungen, was wir bedauern. Obwohl Präsident Putin wiederholt den politischen Willen zur Normalisierung dieser Beziehungen gezeigt hat.“

… und was Spiegel-Leser darüber erfahren

Der Spiegel schreibt über diese Aussage:

„Kreml-Sprecher Dmitri Peskow entgegnete darauf, der US-Präsident liege »fundamental falsch«. Russland sei eine »sehr verantwortungsbewusste Nuklearmacht«. Sein Land habe Atomwaffen und den Öl- und Gassektor, »aber zu sagen, dass Russland nichts anderes hat, ist fundamental falsch«, erklärte Peskow. Es handle sich bei den Aussagen Bidens um »inkorrektes Wissen und eine Fehleinschätzung des modernen Russlands«.
Hoffnungen, dass die beiden Atommächte sich rasch wieder annähern könnten, dämpfte Peskow. Die USA könnten »nur schwer als Partner bezeichnet werden«, sagte der Sprecher. Es handle sich bei den Vereinigten Staaten eher um einen »Gegner« oder ein »Vis-à-vis«.“

Merken Sie was? Das ist ein perfektes Beispiel, um aufzuzeigen, was der Spiegel seine Leser wissen lassen will und was nicht.

Dass die russische Abhängigkeit von Öl und Gas inzwischen fast nicht mehr existiert, sollen deutsche Leser nicht erfahren. „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel wollen bei ihren Lesern bewusst ein falsches Russlandbild konservieren, in dem Russland nur von Öl und Gas lebt. Das ist aber inzwischen längst nicht mehr so.

Das zweite, was deutsche Leser nicht wissen sollen, ist, dass Russland den Ausgleich und die Entspannung sucht. Erinnern wir uns an die Überschrift des Spiegel-Artikels, in der von einer „scharfen Reaktion“ die Rede ist. Erkennen Sie in Peskows Worten eine scharfe Reaktion?

In dem Spiegel-Artikel kann man zum Beispiel auch noch lesen:

„Inzwischen führen zwar Delegationen der beiden Länder in Genf Abrüstungsverhandlungen, doch die beiden Staatschefs beharken sich längst wieder verbal.“

Wo beharken sich die beiden Staatschefs? Erstens hat Putin nichts dergleichen gesagt oder getan, er hat sich im Gegenteil nach dem Gipfeltreffen in Genf sehr positiv über Biden geäußert und ihn sogar in Schutz genommen, wie Sie hier nachlesen können. Und zweitens hat heute nicht Putin, sondern sein Sprecher auf Bidens Flegeleien reagiert. Aber finden Sie in Peskows Aussage etwas, das man als „beharken“ bezeichnen kann?

In Wahrheit ist es so, dass es die USA und Joe Biden sind, Russland und Putin persönlich ständig angreifen, auch gerne mal unter der Gürtellinie, während Russland mit stoischer Ruhe reagiert und sich nicht provozieren lässt. Aber das sollen Spiegel-Leser nicht wissen, was einmal mehr zeigt:

Spiegel-Leser wissen weniger!


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

  1. T.R. Artikel konkretisiert die allgemeine Situation, bezogen auf die USA….

    https://www.anti-spiegel.ru/2021/heftige-proteste-in-litauen-gegen-fluechtlinge/#comment-25677

    Leider sind die Reaktionen aus Moskau nicht zielgerichtet darauf, ( Zur Eindämmung der Fake-Informationen der Mainstream-Medien – wie hier berichtet ) was diesem Europa selbst- speziell dem Westdeutschen Sektor – in Einbindung der ostdeutschen Gebiete um die Metropolregion Stettin Gebiete passiert, wenns dem Arschloch Biden in seinem „Vergesslich-Suff“- denn mal einfällt, sein „Rating“ zur Abwendung der Diskussion innerhalb den USA zu erhöhen, indem er mal tatsächlich loslegt, den „Verteidigungsfall“ nach NATO-Standard auszurufen….

    Tja… Putin baut da riesengroßen, gefährlichen Bockmist….

    Zumindest sollte er (Putin ) nach solchen Äusserungen der USA demonstrativ Genf mal auf die Warteliste schieben, bis die USA wieder „halbwegs normal werden“… ( Drei Ausrufezeichen …)

    1. Spiegel-Leser wissen weniger!

      Ne, falsch.

      Die auch noch für den Dreck bezahlenden Leser , sind das Grund-Übel der Gesellschaft, weil sie als sogenannte Oberschicht es verstanden haben, ihre eigene Argumentation zur Aufrechterhaltung ihres Standes in der Gesellschaft, gegenüber jede Kritik an dem eigenen Verhalten – aus der Gesellschaft heraus- mit der Argumentation dieser Verbrecherbande des Mainstreams „legalisieren“ können.

      Was nun ein bezahlender Spiegelleser ist….. ?

      Beginnen wir mit dem Begriff „EGOIST „

    2. Sehn Sie guter Mann, ich gehe ja nun auch nicht in jedem Punkte mit dem Autokraten konform. Aber das sehen wir Ihm mal nach, angesichts der geradezu übermenschlichen Aufgabe, die Ultraliberalen, vor allem die im eigenen Lande, in Schach zu halten.

      Das ist deshalb so entscheidend, weil deren Ideenwelt so schön einfach wie selbstzerstörerisch ist, und was die verkünden, erscheint deshalb so einleuchtend, weil wir im Grunde alle mehr oder weniger Liberale sind. Dagegen können wir auch gar nichts machen, außer immer wieder mal nachzudenken und einzusehen, daß es Probleme gibt, die wir ewig haben werden, weil die prinzipiell nicht aufzulösen sind, und uns da nichts anderes übrig bleibt, als sie immer wieder neu auszutarieren.

      Im übrigen ist da gerade der im Grunde unproduktive Kunst- und Kultur-/Unterhaltungssektor seiner Natur nach erzliberal und damit auch gefährlich, denn der verfügt heute, im Gegensatz bspw. zum Mittelalter oder auch noch bis vor c.a. 150 Jahren, über so viel mehr technische und vor allem ökonomische Ressourcen – weil wir uns das infolge einer um ein Vielfaches höheren Produktivität inzwischen leisten können – und kann mit diesen Ressourcen massiv das gesellschaftliche Bewußtsein beeinflussen, versorgt es aber zu einem großen Teil mit Inhalten, die mit der Realität oft recht wenig zu tun haben, nur die mehr oder weniger schöne „Welt“ dieses „Kultur- und Unterhaltungskomplexes“ widerspiegeln, in der man da leben kann, weil es diese Unzahl von Idioten gibt, die noch was richtig wichtiges tun.
      Und wenn „Youtuber“ oder „Influencer“ inzwischen angesehene Berufe sind, fehlt mir da einfach die Phantasie, um mir vorstellen zu können, es ginge irgendwie noch weiter runter. (Natürlich gibt es da auch ein paar gute Leute.)

      Es existieren ja die verschiedensten Vorstellungen und Phantasien dahingehend, wie und wodurch sich diese Zivilisation selbst liquidieren könnte.
      Meine ganz persönliche ist, daß das schon begonnen hat, und die Ursache oder der neue Antrieb ist ausgerechnet das, was uns alle die Glückseligkeit nicht nur eines unbeschränkten, weltweiten Zugangs zu jeder denkbaren Information für jedermann verheißt, sondern daneben auch solche zu generieren, in den gleichen Dimensionen gleichermaßen möglich macht – nämlich das „Netz“. Aber gut, das ist mehr so eine Ahnung…

      Was sich da in den U.S.A derzeitig abspielt, und zwar in dem gar nicht so kleinen, aber weitgehend geschlossen politisch-militärischen Establishment, ist mit „Wahnsinn“ geradezu wohlwollend umschrieben.
      Und wenn du Verrückte nicht wegsperren kannst, ist sie zu reizen, indem du auf deren Ausfälle quasi spiegelbildlich reagierst, keine gute Strategie.
      Daher meine ich, Putin macht das bisher im Großen und Ganzen schon richtig.

        1. Na es dürfte sich doch „rumgesprochen“ haben, daß ich mir da eine gehörige Portion Sarkasmus erlaube, den mit „Gänsefüßchen“ zu kennzeichnen, ich mir inzwischen weitgehend erspare …

          1. Das ist schon klar. Dass der Westen Putin als Autokraten bezeichnet, hat sich herumgesprochen. Also könnte dieser gemeint sein. Es wäre allerdings auch denkbar, da in dem Artikel viel von Biden die Rede war und da dieser ja im Zuge von gelinde gesagt umstrittenen Wahlen zum Präsidenten wurde, dass Biden gemeint sein könnte. Da würde ich dann allerdings widersprechen, denn der US-Präsident ist ein Hampelmann, kein Autokrat. Der einzige, der das sehr viel weniger war, war der Chaot Trump. Deswegen musste er ja auch weg.

            1. Hmm, gut im Nachhinein war der Bezug vielleicht nicht so klar. An Biden und Konsorten würde ich allerdings keine Gedanken verschwenden, das ist mit meinen letzten Sätzchen sozusagen ausgeschrieben …

  2. Das was bei uns in den Medien totgeschwiegen wird ist die Tatsache, dass die USA ein sinkender Stern ist. Wir bekommen nichts mit von den Krawallen durch BLM. Wir erfahren nicht von der Working Poor, Menschen die einen Vollzeitjob haben und sich keine Wohnung leisten können. Auch wenn es sich um hierzulande gut bezahlte Berufe handelt. Wir bekommen nichts mit von der steigenden Kriminalitätsrate und den Todesdelikten in den USA. Wir erfahren nichts über den Wahlbetrug der Demoratten und über die Heuschrecken der US Finanzwelt. Wir leben in einem Tal der Ahnungslosen und die, die das Licht gesehen haben und davon erzählen werden als Spinner abgestempelt.
    Da die Menschen in den USA in Schnitt dumm sind, werden solche Räuberpistolen von einigen auch geglaubt. Das reicht um die Wahlen zu gewinnen. An Stelle der Republikaner würde ich jetzt hingehen und über Russland Wahlwerbung für die Demokraten finanzieren. Diese Finanzierung wird dann kurz vor den Wahlen auffliegen. Putin hat ja gut über Biden gesprochen. Die Angriffe von Biden auf Putin sind abgesprochen ansonsten würde Putin viel heftiger reagieren. Einfach den Spieß umdrehen.

    1. «…. An Stelle der Republikaner würde ich jetzt hingehen und …..»

      Wenn man mit solchen Spielen anfängt muss man es immer wieder tun um vorheriges zu vertuschen. Bis man völlig darin verstrickt ist. Etwas kann man als Anti-Spiegel Leser lernen, genau das.

  3. Also, bei Russlands Wirtschaft haben Sie, Herr Röper, eine ähnlich fixe Idee wie beim anthropogenen Anteil an der Verursachung der Klimakatastrophe: Russland kurz vorm Überholen Deutschlands. In der DDR gab’s da einen Spruch in Bezug auf die Wirtschaftsleistung des Westens: überholen, ohne einzuholen.

    Ich beanspruche nicht, Russlands Wirtschaft besser beurteilen zu können als Sie, keineswegs. Sie leben dort, sie waren in der Wirtschaft tätig, sind es vielleicht noch, Sie sehen das Wachstum St. Petersburgs und wohl auch Moskaus, und das sind sicherlich nicht die einzigen „Leuchttürme“ Russlands. Aber ohne Zweifel sind es Leuchttürme. Ob das Aufflammen des russischen Glanzes in St. Petersburg wirklich repräsentativ für alle Regionen Russlands ist, zweifle ich an. Aber das haben Sie ja auch gar nicht behauptet.

    Nun reiten Sie also zum wiederholten Mal auf dem Status Russlands als fünftgrößte oder bald fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt herum und dass es damit Deutschland demnächst überhole. Das will ich gar nicht in Zweifel ziehen. Aber das ist doch, etwas zugespitzt, wie ein Vergleich zwischen Deutschland und Luxemburg. Natürlich hat Deutschland eine höhere Wirtschaftskraft als Luxemburg. Aber es ist eben auch ein „kleines bisschen“ größer, nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Bevölkerungszahl. Und den Durchschnittsdeutschen interessiert das deutsche BIP ungefähr so wenig wie den Durchschnittsrussen das russische BIP, ob es nun kaufkraftbereinigt ist oder nicht. Beide wollen wissen, der Ami und der Chinese und alle anderen übrigens auch, was in seiner ganz persönlichen Tasche übrig bleibt. Und da landen wir beim Pro-Kopf-BIP, gerne beim kaufkraftbereinigten. Ich hatte darauf schon in einem früheren Kommentar hingewiesen, aber da Sie keine Zeit mehr finden, die Kommentare zu lesen, wie Sie selbst (sinngemäß ungefähr) schrieben – und was ich ein Stück weit auch verstehen kann -, ist Ihnen das vielleicht entgangen. Oder Sie wollen es nicht sehen. Ich meine, Sie lieben St. Petersburg, Sie fühlen sich wohl in Russland; es ist wohl nicht ganz verkehrt, Sie in gewisser Weise als russischen Patrioten zu bezeichnen, auch wenn Sie kein Russe sind. Da macht sich Platz 5 natürlich besser, in der Nachbarschaft Deutschlands, als Platz 58, vor Bulgarien und hinter Rumänien. Aber auch da will ich den Zahlen nicht zu viel Substanz zugestehen, denn Russland hat eine große Fläche, viele Menschen haben ihre Datscha, und da können sie abseits aller Geldströme Lebensqualität und Selbstversorgung generieren, die im BIP nicht auftauchen. Alles zugestanden. Aber das Trommeln mit Platz 5 in der Welt ist ungefähr so wie das Bashing der Chinesen, weil die den höchsten CO2-Ausstoß in der Welt haben. Na klar haben sie den – es sind schließlich 1,3 oder 1,4 Milliarden.

    Dann schreiben Sie, dass „Deutschlands BIP dank der Lockdown-Maßnahmen den größten Rückgang seiner Geschichte erlebt“ habe. Das ist in absoluten Zahlen zwar richtig. Aber Veränderungen im BIP werden gewöhnlich prozentual angegeben, und da war der Rückgang 2008 größer. Das nur mal am Rande.

    Und schließlich Russlands Abhängigkeit vom Gas- und Ölexport. Die Dynamik, die Sie beschreiben, ist sicherlich korrekt; ich kann das nicht beurteilen, glaube Ihnen die Zahlen aber. Nur sind 15 Prozent eben immer noch keine ganz kleine Nummer. Es ist was anderes als 50 Prozent, gewiss, und ganz sicher ist Russland weit entfernt von Helmut Schmidts „Obervolta mit Atomwaffen“, und es ist, außer einem Atomkrieg, für mich kein Szenario vorstellbar, in dem die Nachfrage nach Russlands Öl und Gas innerhalb von, sagen wir, fünf Jahren auf 0 zurückginge, aber gäbe es doch eines, das ich mir bloß nicht vorstellen kann, dann würde das gewaltig knirschen in Russlands Wirtschaft. Und ja, Verwerfungen würde es bei solch fundamentalen Änderungen nicht nur in der russischen Wirtschaft geben, sondern in jeder international stark verflochtenen. Wirtschaft lebt schließlich von Kontinuität und allmählichen Veränderungen, nicht von Revolutionen und anderweitigen Umbrüchen.

    Sie haben glaubhaft beschrieben, dass Russland im großen Stil Gas in die USA exportiert, dass die Exporte wahrscheinlich sogar in die EU zunehmen werden, dass China nachfragt. Wenn unter diesen Umständen der Anteil fossiler Energien prozentual – zwecks stärkerer Unabhängig von diesem Export – sinken soll, muss die übrige Industrie überproportional wachsen. Vielleicht kann sie das, vielleicht tut sie das. Die absoluten Zahlen zum russischen BIP würde ich aktuell als etwas volatil bezeichnen; da ist für mich kein klarer Trend erkennbar. Es mag mein Wunschdenken – nicht in Bezug auf Russland, sondern auf die Zukunft der Welt – sein, dass die Ströme fossiler Rohstoffe bald zurückgehen werden. Aber sollte es so kommen, so wäre dies gewiss kein Wachstumsfaktor für die russische Wirtschaft. Ich finde, dies ist ein Einflussfaktor, der bei Prognosen zur künftigen Entwicklung der russischen Wirtschaft und ihrer Position in der Welt und ihrer Fähigkeit, zur Zufriedenheit der russischen Bevölkerung beizutragen, schon gebührend berücksichtigt werden sollte.

    1. Russland hat bei seinem Riesenterritorium halt auch jede Menge Rohstoffe, die nicht zu fördern und halt auch zu exportieren wäre Blödheit. Gerade ist wieder Kohle wichtig geworden für Russland, weil China sich mit Australien verkracht hat, was vorher eine Menge Kohle nach China geliefert hat. Ansonsten denkt Russland schon an die Zeit, wenn in Europa nur noch grüne Energie benutzt werden darf. Es kann dann Wasserstoff liefern. Wenn man irgendwo ein Atomkraftwerk stehen hat, ist Energie außerhalb der Hochbelastungszeit billig, und man kann dann damit Wasserstoff produzieren. Und, nicht vergessen, eine der Entwicklungsrichtungen ist, nicht mehr die Rohstoffe selbst zu exportieren, sondern sie lokal schon zu verarbeiten. Halbfabrikate bringen schon mehr, bei weniger Transport. Aber wenn man Rohöl zu Benzin verarbeitet und das dann verkauft, läuft das in der Statistik ja immer noch unter „Öl und Gassektor“.

      Russland ist die wohl am wenigsten verflochtene große Wirtschaft der Welt. Sie exportieren wenig, sie importieren wenig. Daher wird eine egal wie große Weltwirtschaftskrise auf Russland weniger Auswirkungen haben als auf andere Staaten. Der unterbewertete Rubel ist dabei auch ein Mittel, die eigenen Märkte abzuschotten.

      Sicher, die Deutschen sind noch reicher wenn das BIP dasselbe ist, 80:140, also das bringt weniger als 1:2. Nichts, was bedeutet, dass die Russen besonders arm sind. Wenn jemand vom Zerfall der Sowjetunion profitiert hat, dann sind das (außer dem Baltikum, was von EU-Knete profitiert) die Russen.

      Die Russen haben neben Rohstoffen noch einiges andere zu bieten, die Landwirtschaft (Weizenexportweltmeister), Atomkraft (führende Position in der Welt), natürlich das Militär. Also alles wichtige können sie gut. Sie bauen Flugzeuge (wie viele Staaten tun das? Die EU hat sich mit Airbus dazu vereinigt, weil das für einen Staat zu groß war), exportieren Software.

    2. @stephan.geue «China hat den höchsten CO2-Ausstoß in der Welt»
      Wie Sie in Ihrem Kommentar richtig bemerken muss man vorsichtig sein. Sie erwähnen die Bevölkerung. Im Weiteren:
      70-80% der Energie für die Produktion hat China aus Kohlekraftwerken. Im Gegenzug hat Frankreich 70 AKWs. Radioaktive «Endlager» sind Müllkippen für künftige Generationen. Man kann sagen «Wer frei ist vor Sünde der werfe den ersten Stein». China hat 14 AKW in Betrieb und 25 in Bau. Der CO2-Ausstoß wird also zurückgehen. Und der in der CO2 Berechnung nicht enthaltene Atommüll zunehmen.
      Nach WWF stände die Schweiz (als Beispiel genannt) im internationalen CO2 Vergleich Platz 12, bei weitem nicht so gut da wenn auch die Emissionen aus dem Import miteinbezogen würden. Vieles wurde ausgelagert. Neben CO2 fällt auch reichlich Sondermüll im Exportland an.

  4. Mit der Aussage, dass Russland nur Atomwaffen und den Öl- und Gassektor hat und sonst nichts hat einen anderen Zweck. Das ist eine altbekannte Manipulationsmethode für die eigene Bevölkerung.
    Damit will man den Eindruck erwecken, dass der potenzielle Gegner rückständig und nach Nazi-sprech eine Art „Untermensch“ sei und kein großes Risiko bestehe den Gegner zu überfallen und denen dann den Fortschritt oder eben die Vernichtung zu bringen. Wobei heutzutage bei der Legitimierung von westlichen Kriegseinsätzen gerne mal Fortschritt in Form von Freiheit und Demokratie gebracht werden, um so der eigenen Bevölkerung ein gutes Gefühl zu vermitteln. Ihnen sozusagen die Motivation zu geben sich diesem Ziel anzuschließen. Denn mit dem Ziel der Versklavung und Vernichtung wie es damals die Nazis mit den Slawen vorhatten zieht man heute (noch) keinen aus der Deckung.
    Diese Sicht im Bezug auf Russland und die Slawen hat der von den USA geführte Westen von den Nazis übernommen.

    Die Russen werden wie üblich ganz einfach einfach als unterentwickelte, rücksichtslose und barbarische Untermenschen dargestellt.

    1. Jaha, das sehe auch so … Und die (west)europäische Tradition ist da älter als die Nazis…
      Ich meine, der Grundkonflikt läßt sich letztlich auf den Katholisch-Orthodoxen zurückführen.
      Nachdem Konstantinopel gefallen war, hat sich das Zentrum der Othodoxie nach Russland verlagert und erholt, ist zu neuer Blüte gelangt. Das hat Rom nicht so recht begeistert…

  5. US-Präsident Biden warnt vor »echtem Krieg« Das haben sie in unseren CH Nachrichten auch gesagt. Von Atomkrieg hingegen nichts. Aber davon abgesehen, wie blöd muss man sein, immerzu alles und jedes mit Fäusten austragen zu wollen. Für was wahren die Treffen?

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